„Dieser Titel ist für mich sehr befreiend“

von Redaktion

Ein riesiger Lohn nach jahrelanger Trainingsarbeit: Bei den deutschen Crosslauf-Meisterschaften in Hörstel-Riesenbeck/Nordrhein-Westfalen hat Leichtathlet Maximilian Berger aus Tuntenhausen die Goldmedaille errungen.

Tuntenhausen – Bereits seit seiner Jugend zählt der Mittelstreckenläufer zur bayerischen Elite und hatte im Trikot des TuS Bad Aibling bislang immer ein wenig Pech, wenn es um mögliche Finalrennen bei deutschen Titelkämpfen ging. Heuer wechselte er den Verein, um beim LSC Höchstadt/Aisch mit seiner Penzberger Trainerin Melanie Jäger einen weiteren Karriere-Schritt nach vorne zu machen. Mit Erfolg: Neben seinem fünften Platz über 1500 Meter der Junioren wurde der Tuntenhausener deutscher Meister mit der 3-mal-1000-Meter-Staffel der Männer. Im Crosslauf nahm sich der ehrgeizige Sportler nun zum Jahresende sehr viel vor, denn „ich wollte meine letzte Chance für meine erste Einzelmedaille bei einer DM der 20- bis 22-jährigen Junioren nutzen“. Der 22-Jährige ging deshalb in zwei Wertungsrennen zum deutschen Cross-Cup an den Start: In München gewann er klar und war zugleich in Pforzheim bester Deutscher.

Enge Kurven und
schlammige Feldwege

Berger absolvierte nun auf dem internationalen Pferdesportgelände in Hörstel-Riesenbeck seinen DM-Start gegen die besten nationalen Läufer der Junioren – und mit 52 Teilnehmern waren auch alle aktuellen Asse am Start, denn neben Medaillen ging es auch um mögliche Nominierungen für die Crosslauf-Europameisterschaften im türkischen Antalya. Auf der 7,7 Kilometer langen Strecke zählte Berger bei knapp drei Grad Celsius zweifelsohne zu den Mitfavoriten auf eine Medaille, doch die Strecke war extrem abwechslungsreich, mit festen Untergrundpassagen, engen Kurven mit schlammigen Stücken und Feldwegen sowie zwei kleinen Anstiegen. „Das machte ein cooles Rennen, weil wir auch auf einer Runde direkt durch eine Reithalle gelaufen sind“, so Berger, der am Vormittag noch leichte Kopfschmerzen hatte. „Das hatte sich an der Startlinie dann zum Glück alles gelegt“, verriet der angehende Fachlehrer. Im letzten Drittel der Distanz lagen dann allerdings immer noch knapp zehn Läufer dicht beisammen. „Ich wollte meine Chance dann einfach nutzen und habe auf den letzten 400 Metern zu einem harten Endspurt angesetzt, wo ich irgendwie gespürt habe, dass ich mich gegen den Rest der Konkurrenz durchsetzen könnte.“ Es wurde dann auch richtig knapp, denn auch die Konkurrenz legte auf den letzten Metern nach einer 180-Grad-Kurve alle Karten auf den Tisch. Berger arbeitete sich eine kleine Führung heraus, spielte dann nochmals all seine Erfahrungen aus und reagierte perfekt. Mit einem hauchdünnen Vorsprung von wenigen Zentimetern wuchtete er sich förmlich mit einem Hechtsprung ins Ziel und hatte nach einem echten Foto-Finish dann allen Grund zum Jubeln. Mit 23:19 Minuten wurde Maximilian Berger im Trikot des LSC Höchstadt/Aisch neuer deutscher Meister. Bei diesem dichten Rennverlauf verwies er den zeitgleichen Robin Müller vom LC Top Team Thüringen auf den Silber-Platz, Bronze ging an Kurt Lauer vom LAZ Ludwigsburg mit 23:20 Minuten. Alle drei Athleten erfüllten damit die Vorgabe für die Cross-EM am 8. Dezember in Antalya, allerdings erfolgen die Nominierungen hier noch durch den Bundestrainer.

