Aufeinandertreffen von Segelkulturen

von Redaktion

Europameisterschaft der Asso99-Klasse findet ab morgen auf dem Chiemsee statt

Bernau – Der Chiemsee wird vom 2. bis 5. Oktober zum internationalen Treffpunkt der Asso99-Szene: Die Europameisterschaft der Asso99-Klasse bringt Seglerinnen und Segler aus ganz Europa an den bayerischen See zum Bernauer Segelclub Felden (BSCF). Erwartet werden starke Teams vom Gardasee, vom Balaton, aus der Schweiz und aus Großbritannien sowie die etablierten deutschen Spitzencrews. Der Veranstalter rechnet mit 20 Mannschaften, was unterm Strich 120 Regattasegler sein werden. Unter ihnen Namen, die auch außerhalb der Klasse Rang und Namen haben und zusammen mit einer beachtlichen Sammlung an Welt- und Europameistertiteln aufwarten können: Luitpold Prinz von Bayern, Leopold Fricke, Andrea Farina aus Italien und zahlreiche erfahrene Segler, die ihre Titel in FD, 18-Footer oder anderen High-Performance-Klassen geholt haben.

Die Asso99 ist eine gleitfähige One-Design-Klasse mit rund zehn Metern Länge und gerade mal 1150 Kilogramm Masse. Sie wurde in den 80er-Jahren von Ettore Santarelli am Gardasee als Einheitsklasse und Gegenentwurf zur Libera-Szene designt. Die Asso99 erfreut sich ungebrochener Beliebtheit bei sportlich ambitionierten Binnensportlern, sowohl auf Langstrecke (Centomiglia) als auch auf Klassenregatten. Heute steht sie als Gegenentwurf für den allgemeinen Trend, mit kleineren Mannschaften auf technisch einfacheren Booten zu segeln. Kaum eine andere Klasse verbindet so kompromisslos Geschwindigkeit mit Teamarbeit und technischer Präzision. Sechs Crewmitglieder, davon drei im Trapez, sorgen für spektakuläre Manöver und rasante Geschwindigkeiten. Die Regattafelder sind zumeist eng beieinander. Den Ersten und den Letzten trennen pro Wettfahrt teils weniger als 300 Meter. So kommt es vor, dass an der Leebahnmarke zehn Yachten Innenraum haben und sich 60 Segler darum kümmern, diesen auch durchzusetzen. Dem routinierten Regattasegler läuft hier ein angenehmer Schauer den Rücken hinunter.

Alle drei Jahre gastiert die Europameisterschaft am Chiemsee. Zuletzt 2022. Damals meldeten 26 Boote aus sieben Nationen und die Resonanz war eindeutig: Die Teilnehmer zeigten sich begeistert, dass auch der Chiemsee Wind haben kann und fordernde Wettfahrten in voller Gleitfahrt erlaubt.

Neben den deutschen Spitzenteams um Luitpold von Bayern, Leopold Fricke und der ausschließlich durch Frauen besetzten Amassone reisen etliche Mannschaften aus dem europäischen Ausland an. Vom Gardasee kommt mit Andrea Farina einer der stärksten italienischen Steuermänner im Asso99-Zirkus. Farina überzeugte in den vergangenen Jahren bei der Centomiglia, ebenso wie bei internationalen Asso99-Events. Seine Crew zählt seit Jahren zu den Konstanten im vorderen Feld. Vom Balaton wiederum kommen neben den Detre-Zwillingen auch Balázs Gyapjas mit Team, das letztes Jahr in Ungarn Europameister wurde. Weitere ungarische Teams, die in allen Wettbewerben stets die vordersten Plätze belegen, werden erwartet.

Besonders reizvoll für Segelkenner: Unter den Teilnehmern finden sich auch Crews mit Erfolgen in anderen Hochleistungsbooten. FD-Segler, die bereits Euro- und Weltmeistertitel gesammelt haben, sowie 18-Footer-Teams, die noch dieses Frühjahr den Hafen von Sydney gerockt haben, stellen sich dem direkten Vergleich auf der Asso99. Dieses Aufeinandertreffen unterschiedlicher Segelkulturen macht die Europameisterschaft am Chiemsee zu einem einzigartigen Ereignis im Regattakalender. re

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