Rosenheim – Die heimischen Kreisliga-Fußballer rüsten sich so langsam für den Start in die Frühjahrsrunde. Vielleicht blicken die Vereine auch noch auf das Geschehen im Herbst zurück. Da gibt es auch so Einiges zu erzählen: Alle Trainerwechsel brachten Erfolg, und in der Tabelle ist klar zu sehen, wer im Frühjahr 2025 um den Aufstieg spielt oder gegen den Abstieg kämpft. Folgende Statistiken ergab die erste Saisonhälfte in der Fußball-Kreisliga 1.
Gleich am ersten Spieltag ereignete sich die bisher torreichste Begegnung. Den Schlagabtausch in Buchbach entschied der SV Schloßberg-Stephanskirchen in der 89. Minute mit 5:4 für sich. Der verrückte Spielverlauf kurz zusammengefasst: 0:2, 3:2, 3:3, 4:3, 4:5. Ebenfalls zahlreiche Treffer, dafür weniger Spannung, sahen die Zuschauer im Emmeringer Pfarrbachstadion Mitte November, als die Grün-Weißen den TSV Brannenburg mit 7:0 vom Feld jagten. Das war der höchste Erfolg der laufenden Spielzeit, gefolgt vom Westerndorfer 6:0-Auswärtsdreier auf dem Schloßberger Kunstrasen genau vier Tage zuvor.
Nach drei Runden standen vier Teams mit je sieben Zählern punktgleich an der Spitze: der SV Söchtenau-Krottenmühl, der ASV Großholzhausen, der SV Westerndorf und der SV Schloßberg-Stephanskirchen – allesamt sind sie in der Folge abgerutscht und haben nun gar nichts mehr mit dem Aufstieg am Hut. Acht Punkte Rückstand haben die Westerndorfer zum Relegationsrang, bei den anderen sind es jeweils mindestens zwölf. Den schlechtesten Start erwischten Liga-Debütant SV Tattenhausen und der TSV Brannenburg, die mit fünf beziehungsweise sechs Niederlagen am Stück in die Saison stolperten. Auch dem TSV Emmering gelang nicht der gewünschte Auftakt: Ohne Trainer Elvis Nurikic verlor der aktuell Tabellenzweite seine ersten beiden Duelle. Coach Nurikic hat die folgende Wende wohl aus seinem Urlaub – deshalb verpasste er die Partien – mitgebracht.
Dass es nicht egal ist, wer an der Seitenlinie steht, zeigten auch andere Mannschaften. Nach sieben Punkten aus sieben Spielen trennte sich der FC Grünthal von Markus Gibis, für ihn übernahm Christoph Schmid den Trainerposten – und wie: Seitdem holte sein Team 15 Zähler in sieben Duellen und hat dabei kein einziges verloren. Bei Schmids Debüt siegten die Grünthaler in Söchtenau 4:0. Unter der Leitung des jungen Trainers Marco Luberto startete der SVW ausgezeichnet in die Liga, dann aber verloren die Westerndorfer an Form. Trotz einer Bilanz von 13 Punkten aus neun Spielen brauchte die Mannschaft nach vier Pleiten in Serie einen neuen Impuls. So kam Aufstiegscoach Stefan Mayr interimsweise Ende Oktober zurück an die Römerstraße. Neun Zähler aus nur fünf Begegnungen sind durchaus eine positive Bilanz, denn er hatte kein leichtes Programm: Gegen den jetzigen Spitzenreiter SB/DJK Rosenheim und die formstarken Grünthaler verlor der SVW. Dafür schlugen sie den damaligen Primus TSV Emmering und heimsten den Kantersieg am Schloßberg ein.
Auch im Inntal wirkte sich der Wechsel auf dem Trainerposten nach dem Katastrophenstart positiv aus. Stephan Geflitter räumte seine Stelle nach nur vier Zählern aus acht Begegnungen. Sein Nachfolger löste – zumindest am Anfang – einen positiven Impuls aus: Stefan Marlog gewann seine ersten beiden Duelle als TSV-Coach. Danach kamen die Brannenburger allerdings ordentlich unter die Räder: 0:3 in Ostermünchen, 0:5 gegen den Sportbund und 0:7 in Emmering. Beim SV Ostermünchen gab es den Trainerwechsel im Winter, denn Hannes Huber hörte aus beruflichen Gründen auf.
