Wiederholungstäter am Hochfelln

von Redaktion

51. Auflage des Berglaufs: Mayr gewinnt zum 13. Mal, Becan holt seinen zweiten Titel

Bergen – Die 51. Ausgabe des internationalen Hochfellnberglaufs ist ein Erlebnis für alle teilnehmenden Weltklasse-Bergläufer sowie ambitionierten Breitensportler und Hobbyläufer gewesen. Auch die unzähligen Besucher kamen an der Strecke und oben am Hochfelln voll auf ihre Kosten. Vor ihren Augen meisterten 235 Läufer die rund 8,9 Kilometer und etwa 1070 Höhenmeter. „Sie alle können sich als Gewinner fühlen“, meinte der Erste Vorsitzende des ausrichtenden Skiclubs Bergen und OK-Chef, Dr. Jürgen Schmid, schon bei der Begrüßung der Teilnehmer an der Talstation der Hochfellnbergbahn. Ihren Favoritenrollen voll gerecht wurden kurz darauf die „Grande Dame des Berglaufs“ Andrea Mayr (SV Schwechat) aus Österreich und Vorjahressieger Timotej Becan aus Slowenien, die ungefährdete Siege einfuhren.

Die siebenfache Berglauf-Weltmeisterin Mayr, die bald 46 Jahre alt wird, konnte sich beim deutschen Berglaufklassiker bereits zum 13. Mal in die Siegerliste eintragen. Außer bei der WM 2000 und im letzten Jahr, als sie der erst 17-jährigen deutschen Ausnahmebergläuferin Julia Ehre den Vortritt lassen musste, gewann sie bei jedem Start in Bergen – erstmals 2008, als sie mit 47:28,2 Minuten einen bis heute gültigen Damen-Streckenrekord aufgestellt hatte. Heuer kam sie nach 53:04 Minuten ins Ziel. Zweite wurde die heimische Trailrunnerin Karin Hahn (Chiemgau Endurance) mit 57:39 Minuten – nach Platz acht bei ihrer Premiere 2024. Sintayehu Kibebo aus Äthiopien war mit 58:52 Minuten die drittschnellste Frau. Sie stand schon mehrmals auf dem Podium am Hochfelln, aber nie ganz oben. Hinter der viertplatzierten aufstrebenden deutschen Biathletin Julia Kink belegten die „Dauerbrennerin“ Renate Forstner, die heimische Ex-Biathletin Marion Deigentesch und die deutsche Nachwuchs-Biathletin Luise Thomas die Plätze fünf bis sieben. Mit Charlotta de Buhr auf Rang neun reihte sich eine weitere junge DSV-Biathletin weit vorne ein. Das gute Abschneiden der DSV-Biathleten freute auch die Trainer Andi Birnbacher und Andi Stitzl. Der 51-jährige Lokalmatador Stitzl lief sogar selbst mit und überzeugte mit einer Zeit von 56:50 Minuten. Nur 20 Läufer und eine Läuferin (Mayr) waren schneller. Die Siegsdorferin Karin Hahn, Stoißeralm-Berglauf-Siegerin 2025, verteidigte ihren Vorjahrestitel in der Inn-Chiemgau-Wertung (Damen) vor den Rosenheimerinnen Julia Kink und Renate Forstner. Tageschnellster war der Slowene Timotej Becan. Gerade einmal 45:49 Minuten waren seit dem Startschuss im Tal vergangen, als er am Hochfellnhaus als Erster umjubelt ins Ziel einlief. Auf den letzten sehr steilen Metern schienen ihn die anfeuernden Zuschauer, deren Kuhglocken und Rasseln sowie das Hupen der Pistenraupe zusätzlich zu beflügeln.

Im Ziel wurde er dann mit zünftigen Klängen von „Ziach-Legende“ Theo Dangl empfangen. Schöner hätte sich der 29-jährige Modellathlet Becan seine erfolgreiche Titelverteidigung kaum ausmalen können und das, obwohl er zuletzt nur auf Sparflamme trainiert hat. „Wir haben heuer unser drittes Kind bekommen und da gab es anderes zu tun“, verriet der überglückliche Sieger am Rande der Flower Ceremony. Natürlich war seine Familie auch mit dabei. Nur einer seiner Wünsche ging nicht in Erfüllung, denn er hätte gerne den Chiemsee von oben gesehen – dichter Nebel im Tal vereitelte dies. Vom perfekten Laufwetter profitierte auch der zweitschnellste Mann Alex Brandner (46:45 Minuten) vom WSV Bischofswiesen, dem als Berglauf-Rookie gerade einmal 56 Sekunden auf den sehr erfahrenen Champion Becan fehlten. Im letzten Winter hatte Brandner noch als DSV-Skilangläufer im Continental Cup überzeugt und war sogar einmal im Weltcup am Start, doch dann wurde er überraschend aus dem Kader gestrichen. „Das hat keiner verstanden, aber ich schaue jetzt nach vorne und versuche es nun als DAVSkibergsteiger, da bin ich schon darauf gespannt, wie das wird“, so Brandner. Beistand erhielt er am Rande der Flower Ceremony von Hochfellnberglauf-Rekordsiegerin Mayr, denn die ist nicht nur siebenfache Berglauf-Weltmeisterin, sondern auch zweifache Weltmeisterin im Skibergsteigen. Dritter bei den Herren wurde der polnische Altmeister Andrzej Dlugosz (48:10 Minuten). Hinter dem viertplatzierten Norweger Torstein Tengsareid komplettierten der starke Läufer Anian Rottmüller vom PTSV Rosenheim, der ehemalige deutsche Skilangläufer Jonas Dobler, DSV-Nachwuchs-Biathlet Leonhard Pfund, Ex-Champion Antonio Toninelli aus Italien, der heimische Läufer Marinus Enzinger und der Österreicher Daniel Rohringer die Top Ten. Der Gesamtzweite Brandner, der in Ruhpolding wohnt, konnte sich doppelt freuen, denn er gewann auf Anhieb die Inn-Chiemgau-Wertung. Anian Rottmüller und Jonas Dobler belegten die Plätze zwei und drei.

„Falls es sich mit meinem Beruf als Ärztin und mit meiner Familie weiterhin vereinbaren lässt, laufe ich weiter, es macht einfach immer noch viel Spaß“, so die 45-jährige Ausnahmeathletin Andrea Mayr im Siegestaumel. Sie wolle nicht nur trainieren, sondern sich auch im Wettkampf messen – gerade mit den jungen Läuferinnen. Zu diesen zählt auch Vorjahressiegerin Julia Ehrle, die bei der zeitgleichen Berglauf- und Trailrunning-WM in Spanien startete und wie ihre Teamkollegin Nina Engelhard, die 2023 den Hochfellnberglauf gewonnen hatte, mit einem WM-Titel nach Hause kommt.

Vielleicht kommt es im nächsten Jahr (nach 2024) am Hochfelln erneut zum Duell Mayr-Ehrle oder sogar zu einem Dreikampf mit Engelhard. Champion Becan kündigte an, 2026 das Triple perfekt machen zu wollen. Dreimal infolge haben bisher nur der Österreicher Helmut Stuhlpfarrer (1984 bis 1986) und der beste Bergläufer aller Zeiten Jonathan Wyatt (2002 bis 2004) aus Neuseeland gewonnen. Wyatt, der achtmal auf dem Hochfelln triumphiert hatte, hält seit 2002 auch den 40:34,9-Minuten-Streckenrekord. Auf diese Fabelzeit fehlen Becan über fünf Minuten.

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