„So etwas habe ich noch nicht erlebt“

von Redaktion

Kreisliga 2 Nach Spielabbruch zwischen Waging und Reischach: Wie geht es weiter?

Waging am See – Das sieht man selten: Die Fußball-Kreisliga-Partie zwischen dem TSV Waging und dem TSV Reischach am Samstag wurde nicht zu Ende gespielt. Beim Stand von 1:2 aus Sicht der Hausherren brach Schiedsrichter Sebastian Ehgartner das Spiel in der Nachspielzeit ab. Der Grund war kurios: Die Hausherren hatten nur noch sechs und damit zu wenig Spieler auf dem Feld.

„In meiner Karriere habe ich so etwas noch nicht erlebt“, erzählt Kreis-Schiedsrichterobmann Josef Kurzmeier im Gespräch mit dem OVB und fügt an: „Es gibt ja immer öfter solche Fälle. Oft wegen Verletzungen, aber auch wegen Rudelbildungen oder Platzverweisen.“ Auch für Kreis-Spielleiter Christos Sofis ist so ein Fall Neuland: „Einen Spielabbruch habe ich in der Form noch nicht erlebt. Gott sei Dank kommt so was auch nicht so häufig vor.“

Die Entscheidung von Schiedsrichter Sebastian Ehgartner, die Partie abzubrechen, sei laut Kurzmeier richtig gewesen. „Das ist Vorgabe vom Verband“, so der Schiedsrichterobmann. Laut Regelwerk muss nämlich jede Mannschaft immer mindestens sieben Spieler auf dem Feld haben. Waging konnte, nach vier Platzverweisen und einer Zeitstrafe, aber nur noch zu sechst agieren. Die Folge ist ein automatischer Spielabbruch.

Doch was war genau passiert? In der Schlussphase der Partie überschlugen sich die Ereignisse: Horst Hummelberger und Phil Parthum flogen jeweils mit Gelb-Rot vom Platz, beide hatten einen Elfmeter verursacht. Zwei Minuten später musste Wagings Oliver Schilling mit einer Zeitstrafe vom Feld, nachdem er sich über eine Schiedsrichter-Entscheidung beschwert hatte. In der 95. Minute folgte dann die letzte Aktion des Spiels: Andreas Kamml stieg zum Kopfball hoch und wurde – nach Ansicht der Gastgeber – von Torwart Kilian Ritter mit der Faust am Kopf getroffen. Der Unparteiische entschied aber auf Ecke für Waging. Die „Seerosen“ forderten Elfmeter, daraufhin bekam Johannes Maierhofer seine zweite Gelbe Karte gezeigt. Es folgte eine kleine Rudelbildung, bei der ein Reischacher den Waginger Sebastian Schilling schubste. Der Heim-Akteur revanchierte sich mit einem Schubser und flog mit Rot vom Platz.

Wie das Duell nun gewertet wird, muss das Sportgericht entscheiden. Im Regelwerk heißt es dazu: „Verschuldet eine Mannschaft einen Spielabbruch […], wird ihr dieses Spiel unter Ansatz von 0:2 Toren als verloren und für den Gegner mit 2:0 Toren als gewonnen gewertet. Im Fall des Spielabbruchs gilt jedoch der günstigere Spielstand (Tordifferenz).“ „Günstigerer Spielstand“ meint hier immer zugunsten der siegreichen Mannschaft – wenn Reischach also 5:0 geführt hätte, würde das Spiel 5:0 gewertet. „Wann man mit einer Entscheidung rechnen kann, kann ich nicht beantworten. Das ist die Aufgabe des Kreis-Sportgerichts, das tagt einmal pro Woche. Ob die Entscheidung dann diese oder nächste Woche fällt, ist nicht abzusehen“, erklärt Sofis.

Der TSV Waging hat seinen Fehler schnell eingesehen und schon vor der endgültigen Entscheidung großen Sportsgeist gezeigt: Wagings Trainer Michael Kantsperger hatte sich gleich nach dem Spiel in der Kabine beim Schiedsrichter entschuldigt. Und auch Wagings Abteilungsleiter Manfred Sommerauer zeigte sich wehmütig: „Wir sind sehr enttäuscht, was passiert ist, und möchten uns dafür auch noch mal deutlich entschuldigen. Emotionen gehören zum Fußball dazu, allerdings darf man dabei nicht die Fassung verlieren und drei unnötige Platzverweise durch unsportliches Verhalten kassieren.“

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