Der Plan hinter dem Testkandidaten

von Redaktion

„Der kanadische Verteidiger Dimitri Mikrogiannakis wird ab sofort für den nächsten Monat bei uns mittrainieren und sich unserem Trainerteam präsentieren“ – mit diesen kurzen Worten präsentierten die Eishockeyspieler der Starbulls Rosenheim einen neuen Akteur. Doch da steckt mehr dahinter, wie die OVB-Sportredaktion weiß.

Rosenheim – Die große Frage lautet: Feiert Mikrogiannakis seinen 26. Geburtstag an der Mangfall? Der Testkandidat der Starbulls hat am 20. September Geburtstag – das wäre der Samstag zwischen den beiden Hammer-Auftaktspielen in der DEL2 gegen Düsseldorf (Freitag) und Landshut (Sonntag). Diese Frage kann in erster Linie der Spieler selbst beantworten, indem er sich in den Einheiten zeigt. Wer Jari Pasanen kennt, der weiß, dass der Starbulls-Chefcoach einen Spieler nicht aus Jux und Tollerei für vier Wochen in der Vorbereitung aufnimmt. Zumal schon seit einigen Tagen das Gerücht umherging, dass noch ein neuer Verteidiger in Rosenheim aufschlagen könnte. Die OVB-Sportredaktion hat den neuen Akteur und seine Situation genauer beleuchtet:

Das ist Dimitri Mikrogiannakis: Der Kanadier, geboren in Richmond Hill in der Provinz Ontario, ist 25 Jahre, 1,88 Meter groß und 97 Kilogramm schwer. Zu seinen Hobbys zählen Kochen, Golfen und Lesen. Die letzten fünf Jahre verbrachte er am namhaften Rochester Institute of Technology (R.I.T.). Dort machte er seinen Bachelor-Abschluss in Psychologie und BWL. Der Fan der Toronto Maple Leafs hat drei jüngere Geschwister, von denen der 17-jährige Bruder Andreas ebenfalls ein talentierter Eishockeyspieler ist und künftig für die „Tigers“ am R.I.T. spielen wird.

Das ist sein Werdegang: In den vergangenen fünf Jahren spielte Mikrogiannakis in der College-Liga NCAA. Für Rochester bestritt er 152 Spiele, erzielte elf Tore und leistete zu 27 weiteren Treffern die Vorlage. Vier Jahre lang spielte er in einem Team mit Stürmer Grady Hobbs, der im Sommer ebenfalls nach Europa gewechselt ist und nur wenige Kilometer entfernt beim Oberliga-Aufsteiger Erding Gladiators einen Vertrag unterschrieben hat. Mikrogiannakis, der auch einer der Kapitäne im Team war, erhielt in der College-Liga mehrere Auszeichnungen von Atlantic Hockey America und tritt in dieser Hinsicht in die Fußstapfen ehemaliger Starbulls-Spieler wie Chris Dodero, Josh Mitchell, Brad McGowan, Kyle Gibbons und Cameron Burt. Vor der NCAA spielte er in der British Columbia Hockey League (BCHL) und war einer der Top-Anwärter auf den wertvollsten Spieler der Liga.

Das sagt Jari Pasanen: Der Rosenheimer Coach war auf den Neuen schon sehr gut vorbereitet: „Wir haben ihn schon lange Zeit beobachtet. Das ist ein guter Spieler, groß und ein Leadertyp.“ Er sieht Stärken beim Kanadier unter anderem im läuferischen Bereich, beim Passen und im Positionsspiel. „Die Liga ist sehr schnell, er war zeitweise 28 Minuten pro Spiel auf dem Eis und hat auch in Überzahl gespielt“, berichtet Pasanen. Die Starbulls haben zuletzt mit Spielern, die zuvor in den College-Ligen Nordamerikas aktiv waren, gute Erfahrungen gemacht – unter anderem war Torwart Oskar Autio in der NCAA tätig. „Uni-Spieler sind diszipliniert und intelligent, mit ihnen kann man sehr gut arbeiten“, weiß Pasanen. „Ich hatte zu meiner Zeit in Iserlohn schon einige und habe damit gute Erfahrungen gemacht.“

Das ist die Situation: Am Montag war er noch Trainings-Kiebitz auf der Tribüne, am Dienstag mischte er selbst auf dem Eis mit: Mikrogiannakis wird zunächst einmal bis Mitte September bei den Starbulls bleiben, er wird dabei auch bei den Testspielen auflaufen. Dabei muss er sich dem Rosenheimer Trainer gar nicht mehr groß präsentieren, denn: „Ich will nur die Bestätigung dessen haben, was wir vom Videostudium und den Telefonaten her wissen“, sagt Pasanen. Der Kanadier griechischer Abstammung – er hat sogar schon Länderspiele für Griechenland bestritten – fällt unter das Ausländerkontingent. In Rosenheim wäre er damit der fünfte „Konti“ neben Torwart Oskar Autio (Finnland), Verteidiger Shane Hanna, Stürmer Charlie Sarault (beide Kanada) und Angreifer C.J. Stretch (USA) – nur vier dürfen pro Begegnung eingesetzt werden. Die besten Einsatzchancen würden sich ergeben, wenn Autio nicht im Aufgebot steht. Mit Christopher Kolarz haben die Starbulls ja einen talentierten Goalie zurückgeholt. „Viele Clubs in der DEL2 haben fünf Ausländer“, sagt Pasanen. Das ist auf alle Fälle in Weißwasser, Weiden, Regensburg und Düsseldorf der Fall, wobei sich das Kontingent in Regensburg und Düsseldorf durch eine avisierte Einbürgerung wieder verringern könnte. Geht da vielleicht auch etwas in Rosenheim?

Die Einschätzung: Sollte „Mikro“, so sein Spitzname in Rochester, annähernd das umsetzen, was Jari Pasanen im Vorfeld herausgefiltert hat, dann wird aus dem Tryout schnell ein fester Vertrag. Das Budget für eine Verpflichtung ist jedenfalls noch vorhanden.

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