„Die Favoritenrolle ist klar verteilt“

von Redaktion

Interview Starbulls-Funktionäre über die Play-offs und Maßnahmen für die Zukunft

Rosenheim – Die schönste Zeit des Jahres im Eishockey läuft bereits, am Mittwoch greifen dann auch die Starbulls Rosenheim in die Play- offs der Deutschen Eishockey-Liga 2 (DEL2) ein. Im Viertelfinale treffen die Eishockeyspieler von der Mangfall auf die Dresdner Eislöwen. Für die Mannschaft und die Fans sind die Play-offs eine besondere Zeit, doch wie erlebt man diese Wochen hinter den Kulissen? Starbulls-Geschäftsführer Christoph Sandner und Marketingchef Darwin Kuhn geben im OVB-Interview einen Einblick in ihre Arbeit, verraten, wie lukrativ die Play-offs für den Verein sind, und sprechen über kommende Projekte.

Ist Ihre Arbeit aktuell anders als in der Hauptrunde?

Christoph Sandner: Es ändert sich nicht viel zum regulären Spieltag. Wir freuen uns auf die Play-offs. Ich glaube, alle sind heiß, man spürt die Euphorie. Wir haben keinen großen Druck, das ist der Riesenvorteil. Wir spielen keine Abstiegsrunde, sondern wir spielen um die Meisterschaft.

Wie lukrativ sind die Play-offs für den Verein?

Sandner: In erster Linie ist es für uns eher lukrativ, dass wir oben mitspielen. Das zeigt, dass wir sportlich erfolgreich sind. Und das ist die wichtige Nachricht, auch für die kommende Saison. Wir werden von den Einnahmen sicherlich profitieren, aber nicht in großem Maße. Wir nehmen es gerne mit und hoffen, dass wir möglichst weit kommen, aber wir sehen es dann eher perspektivisch für die nächste Saison und für die Außendarstellung.

Darwin Kuhn: Gerade dieses Play-off-Thema ist eine ganz andere Basis zum Verlängern von Sponsoring-Verträgen, weil das Umfeld positiv ist. Die Sponsoren sind trotz wirtschaftlicher Schwierigkeiten oder turbulenten Zeiten bereit, gleichbleibende oder erhöhte Sponsorings abzuschließen. Das heißt, der sportliche Erfolg der ersten Mannschaft überträgt sich auch in diesem Bereich. Zu den Kosten wird es gerade in der ersten Runde recht ausgeglichen sein. Du wirst durch die Play-offs also nicht Unsummen an Geld verdienen. Es hat einfach einen positiven Effekt, der sich auf die anstehenden Projekte auswirkt. Das zeigt, der Verein hat seine Hausaufgaben gemacht.

Was bedeutet diese Saison für die Entwicklungsstufe, in der die Starbulls aktuell sind?

Sandner: Letztes Jahr war es eine schwierigere Saison. Es ist meistens so, dass es nach dem Aufstieg eine Berg- und Talfahrt gibt. Die Mannschaft muss sich erst einmal finden, und das hat sie heuer super gemacht und gemeinsam mit den Trainern zusammen eine tolle Saison gespielt.

Wirkt sich dieser nächste Schritt auch auf Verhandlungen mit Spielern aus?

Sandner: Definitiv. In den letzten Jahren ist schon eine super Vorarbeit geleistet worden und das hat sich herumgesprochen. Die Spieler kommen sehr gerne nach Rosenheim, und das spürt man sowohl bei den Vermittlern, bei den Spielern selber, aber auch innerhalb der Liga. Man merkt, dass wir wieder zurück sind.

Kuhn: Die Entwicklung, die wir in der Oberliga gemacht haben, also hin zur LED-Vermarktung, jetzt darüber hinaus auch mit dem Würfel, die wird auch wahrgenommen. Es gibt Vereine, die auch in LED investieren wollen und unseren Rat suchen.

Rosenheim hatte dabei, bedingt durch das alte Stadion, eine Vorreiterrolle.

