Rosenheim – Auf den Plätzen der Sechziger-Tennisanlage an der Pürstlingstraße trainieren die Nachwuchssportler mit großer Freude, üben Aufschläge und Volleys am Netz, auf einem anderen Platz duellieren sich zwei alte Recken bei heißen Temperaturen. Daneben ist es laut, es wird gehämmert und geschnitten. Die Helfer der Rosenheimer Tennisabteilung legen Hand an, um die Anlage vor dem Bundesliga-Auftakt auf Vordermann zu bringen. Im Vereinsheim läuft der Bildschirm mit aktuellen Spielen aus Wimbledon und bei den Machern glüht das Mobiltelefon. Abteilungsleiter Wolf-Dieter Dörfler und Thomas Detterbeck, Vorstand Bundesliga, telefonieren mit Sponsoren, suchen Live-Ergebnisse der aktuellen Turniere mit Beteiligung der Rosenheimer Teamspieler und checken Flugdaten und Wetter-Apps. Noch steht nicht fest, welche Akteure für die Sechziger, die in der Bundesliga unter Team Marc O‘ Polo Rosenheim fungieren, auf dem Platz stehen, wenn am Sonntag um 11 Uhr die Mannschaft des FTC Palmengarten aus Frankfurt in der Innstadt aufschlägt.
Was gibt es denn Neues in dieser Saison?
Detterbeck: Wir haben neue Anzeigetafeln, die kommen ganz frisch. Dazu gehören auch zwei Geschwindigkeitsanzeigen auf jedem Platz.
Was sind denn da für Zahlen zu erwarten?
Dörfler: Bei Andrew Paulson kann es schon bis 230 km/h gehen. Das ist ein Aufschläger. Den haben wir auch bewusst geholt, weil der auch mal im Einzel an Nummer vier einen Gegner mit seiner Wucht rausnehmen kann.
Detterbeck: Auch Jiri Vesely kann gut aufschlagen. Also die 200er-Marke dürfte mehrmals fallen.
Dörfler: Was ist denn der Weltrekord?
Detterbeck: (sucht im Handy und liest vor) Also, der Weltrekord ist 263. Im offiziellen ATP-Spielbetrieb wurde der schnellste Aufschlag bislang mit 253 von John Isner gemessen. Bei Ben Shelton waren es 241 und bei Alexander Zverev 236.
Dörfler: Und bald Andrew Paulson mit 230! (lacht)
Wie schnell schlagen Sie auf?
Dörfler: Mein schnellster gemessener Aufschlag vor rund 30 Jahren war 209. Das war schon relativ glatt durchgezogen. Aber ich war mehr so der mit den Kick-Aufschlägen. Ein Stefan Edberg hatte früher auch nicht die Top-Geschwindigkeiten beim Aufschlag.
Die Fans interessiert natürlich, wie die Mannschaft am Sonntag ausschaut.
Detterbeck: Das hängt natürlich von Wimbledon und den anderen Turnieren ab. Zwar ist Musetti ein Top-Ten-Spieler, aber unser Nikoloz Basilashvili war ja auch schon die Nummer 16 der Welt und ist auf Rasen der bessere Spieler. Der wäre bei uns natürlich schon eingeplant.
Dörfler: Wir haben mit allen Spielern gesprochen – und alle haben zugesagt, dass sie kommen würden, wenn sie ausscheiden. Wenn zum Beispiel ein Alexandre Muller zusagt, dann spielt der auch.
Muller ist derzeit Nummer 41 der Welt. Ansonsten ist kein Rosenheimer unter den Top-100!
Detterbeck: Das hat mehrere Gründe. Sebastian Ofner ist nach seiner Verletzung zurückgefallen, Basilashvili kämpft sich gerade wieder nach vorne, Thiago Monteiro war auch verletzt und ist ein paar Plätze zurück. Wir haben viele Spieler, die schon unter den ersten 50 oder 100 der Welt waren, zum Beispiel auch Jiri Vesely und Gastao Elias. Dazu kommen mit Petr Nouza und Manuel Guinard zwei, die im Doppel unter den besten 100 stehen.