Berger meinte nach dem Lauf: „Wir sind zu zehnt auf die letzte Runde eingebogen und da hätte jeder gewinnen können. Ich wollte den Moment meiner Chance einfach nutzen.“ Der 22-Jährige, der im nächsten Jahr altersbedingt nur noch in der Hauptklasse der Männer starten darf, weiter: „Meine letzte Medaillen-Chance bei den Junioren habe ich nun endlich genutzt und bin richtig stolz drauf, dass ich das geschafft habe.“ Dieser Titel sei für ihn eine unglaubliche Motivation und „ich bin enorm glücklich, was ich erreicht habe“. Die Goldmedaille sei eine positive Bestätigung. „Ich habe in der Leichtathletik ja meine Ziele und möchte, dass bei dem großen Trainingsaufwand am Ende etwas herausspringt. So ein Aufwand ist nicht immer leicht, doch dieser Titel ist nun für mich sehr befreiend und stimmt mich positiv.“

Ein riesiges
Trainingsprogramm

Hinter dem kurzen Wort „Aufwand“ steckt ein riesiges Trainingsprogramm. Im Zuge seiner Ausbildung zum Fachlehrer für Sport, Werken und Informatik in Augsburg für Förderschulen, Mittel- und Realschulen lebt Berger unter der Woche in einer sportlichen Wohngemeinschaft, die ihn hin und wieder bei seinen Einheiten unterstützt. In Augsburg absolviert er pro Woche knapp 100 bis 110 Kilometer bei Dauerläufen im Siebentischwald sowie Tempoeinheiten auf der örtlichen Sportanlage Süd und beleuchteten Laufpfaden. Montags und samstags reist er nach München zum Stützpunkt-Training in den Olympiapark, um mit seiner Trainerin, der Landesstützpunkttrainerin Melanie Jäger, hochkarätige Einheiten zu absolvieren. Jugend-WM-Teilnehmer und deutsche Meister wie Tobias Tent (LG Stadtwerke München) und David Scheller von der LG Main-Spessart zählen dann zu seinen Trainingspartnern. „Das sind Freunde und Rivalen zugleich“, sagt Berger. Sehr selten trainiert er hingegen mit seinen Vereinskollegen vom LSC Höchstadt/Aisch: „Zusammen fahren wir ins Trainingslager und auf Wettkämpfen sind wir ein tolles Team, deshalb bin ich dort auch fest integriert.“

Als 1500-Meter-Mittelstreckenläufer war Berger die 7,7-Kilometer-Cross-Strecke übrigens nicht zu lang. „Ich habe mein Training ja weiterentwickelt, gehe eher von der 800-Meter-Bahnstrecke weg und bin künftig über 1500 bis 3000 Meter im Sommer unterwegs.“ Dies bedeutet für den Sportler mehr Umfang und zugleich mehr läuferische Grundlage – und dies „hält mich im Rennen dann länger fit“. Bei seinem Wochenumfang sind zehn Laufeinheiten pro Woche angesetzt, wobei manchmal zwei Läufe pro Tag stattfinden und noch ein bisschen Krafttraining hinzukommt. In ganz harten Wochen können seine Programme auch auf 130 bis 140 Kilometer gehen, wenn er statt drei bis zu vier Doppeltrainingstage einlegt.

Nach seinem Gold-Erfolg muss Berger die nächsten Tage noch zittern, denn die endgültigen Nominierungen zur Cross-EM stehen noch aus. „Es war mein Ziel, dass ich auch zur EM fahren darf, allerdings weiß ich noch nicht sicher, was Sache ist“, so der Tuntenhausener. „Diese EM ist nämlich meine letzte greifbare Chance, dass ich den Bundesadler auf der Brust trage, und ich hoffe, dass ich nominiert werde“, sagt Berger.

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