Kuhn: Das Stadion ist von 1962, das hat seine Vor- und Nachteile. Ein Vorteil ist die unglaubliche Stimmung durch die steilen Ränge. Sicherlich gibt es aber auch ein paar Mankos, die das Stadion immer haben wird. Wir haben eine sehr geringe Sitzplatzkapazität mit knapp 970 Sitzplätzen. Das ist im Vergleich zu allen anderen Aufstiegsaspiranten gerade mal die Hälfte, wenn überhaupt. Wir müssen da nachziehen. Ähnlich auch bei der VIP-Bewirtung. Wir beherbergen bei Heimspielen aktuell 250 Gäste. Auf der anderen Seite gelingt es uns durch die starke Wirtschaftsregion und durch den großen Zuspruch von den Fans, oben mitzuspielen und auch die Gelder zu generieren, die es benötigt, um oben mitzuspielen. Aber wenn man sich perspektivisch auch auf diesen Plätzen etablieren und auch weiter raufblicken will, werden wir noch ein paar Maßnahmen treffen müssen, Nur so können wir wirklich tauglich werden, um auch mal einen Angriff auf die erste Liga zu starten.

Sie haben gesagt, Sie müssen bei den Sitzplätzen nachziehen. Wie ist das noch möglich?

Sandner: Wir sind wirtschaftlich in einer Situation, in der wir uns unbedingt weiterentwickeln müssen. Und da sind wir schon im Hintertreffen. Klubs in der Liga, die von der Stadionkapazität her in einer ähnlichen Größenordnung wie wir spielen, nehmen bis zu eine halbe Million mehr ein, allein durch die Sitzplätze, die sie zur Verfügung haben. Das ist für mich ein ganz wichtiger Punkt, es gibt Familien und ältere Menschen, die gerne zu uns ins Stadion wollen und nicht kommen können, weil sie keine Sitzplätze haben. Wir könnten zu jedem Spiel ein paar hundert Sitzplätze mehr verkaufen. Wir sind gerade dabei, nach Lösungen zu suchen. Diese Umwandlung müssen wir vollziehen, sonst werden wir auch in Zukunft selbst in der DEL2 nicht mehr konkurrenzfähig sein.

Zurück zu den aktuellen Play-offs: Schieben Sie die Favoritenrolle gerne nach Dresden?

Sandner: Ja, das macht man schon gerne. Aber in dem Fall ist sie ja auch ganz klar verteilt. Dresden hat in den letzten Wochen mehrmals öffentlich publiziert, dass sie gerne aufsteigen wollen. Ich glaube schon, dass die Favoritenrolle nicht nur aufgrund dessen, dass sie in der Tabelle weiter vorne sind, sondern auch vom Umfeld und von der Mannschaft her bei Dresden liegt. Aber wir haben bewiesen, dass wir sie schlagen können. Und das ist auch in den Play-offs unser Ziel.

Wie schätzen Sie die Chancen ein?

Sandner: Wir haben ja heuer schon zweimal gegen Dresden gewonnen. Deswegen glaube ich, dass die Chancen gut sind. Wir sind wieder ziemlich vollzählig, das stimmt uns schon positiv.

Was war Ihr schönster Play-off-Moment?

Sandner: Der schönste Moment war das Endspiel mit Köln gegen Düsseldorf. Da haben wir im letzten Spiel in Düsseldorf in der Verlängerung verloren. Das war sehr bitter, aber trotzdem waren es tolle Play-offs. Ich habe noch tolle Erinnerungen an die Zeit. Auch das Halbfinale gegen Krefeld. Das waren alles Derbys, das kommt dann noch dazu. So etwas bleibt schon hängen. Das kribbelt schon noch. Die Rückfahrt, als man in der alten Lentstraße ankam und da 6000 Leute mit weißen Handtüchern standen und dich empfangen haben, obwohl man verloren hat. Das bleibt im Gedächtnis. Das Finale war an der Brehmstraße. Wenn du da mit dem Bus reinfährst und drei Stunden vor dem Spiel die ganze Stehplatztribüne schon voll ist. 8000 Leute singen das Altbierlied. Du machst dich warm und kriegst das alles mit. Da krieg ich jetzt noch Gänsehaut. Play-offs sind super.

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