Rosenheim – Nicht mehr lange und der Ball rollt in der Fußball-Bezirksliga wieder über die Rasen. Denn am 1. März erwacht der Amateurfußball in Bayerns vierthöchster Liga nach dreieinhalb Monaten aus dem Winterschlaf. Und die Frühjahrsrunde hat es in sich. Denn über die Hälfte der Vereine aus der Region fristeten über die kalte Jahreszeit ihr Dasein im Tabellenkeller.
Der TSV Siegsdorf (15.), TuS Raubling (14.) und der FC Töging (13.) müssen in den verbleibenden zwölf Spielen alles auf die Karte Klassenerhalt setzen. Denn die Plätze zwölf bis 15 landen in der Abstiegs-Relegation, der 16. steigt direkt in die Kreisliga ab. Besser sieht es dagegen beim TSV Bad Endorf aus. Mit einem Pünktchen Vorsprung auf die Relegationsplätze sind die Männer aus dem Kurort aber auch noch nicht ganz aus dem Schneider.
Der TSV Ampfing steckt als Tabellenzweiter nicht im Abstiegskampf. Die Schweppermänner peilen auf dem zweiten Platz den sofortigen Wiederaufstieg in die Landesliga an. Um das in die Tat umzusetzen, holten die Verantwortlichen um Trainer Björn Hertl Christian Wallisch vom Landesligisten SB Chiemgau Traunstein zurück, mit ihm kam auch der junge Mittelfeldmann Louis Stanner vom SBC. Sieben Punkte fehlen Ampfing auf den SV Dornach, der im vergangenen Jahr in der entscheidenden Phase Federn ließ und so dem ESV Freilassing noch den Aufstieg bescherte.
Auf dem vorletzten Platz steht das zweitbeste Heimteam der Region. Denn der TSV Siegsdorf ergatterte zwölf seiner 14 Punkte in der Heimat. Besser waren mit einer Heimpartie mehr nur die Ampfinger mit 18 Punkten. Zwar gelang Siegsdorf mit vier Zählern aus den ersten beiden Spielen ein ordentlicher Start, danach durchlebte man aber eine lange Durststrecke. Am dritten Spieltag gab es in Altenerding ein 1:5, zwei Wochen später beim Absteiger Ampfing sogar ein 0:6. Gegen den FC Moosinning rehabilitierte sich Siegsdorf mit einem 5:3-Sieg, ehe die Chiemgauer über einen Monat lang punktlos blieben. Fünf Niederlagen hagelte es für den TSV hintereinander. Aus den letzten drei Spielen vor der Winterpause nahm man dann noch einmal sieben Zähler mit. Bis auf ein 2:2 am ersten Spieltag in Langengeisling und ein 0:0 in Miesbach ging die Mannschaft von der A8 in der Ferne gänzlich leer aus. Schlechter war nur der auswärts punktlose TSV Fridolfing.
Der TuS Raubling, das Team mit der schlechtesten Heimbilanz der Liga, weilt einen Tabellenplatz über den Siegsdorfern, sammelte den Großteil seiner 16 Punkte aber in der Ferne und feierte zu Hause noch keinen Sieg. „Wenn wir wüssten, woran das liegt, hätten wir das schon längst geändert. Wir sind da selbst ein wenig ratlos, warum es zu Hause nicht so gut funktioniert“, sagt TuS-Trainer Hannes Jenewein. Nach dem 1:0-Auftaktsieg beim Aufsteiger Bad Endorf erspielte sich Jeneweins Mannschaft den nächsten Punkt erst einen Monat später. Damals verursachte der Turn- und Sportverein beim Stand von 2:1 einen Elfmeter in der Nachspielzeit und verschenkte so den Heimsieg. Auswärts schlug man danach den TSV Ampfing (2:1), den TSV Siegsdorf (3:2) und Schlusslicht Fridolfing (3:2). Dazu gesellten sich mit einem 0:0 gegen Holzkirchen, dem 2:2 im Rückspiel gegen Bad Endorf und einem 1:1 gegen Langengeisling drei Heimpunkte. Die restlichen Partien verloren die Mannen vom Inntal. Personell hat sich über den Winter nichts verändert. Viel wichtiger findet Jenewein, dass alle Spieler voll mitziehen: „Abwesenheiten müssen wir im Frühjahr unbedingt verhindern. Das ist ein Grund, warum wir jetzt hinten drin sind. Das haben wir in der Vorbereitung immer wieder angesprochen und ich habe das Gefühl, dass die Message jetzt angekommen ist.“
Der FC Töging ist nur einen Punkt vom rettenden Ufer entfernt. Sechs Siege, drei Unentschieden und neun Niederlagen stehen für den FCT in der Winterpause zu Buche. Damit hat sich die Mannschaft vom Wasserschloss vor dem Winter den 13. Tabellenplatz erspielt. Im Derby zu Hause gegen Ampfing holte das Team von Trainer Markus Leipholz im ersten Spiel den ersten Punkt und die Woche darauf in Moosinning den ersten Sieg (3:1). Den TuS Raubling schossen die Töginger sogar mit 5:1 aus dem Inntalstadion. Ansonsten verlief die Saisonphase vor dem Winter ausgeglichen. Neun der 18 bestrittenen Partien endeten entweder unentschieden oder mit einem Tor Unterschied.
Der TSV Bad Endorf hat über dem Strich, genauer gesagt auf dem zehnten Tabellenplatz, überwintert. Als Aufsteiger ist die Elf von Trainer Nenad Grizelj mit nur drei Punkten Abstand auf den sechsten Platz mehr als im Soll. Grizelj bleibt aber am Boden: „Wir sind ganz klar im Abstiegskampf, möchte ich mal sagen. Wir sind ja nur einen Punkt von der Relegation entfernt und die Liga ist ausgeglichen. Somit wird es eine interessante Rückrunde.“ Zwar unterlag das Team aus dem Kurort im ersten Spiel auf heimischem Rasen mit 0:1 gegen Raubling, die folgenden drei Spiele gewann man mit 2:0 in Zorneding, 3:0 gegen Siegsdorf und 2:1 in Miesbach. Auf die Hochphase folgte aber eine Talfahrt, die zum Tiefpunkt Ende September führte. Beim Landesliga-Absteiger Holzkirchen setzte es ein 1:7 und zu Hause gegen Töging ein 0:3. Danach punktete man in vier aufeinanderfolgenden Spielen und gewann sogar beim TSV Ampfing mit 1:0. Für die Frühlingsrunde hat der TSV noch einmal nachgerüstet. Verteidiger Lukas Summerer kehrt vom SV Höslwang zurück nach Bad Endorf, mit Nadil Buljubasic kommt ein Routinier mit Landesliga-Erfahrung und Linus Sobol soll für Tiefe auf der Torwartposition sorgen. Außerdem verstärken sich die Endorfer mit Almedin Saburovic, der auf Erfahrungen in der bosnischen 2. und 3. Liga zurückblicken kann. Vom TuS Holzkirchen II wechselte im Winter zudem Shashwat Shristava zu den Bracken.