„Wenigstens gscheid eingeschmiert“

von Redaktion

Ein Fußball-Derby zur prallen Mittagshitze. Der SV Ostermünchen und der TSV Emmering (2:1) haben in der Kreisliga 1 bei über 30 Grad zur Frühschoppen-Zeit die Saison eröffnet. Die OVB-Sportredaktion war mit dabei und hat danach mit einem Trainer, einem Spieler und den Schiedsrichtern gesprochen. Wie war denn die Hitzeschlacht?

Ostermünchen – Der Kick zur Mittagszeit, Kreisliga-Fußball bei brütender Hitze – ja geht‘s noch? Aber freilich! Der SV Ostermünchen und der TSV Emmering haben den Beweis angetreten. Vorher gab‘s Weißwürst, um 11 Uhr rollte die Kugel. Das Spiel aus der Sicht des…

…Spielers: „Viel trinken, zeitig aufstehen und den Kreislauf in Schwung bringen“ – das war das Rezept von Ostermünchens Marco Bell, um beim Anpfiff von Beginn an voll da zu sein. Beim Frühstück hat er sich auf „leichte Kost“ beschränkt, „nicht etwas, das schwer im Magen liegt“. In seinem Fall: Bananen und Müsli. Die fast 100 Minuten – in der ersten Hälfte gab es vier Minuten Nachspielzeit, in der zweiten Halbzeit fünf – hat er von Aktion zu Aktion abgearbeitet. „Irgendwann kommt dann der Zeitpunkt, wo der Schiri die Nachspielzeit anzeigt und dann weißt du, dass es nur noch ein paar Meter sind.“ Die Trinkpausen hat er genutzt, „die sind bei so einem Wetter ein Muss“. Wobei die Getränkeflaschen nicht immer gleich befüllt sind: „Der eine braucht nur Wasser, der andere Magnesium mit rein und der nächste eher was Süßes für den Zucker.“

…Trainers: Ostermünchens Coach Bernd Schiedermeier hat seine Mannen schon im Vorfeld auf die Hitze vorbereitet: „Ich habe den Jungs gesagt, dass sie am Vortag schon genügend Kohlenhydrate zu sich nehmen und logischerweise viel trinken sollen“, sagt er. Beim gemeinsamen Frühstück in der familieneigenen Bäckerei sei natürlich auch auf die Ernährung geschaut worden. An der Seitenlinie war bei ihm viel Wasser angesagt: „Ich habe fast das gesamte Spiel die Wasserflasche in der Hand gehalten. Wir hatten ja auch keinen Schatten“, meinte Schiedermeier – und klärte auf, dass das auch aufgrund eines Missgeschicks so war: „Irgendwann habe ich versucht, einen Sonnenschirm aufzuspannen, bin daran aber gescheitert. Da war ich einfach zu ungeduldig. Wenigstens habe ich mich gscheid eingeschmiert.“ Bei den Trinkpausen wollte er seine Mannschaft auch mit taktischen Hinweisen versorgen, was aber nur teilweise gelang: „In der ersten Halbzeit konnte ich schon noch einwirken, in der zweiten Halbzeit ist es nur noch ums Trinken gegangen.“ Auch die Halbzeitpause ist etwas anders gestaltet worden: „Die Spieler haben sich auf den Boden gelegt und die Füße hochgelegt.“ Zudem sei der frisch aufgefüllte „Futtervorrat“, wie es Schiedermeier nennt, reichlich genutzt worden. Was da drin war? „Riegel, Nüsse, Dattel, Kokoswasser und Zitronenwasser.“

…Schiedsrichters: „Es war schon sehr anstrengend, man merkt die Intensität der Sonne“, meinte Referee Christian Babjar, als er nach dem Abpfiff in seiner Kabine auf dem Stuhl Platz genommen hatte. Er hatte schon versucht, vor dem Spiel möglichst viel Flüssigkeit zu sich zu nehmen, „aber das ist auch nicht so einfach, weil ich jetzt nicht drei Liter innerhalb von einer Stunde trinken kann“. Und auch das mit dem Sonnenschutz ist in der prallen Hitze so eine Sache: „Das bringt nicht viel, weil der nach zwei Minuten schon wieder runtergeschwitzt ist.“ Auf dem Feld habe er versucht, „keine unnötigen Wege zu machen. Ich konnte es mir aber ganz gut einteilen“. Der junge Assistent Simon Viehbeck musste die gesamte Spielzeit in der prallen Sonne verbringen. „Das geht schon auf die Konzentration. Wichtig war, diese bis zum Schluss hochzuhalten.“ Dazu helfen auch die Trinkpausen – die hat Babjar vorab mit den beiden Mannschaften abgesprochen. „Und da gibt‘s dann auch für die Schiedsrichter ein Flascherl.“ Es dürfen übrigens sogar mehr als zwei Trinkpausen sein, wie Kreis-Schiedsrichterobmann Sepp Kurzmeier bestätigte. „Wenn der Schiedsrichter das Gefühl hat, dass das notwendig ist, dann kann er das durchaus machen.“

Nach den Hitze-Spielen bei der Klub-Weltmeisterschaft im Sommer in den USA hatte sich zuletzt die internationale Spielergewerkschaft FIFPro zu Wort gemeldet und eine Reaktion seitens der Verbände mit späteren Anstoßzeiten, mehr Trinkpausen und längeren Abkühlphasen gefordert. „Das Hitzeproblem wird noch zu oft unterschätzt“, kritisiert FIFPro-Direktor Alexander Bielefeld. Gemeinsam mit dem portugiesischen Verband wird aktuell der Nutzen einer 20-minütigen Halbzeitpause getestet. „Möglicherweise reicht eine 15-minütige Pause nicht aus, um die Kerntemperatur des Körpers zu senken“, erklärte der renommierte Sportmediziner Prof. Dr. Vincent Gouttebarge. In Deutschland hat das Bundesministerium für Gesundheit gemeinsam mit der Medizinischen Fakultät Mannheim, der Universität Heidelberg, dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG) ein Musterhitzeschutzplan für den organisierten Sport erarbeitet. Darin wird als „spezielle Maßnahmen während akuter Hitzeperioden“ unter anderem vorgeschlagen, die Wettkampfzeiten auf die Morgen- oder Abendstunden zu verlegen, den Austragungsort zu verlegen oder die Wettkampfregeln anzupassen. Zudem solle man beim Catering koffein- und alkoholfreie Getränke und wasserreiche Kost anbieten. Das wäre beim Frühschoppen-Derby in Ostermünchen aber eine glatte Themaverfehlung gewesen!

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