„Ich möchte mich beweisen“

von Redaktion

Interview Nach EM-Titel: Faustballer Maximilian Ortmeier über seine nächsten Ziele

Rosenheim – Maximilian Ortmeier reitet aktuell auf einer Erfolgswelle. Der Faustballer des MTV Rosenheim hatte bereits im letzten Jahr den WM-Titel mit der deutschen U18-Nationalmannschaft gefeiert, nun legte die Auswahl mit Gold bei der Europameisterschaft den nächsten Triumph nach. Auch im Verein läuft es für Ortmeier nach Plan: Mit der U18-Mannschaft hat er das Ticket zur Endrunde um die deutsche Meisterschaft im September in Wakendorf gelöst, mit dem Herren-Team schaffte er als Bayernliga-Meister den Aufstieg in die 2. Bundesliga.

Im Interview spricht der 17-jährige Rosenheimer über die erfolgreiche Europameisterschaft, seine Stärken und die Zukunft.

Wie fühlt sich es an, Welt- und nun auch Europameister zu sein?

Das ist schon etwas Schönes und vor allem Besonderes. Während Corona sind diese ganzen Veranstaltungen ausgefallen. Der erste Jahrgang zu sein, der wieder beide Meisterschaften spielen kann, ist schon was Besonderes und es macht einen stolz.

Wie haben Sie das Turnier erlebt?

Wir sind eigentlich gut reingestartet, haben dann aber das letzte Spiel am ersten Tag verloren. Wir haben da aber schon gesehen, dass wir eine Chance haben, wenn wir besser spielen. Am zweiten Tag hatten wir vorher noch eine Besprechung mit unserem Trainer, was wir machen sollen. Die Tipps haben wir umgesetzt und sie geschlagen.

Haben Sie außerhalb des Turniers noch etwas Besonderes gemacht?

Wir waren danach noch für eine Woche mit anderen Nationen im Trainingslager. Da hat man neue Freundschaften knüpfen können. Es war schön, neue Leute zu treffen, die das gleiche Hobby haben. Wir haben auch verschiedene Sachen gemacht, wie Bogenschießen, und wir waren gemeinsam im Schwimmbad. Einfach außerhalb vom Faustball mal was anderes tun.

Sie hatten ein paar enge Spiele bei der Europameisterschaft. Was ist Ihr Geheimnis?

Im Verein hatte ich auch schon viele enge Spiele, dann kriegst du auf die Dauer eine Routine rein. Und bei der Nationalmannschaft weißt du, dass jeder gut spielen kann. Dann kann man sich auf sich selber fokussieren. Wenn das jeder macht, dann kann man auch in der entscheidenden Phase die Ruhe bewahren und seine beste Leistung abrufen.

Das ist dann einfach nur Kopfsache, oder?

Ja, genau. Die Wetterbedingungen sind uns auch noch entgegengekommen, es war sehr warm und nicht nass. Wir sind ein defensiv starkes Team und umso nasser es wird, desto schwieriger wird es, zu spielen.

Was macht das Team aus?

Ich würde sagen, dass unser Teamgeist schon etwas Einzigartiges ist. Jeder versteht sich mit jedem gut und man hat auch neben dem Platz viel Spaß. Auf dem Platz weiß dann jeder, was er zu tun hat.

Was können Sie in die Mannschaft hineinbringen?

Ich glaube, dass ich ein guter Ruhepol bin, das Spiel relativ gut lesen und den einen oder anderen spektakulären Ball auch abwehren kann.

Also eher ein Defensivspieler?

Ja, genau.

Sie sind U18-Europameister und U18-Weltmeister. Was unterscheidet Deutschland zu den anderen Nationen?

Die Auswahl ist in Deutschland schon deutlich größer als zum Beispiel in Österreich oder der Schweiz. Das Nachwuchsprogramm geht bei uns schon bei der U13 los. Das hilft unfassbar, wenn man schon in so jungen Jahren Lehrgänge hat und dadurch schon gesichtet wird, sodass die Trainer später eine größere Auswahl haben. Ich würde gar nicht sagen, dass wir unbedingt fleißiger sind als andere Nationen.

Sie haben die Nachwuchsentwicklung angesprochen. Wie genau läuft das ab?

Ich war das erste Mal mit elf Jahren bei einem bayernweiten Lehrgang. National geht es dann mit der U13 los. Da hast du dann einen viertägigen Lehrgang, wo du dich mit den besten aus deinem Jahrgang messen kannst. Das ist schon ganz spannend. Bei mir war das Problem, dass ich da nur einmal dabei war, weil das während der Corona-Zeit war. Aber von meinem Verein sind da jetzt auch drei Talente dabei, denen hilft es schon enorm weiter, weil du auch mit einem ganz anderen Selbstbewusstsein wieder nach Hause kommst.

Was macht denn den MTV Rosenheim aus?

Einerseits das Menschliche, das ist schon etwas ganz Besonderes. Ich spiele in der Mannschaft mit zwei, drei Leuten, die über 50 Jahre alt sind, man merkt da aber gar keinen Unterschied. Das ist alles auf einer Wellenlänge. Zudem haben wir mittlerweile ganz gute Trainer, auch ein paar ehemalige Nationalspieler. Das hilft bei der Weiterentwicklung enorm.

Wie ist es auf dem Feld, wenn Ihnen Gegner gegenüber stehen, die Mitte 30 sind und in ihrer Karriere schon alles erlebt haben?

Mir macht es eigentlich immer viel Spaß, gegen Ältere zu spielen, weil es immer ein größerer Wettbewerb ist. Das gibt noch mal einen extra Push. Selbst hilft es einem auch, wenn du schon ein paar erfahrene Mitspieler hast, sodass du in gewissen Situationen ruhiger bleibst, weil du weißt, dass du dich auch auf sie verlassen kannst.

Von wem haben Sie denn am meisten gelernt?

Von Christian Weiß, das war lange mein Jugendtrainer. Sonst würde ich noch meinen Vater oder Steve Schmutzler, der ja auch zwei Jahrzehnte lang Nationalspieler war, sagen.

Was müssen Sie noch lernen?

Mein schwacher Arm kann noch verbessert werden. Zudem bin ich zwar relativ schnell und spritzig, aber die Kraft geht mir noch ein bisschen ab.

Sie spielen aktuell in Rosenheim. Wie stellen Sie sich Ihre Zukunft vor?

Wechseln kann ich mir eher weniger vorstellen. Ich bin mit meinem Verein echt zufrieden und wir haben auch eine relativ gute Nachwuchsmannschaft. In der Halle sind zwei Spieler von München zu uns gewechselt und vielleicht kommen noch ein, zwei Leute aus Kufstein. Wir spielen ab nächstem Jahr mit Rosenheim in der zweiten Liga. Da möchte ich mich beweisen. International wird die U21-Nationalmannschaft spannend.

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