Kapfenberg – Der Kleinste im Weitenkader des Deutschen Eisstock-Verbands (DESV) war bei den Einzel-Weltmeisterschaften der Weitschützen wieder mal der Größte. Alexander Anzinger vom EC Ebing zählt selten zu den absoluten Topfavoriten, dennoch schafft es der 1,83 Meter große Prozessoptimierer in regelmäßigen Abständen, die oftmals kolossale Konkurrenz zu übertrumpfen. So auch im steirischen Kapfenberg, wo der Last-Minute-Spezialist beim WM-Gastgeber Österreich für Trübsal und in Deutschland für Freudentaumel sorgte.
Dabei sah alles danach aus, als ob WM-Gold rot-weiß-rot glänzen würde. Markus Bischof führte mit 96,45 Meter von Beginn an deutlich vor Anzinger (93,70) und Peter Rottmoser (93,65) vom SV Schechen. In den darauffolgenden vier Durchgängen änderte sich im Prinzip nichts, bis Anzinger nochmals das 2000 Zuschauer fassende Weitenzelt mit der 120 Meter langen Kunsteisbahn betrat. Dem nervenstarken 26-jährigen aus dem Landkreis Mühldorf gelang dank seiner herausragenden Technik ein Bombenschuss. Mit der neuen Bestmarke von 96,99 Metern verdrängte er Bischoff vom Platz an der Sonne. Dieser konnte nicht mehr nachlegen und so krönte sich Anzinger mit 54 Zentimetern Vorsprung zum zweiten Mal in seiner Weitenkarriere zum Weltmeister.
Mit Silber vermasselte Bischof Deutschland die Wiederholung des grandiosen Dreifacherfolgs von Klobenstein 2022. Hinter dem Österreicher folgten nämlich Michael Späth (93,98) vom FC Altrandsberg und Rottmoser (93,65). Lukas Michl (SV Pocking) wurde mit einer Weite von 85,42 Neunter.
Zwei Tage zuvor war Anzinger bereits Mann des Tages bei der Nationenwertung. Indem sich der sympathische Sportler auch hier mit seinem letzten Schuss um fast sieben Meter steigerte, war er entscheidender Faktor dafür, dass das DESV-Quartett zum dritten Mal in Serie Weltmeister wurde. Zum ersten Mal krönte sich Anzinger im Einzel 2020 zum Junioren-Weltmeister. Vor fünf Jahren in Regen war zwar auch der letzte Versuch der weiteste, aber damals lag Anzinger von Beginn an in Front.
Letztendlich nicht ganz so goldig lief es bei den Damen. Nach dem dritten Durchgang führte Annalena Leitner vom SV Unterneukirchen knapp vor der Italienerin Albenberger (93,41) und der Österreicherin Evelyn Perhab (92,97). Dann überschlugen sich allerdings die Ereignisse in den beiden letzten Durchgängen. Zunächst konterte Albenberger mit dem vierten Versuch auf eine Weite von 94,88. Im fünften Durchgang zogen dann auch noch Elisabeth Reiter (93,93) vom TSV Hartpenning und Sabrina Englbrecht (95,95) vom SSC Pfeffenhausen an Leitner vorbei. Aber die Italienerin hatte einen Sahnetag und holte sich mit 96,86 Metern den Weltmeister-Titel vor Englbrecht und Reiter. Die Ergebnisse:
Damen: 1. Sophie Albenberger (Italien) 96,86 Meter; 2. Sabrina Englbrecht (SSC Pfeffenhausen) 95,95; 3. Elisabeth Reiter (TSV Hartpenning) 93,93; 4. Annalena Leitner (SV Unterneukirchen) 93,64; 9. Kathleen Neumayer (SV Schechen) 80,96.
Herren: 1. Alexander Anzinger (EC Ebing) 96,99; 2. Markus Bischof (Österreich) 96,45; 3. Michael Späth (FC Altrandsberg) 93,98; 4. Peter Rottmoser (SV Schechen) 93,65; 9. Lukas Michl (SV Pocking) 85,42.