Kigali – Es hat (noch) nicht sollen sein für Antonia Niedermaier. Bei der ersten Radsport-Weltmeisterschaft auf afrikanischem Boden hat die 22-Jährige mehrere Spitzenplätze errungen, aber ihre Medaillenpremiere bei den Frauen verpasst. Nach dem sechsten Rang im Zeitfahren und dem fünften Platz mit der Mixed-Staffel sprang für die gebürtige Rosenheimerin im Einzelrennen ebenfalls der sechste Platz heraus.
Nach der Staffel war man im deutschen Lager etwas enttäuscht, hatte man doch im Vorjahr die Silbermedaille errungen. „Wir hatten ein Podium erwartet, aber wir hatten ein paar Krankheitsfälle“, meinte Niedermaier hinterher. Liane Lippert musste passen, für sie war U23-Fahrerin Justyna Czapla eingesprungen. Gemeinsam mit Franziska Koch, Miguel Heidemann, Louis Leidert und Jason Rutsch bestritten Niedermaier und Czapla die 41,8 Kilometer lange Strecke und lagen am Ende 93 Sekunden hinter Sieger Australien, das knapp vor Frankreich und der Schweiz gewonnen hat.
Im Straßenrennen über 164,4 Kilometer war die Bruckmühlerin lange in der Spitzengruppe zu finden, musste aber sechs Kilometer vor dem Ziel abreißen lassen und fuhr letztlich als sehr gute Sechste über die Linie. „Ich kann zufrieden sein und bin gut gefahren“, meinte Niedermaier hinterher. In der Tat, denn die 22-Jährige hätte ja auch noch bei den Juniorinnen fahren dürfen – insofern war das schon eine bemerkenswerte Leistung. 1:17 Minuten betrug am Ende ihr Rückstand auf die kanadische Weltmeisterin Magdeleine Vallieres. Sie gewann vor der Neuseeländerin Niamh Fisher-Black und der Spanierin Mavi Garcia.
Weltmeisterlicher Jubel hingegen beim Raublinger Profi-Rennstall Red Bull-Bora-hansgrohe: Lorenzo Finn hat es wieder getan. Exakt ein Jahr nach seinem Titelgewinn im Straßenrennen der Junioren hat sich der 18-jährige Italiener aus den Reihen der Red Bull-Bora-hansgrohe-Rookies auch den Weltmeistertitel im Straßenrennen der U23 gesichert!
Auf dem selektiven, 164,6 Kilometer langen Rundkurs von Kigali attackierte Finn rund sieben Kilometer vor dem Ziel und ließ seinen letzten verbliebenen Begleiter, den Schweizer Jan Huber, mit einem explosiven Antritt an der Côte de Kigali stehen. Am Ende überquerte er die Ziellinie mit 31 Sekunden Vorsprung als Solist – und streifte sich im Anschluss zum zweiten Mal in seiner Karriere das Regenbogentrikot über.
„Ganz ehrlich, es fühlt sich ähnlich surreal an wie letztes Jahr. Der Jubel war gewaltig. Auf den letzten 500 Metern haben mir die Ohren gedröhnt – so laut wurde ich angefeuert. Es war eine unvergessliche Woche, und mit diesem Ergebnis ist es wirklich ein Moment fürs Leben. Diese WM bleibt für immer in meinem Herzen“, sagte Lorenzo Finn nach seinem größten Erfolg.
Der neue U23-Weltmeister kristallisierte sich früh als entscheidender Fahrer des Rennens heraus. In der zweiten Rennhälfte war er mehrfach an Tempoverschärfungen beteiligt – ehe er und der zweitplatzierte Huber sich entscheidend absetzen konnten. „In der zweiten Rennhälfte ging’s drunter und drüber – Attacken ohne Ende. Die Höhe und die Hitze haben es richtig schwer gemacht, aber meine Beine waren gut. Und auch mein Team und die Betreuer haben mich perfekt unterstützt. Wie gesagt – ein surreales Erlebnis“, so Finn weiter.
John Wakefield, Director of Development bei Red Bull-Bora-hansgrohe, bezeichnete den Sieg als „historischen Moment“, wie er im Anschluss an das Rennen erklärte: „Mit diesem Doppelsieg gehört Lorenzo zu den ganz Großen: Er ist erst der zweite Fahrer, der den Junioren- und U23-Weltmeister-Titel nacheinander holt – und das als jüngster U23-Weltmeister aller Zeiten (18 Jahre, neun Monate, sieben Tage). Das zeigt, was für ein Ausnahmetalent er ist!“re