Nicht durch einen Trainerwechsel, sondern durch den historischen ersten Kreisliga-Dreier vor heimischem Publikum über Buchbachs Reserve, wurde der SV Tattenhausen beflügelt. Zusammenhalt ist das A und O beim Aufsteiger – und dieser verstärkte sich noch einmal durch den Coup. „Ich muss schnell rausgehen. Wir sitzen hier mit ungefähr 80 Leuten beim Wirt“, so begann Routinier Florian Hofmann damals das Interview mit der OVB-Sportredaktion. In der Folge ist der SVT in der Kreisliga angekommen: Aus den letzten neun Partien ergatterten die Grün-Weißen 16 Zähler und überwintern auf Rang neun.
13 der 16 Punkte holte der SVT zu Hause und ist die einzige Mannschaft der Liga, die auf fremdem Rasen kein Spiel gewann. Auch der TuS Bad Aibling und der TSV Brannenburg haben auswärts Probleme: Beide mussten sich sechsmal geschlagen geben und kassierten in je acht Partien ganze 25 Buden. Allein der ASV Großholzhausen – mit elf Zählern bestes Auswärtsteam – hat in der Fremde mehr Punkte geholt als daheim. Die heimstärksten Teams sind Emmering und der SBR – jeweils sieben Dreier und eine Niederlage – gefolgt von der SG Reichertsheim-Ramsau/Gars. Der Bezirksliga-Absteiger verlor zu Hause kein einziges Spiel, fünf Erfolge und zwei Remis stehen zu Buche.
Torreich wird es vor allem bei Spielen des TuS Bad Aibling, der Buchbacher „Zweiten“, den Brannenburgern oder Schloßbergern. Bei den Kleeblättern fallen im Schnitt fast vier Treffer pro Partie (3,92), ebenso beim TSV Buchbach II und dem TSV Brannenburg (je 3,86) und dem SVS (3,85). Weniger klingelt es, wenn die Großholzhausener (2,3), Priener (2,36) oder Grünthaler auf dem Rasen stehen (2,5). Die besten Offensivreihen weisen die Top-Drei auf: Der SBR schoss mit 31 die meisten Tore, knapp gefolgt von der SG RRG (30) und dem TSV Emmering (29). Am harmlosesten sind der TuS Prien (13) und der TSV Brannenburg (14), die auch deshalb die letzten beiden Plätze im Klassement belegen.
Eine große Diskrepanz zwischen den beiden erkennt man bei den Gegentoren. Während sieben Teams mehr Treffer kassierten als die Elf vom Chiemsee (20) ist die Truppe aus dem Inntal (40) die Schießbude der Liga. Wenn es um die beste Defensive geht, belegt das Spitzentrio nur die Ränge drei bis fünf. Am besten verteidigten nämlich Grünthal (12) und Großholzhausen (13) ihr Tor. Dann folgt Reichertsheim (14) vor Rosenheim (16) und Emmering (17).
In der Torschützenliste streiten sich Emmerings Simon Wimmer und Fikret Jahic mit je 13 Buden um Platz eins. Bad Aiblings Mark Arnold, der in der vergangenen Kreisklassen-Saison 33-mal netzte, belegt mit neun Toren Rang drei. Bester SG-RRG-Schütze ist Matthias Vital mit acht Treffern.
Die Fairness-Tabelle führt der ASV Großholzhausen mit 1,92 sogenannten Fairness-Punkten (Gelb=1; Zeitstrafe=2; Gelb-Rot=4; Rot=8) pro Spiel an. Auch der Sportbund (2,14) und die Reichertsheimer (2,5) wurden nicht oft verwarnt. Als einziges Team der Liga musste kein Akteur des TuS Bad Aibling frühzeitig zum Duschen – weder Gelb-Rot noch die Rote Karte. Zwei Zeitstrafen handelten sich die Aiblinger jedoch ein und sammelten einige Gelbe Karten (3,14). Die meisten „Strafpunkte“ haben der TSV Brannenburg (4,07), der FC Grünthal (4,14) und der SV Tattenhausen (4,71) auf dem Konto.
Beim Blick auf die Abschlusstabelle der Saison 23/24 hat sich einiges geändert – man könnte fast meinen, das Klassement wäre falsch herum aufgelistet. Denn der TuS Prien kämpfte als Drittplatzierter bis zum Ende um die Aufstiegs-Relegation. Jetzt ist der TuS am Tabellenende punktgleich mit Brannenburg zu finden. In der Abstiegs-Relegation sicherte der TSV Emmering den Klassenerhalt, nun ist er absoluter Bezirksliga-Kandidat. Nur knapp vor dem Strich beendeten der SBR, Ostermünchen, Grünthal und Westerndorf im Sommer die Spielzeit – jetzt sind alle unter den Top-Sechs zu finden. Der FCG und der SVW – auf den Rängen fünf und sechs – haben ein komfortables Polster von neun Zählern auf die Abstiegsränge. Dahinter geht es jedoch eng her. An Spannung wird es im Saison-Finale definitiv nicht fehlen.