Kenan allein im Sturm

von Redaktion

1860 Rosenheim verliert Heimspiel gegen Garmisch-Partenkirchen 1:2

Rosenheim – Zu Weihnachten läuft er wieder in Dauerschleife: „Kevin – allein zu Haus“. Die Geschichte des von der Familie vergessenen kleinen Buben, der sich fürs Weihnachtsfest rüstet und mit guter Vorbereitung und ausgeklügeltem Plan das Eigenheim gegen tollpatschige Einbrecher verteidigt. Beim Fußball-Landesligisten TSV 1860 Rosenheim heißt es bisweilen „Kenan allein im Sturm“. Die ganzen Hoffnungen in Sachen Offensivbemühungen ruhen auf Kenan Smajlovic, mit sieben Treffern auch bester Torschütze der Sechziger. Zum Rückrundenauftakt gegen den 1. FC Garmisch-Partenkirchen hat der Angreifer, der sich aktuell auch die Kapitänsschleife überstreift, nicht getroffen – und der TSV 1860 musste eine 1:2-Niederlage quittieren.

Das lag daran, dass sich die Gäste von der Kandahar keineswegs tollpatschig wie die Räuber Harry und Marv anstellten, um die Punkte aus Rosenheim zu rauben, vor allem aber daran, dass sich die Hausherren fast schon mehr Slapstick-Einlagen leisteten als Harry und Marv bei ihrem Einbruchsversuch. Beim ersten Gegentreffer rutschte ein Sechziger bei einem langen Ball weg, die Hereingabe von Gäste-Spieler Elian Schmitt prallte von Simon Fischers Knie ins eigene Tor. Und das 1:2 entstand durch einen Fehler von Tormann Alin Goia, der einen Schuss aus rund 30 Metern aufs Tor prallen ließ, beim Nachsetzen war der Garmischer Angreifer schneller und wurde nicht regelkonform zu Boden gebracht. Den fälligen Elfmeter verwandelte Jonas Poniewaz sicher. Jener Gäste-Offensivspieler hatte schon zuvor die Chance auf den zweiten Treffer, als er den Ball von Florian Grundner serviert bekam und alleine aufs Rosenheimer Tor zulief – da war es aber Goia, der geduldig war, sich breit machte und glänzend parierte. „Diese individuellen Fehler haben unser Spiel gekennzeichnet“, merkte 1860-Trainer Wolfgang Schellenberg an, „die dürfen so einfach nicht passieren“. Sein Fazit: „Solche Fehler müssen wir wieder rausbringen. Wenn du dem Gegner die Tore schenkst, dann kann man kein Spiel gewinnen.“

Und was war mit Kenan Smajlovic? Der machte, was er eigentlich immer tat: Er rackerte, probierte und mühte sich ab. Dem Leistungsträger ist aber die lange Saison anzumerken, beispielsweise bei den Eckbällen, die zuletzt an Wirkung verloren haben und nicht nur einmal im Außennetz landeten. Im ersten Durchgang hatte er zwei Kopfballchancen, „sehr aussichtsreich“, wie Schellenberg haderte. Viel Pech hatte Smajlovic gleich nach Wiederbeginn, als sein Drehschuss um Haaresbreite am langen Pfosten vorbeiflog. Wäre der reingegangen, dann wären die Punkte wohl in Rosenheim geblieben.

Immerhin: So ganz alleine wie Kevin war Smajlovic dann auch nicht. Zum Beispiel traf Steven Khong-In zum zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich, als er eine Hereingabe von Max Mayerl mit langem Bein ins Netz beförderte. „Das war ordentlich rausgespielt“, befand Schellenberg. Und nach dem Wechsel hatten auch andere Rosenheimer den zweiten Treffer auf dem Kopf beziehungsweise Fuß. Erst flog ein gut angesetzter Grundner-Kopfball knapp am Pfosten vorbei, nach der Garmischer Führung waren die eingewechselten Laurin Demolli und Raphael Lang dran: Demolli setzte sich stark durch und scheiterte dann an der Fußabwehr von Garmischs Keeper David Salcher, Lang hatte den Tormann per Heber bereits bezwungen, doch der Ball wurde von einem Abwehrspieler noch vor der Linie aus der Gefahrenzone herausbefördert. „Wir waren sehr diszipliniert, hatten das Glück des Tüchtigen und einen Torwart, der uns am Leben gehalten hat“, erklärte Gäste-Trainer Stefan Schwinghammer, der nach der Trennung von Florian Heringer unter der Woche zum Chef aufgerückt war – und mit den drei Zählern aus Rosenheim gleich einen perfekten Einstand hatte. 1860 hat am Dienstag die Chance zur Wiedergutmachung im Heimspiel gegen Traunstein.

TSV 1860 Rosenheim: Goia, Gratt, Rudolph (46. Jesse), Grundner, Fischer, Mayerl (90. Kevadiya), Summerer, Markulin (76. Schäpe), Van de Wiel (57. Lang), Smajlovic, Khong-In (65. Demolli).

Schiedsrichter: Dorfner (SV Falkenfels).

Zuschauer: 140.

Tore: 0:1 Fischer (Eigentor, 26.), 1:1 Khong-In (40.), 1:2 Poniewaz (63., Foulelfmeter).

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