Kolbermoor – Ein Mitglied, nämlich Trainer und Abteilungsleiter Michael Fuchs, hat die Tischtennis-Abteilung des SV DJK Kolbermoor schon, das im Besitz des A-Trainerscheins des Deutschen Tischtennis-Bundes ist. Nun ist die Abteilung mit Antonio Golemovic sowie Florian Wiesener um zwei weitere Mitglieder reicher, die sich dieser Aufgabe gestellt haben. Bis beide aber den begehrten Schein in Händen halten durften, war es ein harter und steiniger Weg. Insgesamt vergingen etwa 18 Monate vom Start bis zum Ende.
Der Deutsche Tischtennis-Bund (DTTB) unterscheidet zwischen der C-, P-, B- und A-Lizenz, wobei Letztere der Höhepunkt der Trainerausbildung ist. Die Ausbildung wird alle zwei Jahre von der Deutschen Tischtennis-Akademie (DTTA) durchgeführt und richtet sich in erster Linie an den Hochleistungssport. Heuer nahmen insgesamt 13 Lehrgangsteilnehmer sowie -teilnehmerinnen diese Ausbildung ins Visier. Aber so einfach an die Lizenz zu kommen, ist nicht möglich. „Du musst schon die B-Lizenz haben und auch nachweisen, dass Du etwas für den Verband machst“, machte Florian Wiesener deutlich. Aber auch danach hat man die eine oder andere Hürde zu überwinden. Um überhaupt zugelassen zu werden, ist zudem eine Bewerbung notwendig. Sollte man auch diese Hürde übersprungen haben, findet ein sogenanntes Vorbereitungsseminar zur Eignungsprüfung statt. „Wenn man dieses bestanden hat, kann man mit der Ausbildung beginnen“, so Golemovic. Und dies hat es dann tatsächlich in sich. Der Kolbermoorer erinnerte sich noch, dass man dreimal in Düsseldorf war und hier Blockunterricht hatte. „Was danach folgt, sind zwei bis drei Praktika und auch vorher beziehungsweise nachher diverse Onlineaufgaben. Das war durchaus am zeitaufwendigsten“, erklärte Wiesener. In Düsseldorf selber kamen sich beide eher wie Studenten vor. Denn über den Tag verteilt, wurde ihnen im Rahmen von Vorlesungen Theorie und Praxis durch Dozenten, zu denen unter anderem der Sportdirektor des DTTB Richard Prause zählt, übermittelt. Je nach Thema wechselten sich die Überbringer fast stündlich ab. Dabei hatte es der Lehrplan in sich. Bis spät in den Abend wurde den Lehrgangsteilnehmern Wichtiges und manchmal auch weniger Wichtiges beigebracht. Ein Beispiel erklärte Antonio Golemovic: „Da gab es einen Teil, der sich beispielsweise mit dem Körper beschäftigt. Die Frage war dabei, wie sollte der Körper eines Tischtennisspielers aussehen. Aber auch Sozialkompetenz und Psychologie waren dabei. Auch der Trainingsaufbau wurde ebenso besprochen wie die Athletik des Spielers. Es war einfach ein Sammelsurium an Sachen, die man uns beigebracht hat. Und dann erklärte man uns noch tischtennisspezifischen Sachen, wie beispielsweise Auf- und Rückschlag oder auch Balleimertraining. Die wenigste Zeit verbrachten wir an der Platte, die meiste Zeit dafür im Klassenzimmer“.
Wenn die neuen A-Lizenzinhaber nicht in Düsseldorf waren, hieß das noch lange nicht, dass sie sich auf die faule Haut legen konnten. „Es war fast wie im Studium. Du musstest immer irgendwelche Online-Aufgaben erledigen. Da gab es ein Start- und ein Enddatum. Man musste immer einen Nachweis erbringen und nebenbei musste man ein Videoprojekt machen, das über ein halbes Jahr ging. Dann bist Du immer mit deinem Mentor, bei uns war es Krisztina Toth, im Dialog gewesen und hast berichtet, was Du mit deinem zugeteilten Spieler machst“, so Golemovic. Auch Florian Wiesener wurde es nicht langweilig. „Das Coachen einer Mannschaft gehört zwar nicht dazu, aber das ist eine Aufgabe, die man sich selber gestellt hat, beziehungsweise vom Verein die Möglichkeit bekommen hat, da reinzuschnuppern. Jeder hat einfach so seine Interessen. Man versucht einfach, Wege zu finden, wo man Praxiserfahrung sammeln kann“, erklärte er.
Als dann fast eineinhalb Jahre vorbei waren, wurde es nochmals ernst, ging es doch zur Prüfung nach Düsseldorf, welche drei Tage andauerte. Wie diese ablief, erläuterte Florian Wiesener: „Am ersten Tag absolviert man eine schriftliche allgemeine Klausur. Dann wird man aufgeteilt. Eine Gruppe bestreitet eine Praxisprüfung, die andere Hälfte musste Präsentationen vorführen. Hinzu kommt noch eine mündliche Prüfung, bestehend aus tischtennisspezifischen und allgemeinen Sachen. Abgefragt wurde, was wir über den Sport unter anderem in Kraft und Athletik gelernt haben“.
Am Ende konnten sowohl Antonio Golemovic als auch Florian Wiesener das Prüfungskomitee mit ihrer Leistung überzeugen. Die Möglichkeiten, die sie nun haben, sind recht vielfältig, wie beispielsweise eine Aufgabe bei einem Tischtennis-Verband. In Kolbermoor, insbesondere die Vorstandsvorsitzende des Hauptvereins Sabine Balletshofer-Wimmer wie auch der stellvertretende Abteilungsleiter Günther Lodes, freut man sich über diese Leistung. Sie waren mehr oder weniger eine Triebfeder, dass Antonio Golemovic und Florian Wiesener die Gelegenheit bekamen, diesen A-Trainerschein zu machen. Und Kolbermoors Trainer und Abteilungsleiter Michael Fuchs braucht sich zukünftig keine Gedanken machen, sollte er bei einem Bundesligaspiel der Damen einmal ausfallen. Kompetente Vertreter hat er nun zur Genüge.