Mühldorf – Nur im zweiten Satz hat das Konstrukt etwas gewackelt. Danach aber zogen die Mühldorfer Zweitliga-Volleyballer ihr Ding durch. Gegen Bühl erkämpfte sich die Truppe um Chefcoach Alejandrio Kolevich einen 3:1-Sieg. Ein Spieler feierte dabei eine besondere Premiere.
Tags zuvor hatte er schon trotz des 0:3 gegen Ludwigsburg zusätzliche Stabilität in die Annahme gebracht. Das hatte Trainer Alejandro Kolevich schließlich derart überzeugt, dass der Mühldorfer Coach am Sonntag entschieden hat: Noah Meyer fährt nicht mit der 2. Mannschaft zum Regionalliga-Spiel. Er soll stattdessen gegen den TV Bühl ran. Diesmal als erster Libero, Xander Mühlbauer war zwar auch dabei, doch Meyer sollte es alleine richten. Premiere für den Youngster.
Und die überstand der 17-Jährige ziemlich gut. „Er hat in den vergangenen Wochen aber auch sehr gut trainiert“, stellt ihm auch Sportdirektor Stephan Schinko ein sehr gutes Zeugnis aus, schließlich saß er unmittelbar in der Nähe des Netzpfostens, konnte genau beobachten, wie sich Meyer nicht nur gegen die Aufschläge der Bühler stemmte, sondern auch in der Abwehr pfeilschnell auf den Beinen war.
Mühldorf begann hoch konzentriert gegen den Tabellennachbarn. Ein Sieg sollte es schließlich schon sein, um den Verfolger, der mit nur einem Punkt Rückstand auf Mühldorf (31 Punkte bis dato) lauerte, weiterhin auf Distanz zu halten. Kolevich vertraute in der Startaufstellung auf Youngster Felix Schinko im Zuspiel, über Außen sollten es diesmal Kilian Nennhuber und Tom Brandstetter richten. Neben Connor Finnie blockte David Fecko die Mitte. Moritz Schreiber war schließlich immer noch grippegeschwächt. Und Hansi Kessler, der sich seit Wochen in überragender Verfassung befindet, war auf der Diagonalposition gesetzt. Tags zuvor hatte noch Moritz Wöls die Alternative gebildet. Doch Sonntagmorgen kam der Anruf aus dem Hause Wöls: Der Rücken macht wieder Probleme, der 19-Jährige konnte nicht spielen.
Bis zum 7:8 verlief der erste Satz ziemlich ausgeglichen, bis zuerst Felix Schinko mit seinen platzierten Float-Aufschlägen (11:8) und wenig später David Fecko mit seinen Sprungaufschlägen (17:10) die Annahme der Bühler vor Probleme stellte. Damit war die erste Gegenwehr der Gäste in der Nutz-Arena bereits gebrochen. Der Satz ging relativ klar an Mühldorf (25:18).
Mund abwischen und Weitermachen – das dachten sich die Bühler dann im Folgesatz, der nur bis zum 2:2 ausgeglichen war. Dann donnerte Eric Storz ein paar Aufschläge ins Mühldorfer Feld. Mühldorfs Annahme schwächelte nun etwas, auch Meyer wirkte etwas verunsichert. An effektive Schnellangriffe war nicht zu denken. Bühl zog auf 7:2 davon. Bevor Kolevich überhaupt reagieren konnte in Form von Auswechslungen, lag Mühldorf bereits fast aussichtslos zurück. Abhaken hieß es nun auf Mühldorfer Seite nach dem klaren 17:25.
Und das schafften die Mühldorfer tatsächlich ganz gut. Kolevich schenkte weiter seinem Libero-Youngster Noah Meyer das Vertrauen. Und der enttäuschte seinen Coach nicht, der weiter an seiner Startaufstellung festhielt. Irgendwann spielte Bühl Meyer gar nicht mehr an. „Das größte Lob für einen Libero“, findet Schinko. Beim 5:5 war es ein erneut stark agierender Hansi Kessler, der Druck mit seinem Service machte (8:5) und danach Connor Finnie. Mühldorf hatte sich einen passablen 11:7-Vorsprung verschafft, agierte nun selbstbewusst am Netz. Wobei nun auch spektakuläre Ballwechsel folgten, unglaubliche Rettungsaktionen, die sogar in Punktgewinne für Mühldorf mündeten. Bühl hingegen war in der Abwehr unsicher, antizipierte schlecht und Mühldorf, allem voran Tom Brandstetter, brauchte nur noch die Bälle platziert in die Löcher zu stopfen. Bis zum 19:18 für Mühldorf hielt Bühl noch mit, dann eilte Mühldorf auf 23:20 davon. Eric Donner, der MVP auf Bühler Seite, versuchte noch, dem TSV mit cleveren Aufschlägen den Zahn zu ziehen (22:23), doch am Ende war Mühldorf der Sieger (25:22).
Kolevich blieb bei seiner Taktik. Und er ließ seine Mannschaft um den späteren MVP Hansi Kessler nach Belieben aufspielen. Schnell hatten sich die Mühldorfer einen Vier-Punkte-Vorsprung erspielt (8:4), weil die Abwehr der Bühler nun allzu deutlich große Lücken preisgab. Beim 6:13 versuchte es Bühls Trainer Vladimir Rakic noch mit einem Wechsel, als er Robin Stolle für Eric Donner brachte. Doch Mühldorf spielte wie im Rausch, der starke Block der Mühldorfer ließ dem kanadischen Diagonalangreifer Alexander Duncan-Thibault nicht viel Raum, seine Angriffe erzielten nicht die gewünschte Wirkung. Den Todesstoß versetzten den Bühlern erst Finnie Connor mit einer Aufschlagserie zum 15:6 und gleich darauf Felix Schinko, ebenfalls mit vier Aufschlägen am Stück (20:8). Da war nichts mehr zu holen für das Team aus Bühl (25:12), das mit der Niederlage auf Rang neun abgerutscht ist, während sich Mühldorf nach der 0:3-Niederlage gegen Ludwigsburg und einem kurzen Abgleiten auf Rang sieben wieder gefangen hat und nun wieder Platz sechs einnimmt, zwei Punkte hinter dem Fünften aus Eltmann und zwei Punkte vor den L.E. Volleys aus Leipzig.