Dörfler: Wir haben letzte Saison fast ausschließlich mit den Spielern bestritten, die bei uns auf der Liste auf den Plätzen sieben bis 14 waren – und wir haben eine sehr gute Saison gespielt. Wobei man schon sagen muss, dass du das erste Spiel schon gewinnen musst. Da wird jeder alles reinhauen, auch Frankfurt. Ich bin mir sicher, dass die mit Damir Dzumhur kommen. Das ist schon auch ein Highlight, dass da ein Ex-Spieler von uns mitkommt.
Wie sind denn Ihre Erinnerungen an die Zeit mit Damir Dzumhur, der ja doch zum ersten Publikumsliebling der Rosenheimer Bundesliga-Mannschaft wurde?
Detterbeck: Eigentlich sehr positiv. Wir haben ihn ja auch damals nicht hängen gelassen, als es ihm gesundheitlich so schlecht gegangen ist. Am Ende waren wir aber nicht mehr einer Meinung.
Dörfler: Ja, da war dann einiges ein bisschen komisch. Aber die zwei Saisonen, die er bei uns gespielt hat, waren absolut okay. Der hat sich richtig reingehängt.
Dzumhur war schon einer, der die Fans mitgenommen hat. Wer hat denn aus der aktuellen Mannschaft das Zeug, Publikumsliebling zu werden?
Detterbeck: Manuel Guinard natürlich. Der hat auch schon Riesenergebnisse für uns erzielt.
Dörfler: Der nimmt immer das Publikum mit, der braucht das – und das gefällt ihm. Und natürlich Alexandre Muller, weil er auch sehr gut ausschaut. Der nimmt natürlich die Mädels mit!
Das tschechische Doppel Nouza/Jebavy war letzte Saison auch schon auf einem guten Weg!
Dörfler: Das stimmt! Und Sebastian Ofner und Basilashvili sind zwar immer so cool, aber denen gefällt das auch, wenn das Publikum mitgeht. Der „Basi“ hat uns das schon auch mitgegeben, dass ihm das taugt. Weil er das sonst so selten hat, dass alle mitklatschen und an seiner Seite sind.
Detterbeck: Das Doppel sowieso, auch einem Ugo Blanchet gefällt das, wenn das Publikum mitgeht. Und Fernando Meligeni ist auch so ein Spaßvogel.
Dörfler: Eigentlich sind das alles coole Hunde! Wir haben heuer wieder eine richtig gute Mannschaft. Allerdings: alle anderen auch!
Die Auslosung hat nur vier Heimspiele für Rosenheim vorgesehen, die haben es aber alle in sich. Ist dann der Start gegen Frankfurt schon ein Muss-Spiel?
Dörfler: Ja, das ist schon ein bisschen Druck am Anfang. Das ist richtungsweisend. Aber da geht es jedem so. Palmengarten wird mit allem daherkommen, was es hat.
Wer ist denn der Topspieler der Liga?
Dörfler: Tallon Griekspoor von Gladbach. Und Jakub Mensik. Ich traue den Gladbachern schon zu, dass der auch mal aufläuft!
Gladbach ist auswärts, für die heimischen Fans haben Sie noch das Derby gegen Großhesselohe und die Spiele gegen Mannheim und Bredeney zu bieten.
Detterbeck: Das sind Kracher! Es sind die letzten drei Meister, die noch in der Liga sind.
Dörfler: Mit Großhesselohe hast du ein super Spiel, mit Bredeney und den bekannten deutschen Spielern auch.
Was darf es denn am Saisonende sein?
Detterbeck: Das ist eine schwierige Frage diesmal. Es gibt halt drei, vier Mannschaften, die große Einzelsponsoren haben. Dazu die Aufsteiger Köln und Neuss, die man noch nicht so einschätzen kann.
Dörfler: Natürlich müssen wir uns ein Ziel setzen, wir wollen schon in der oberen Hälfte mit dabei sein. In den Doppeln musst du halt gut sein!
Detterbeck: Da haben wir jetzt schon wirklich gut vorgesorgt: Muller, Guinard, Meligeni, Paulson, Vesely, Nouza, Jebavy – da haben wir schon gute Spieler.