Rosenheim – Marinus Brandstetter aus Rosenheim gehört zu einer ganz besonderen Riege: Der 25-Jährige hat bei der Deutschen Meisterschaft im Kreuzheben das Vierfache seines eigenen Körpergewichts gehoben. Damit zählt er zu nur fünf Athleten in der deutschen Powerlifting-Geschichte, denen dieses Kunststück gelungen ist. Powerlifting, im Deutschen auch Kraftdreikampf, umfasst die drei Disziplinen Kniebeugen, Bankdrücken und Kreuzheben. Brandstetter ist in Rosenheim derzeit der einzige Athlet, der aktiv an Wettkämpfen teilnimmt – umso bemerkenswerter ist sein Erfolg: Mit seinem Trainingsfleiß hat er sich an die Spitze seiner Gewichtsklasse gearbeitet.
Inzwischen hält er acht bayerische und einen deutschen Rekord, ist dreifacher bayerischer Meister und seit Kurzem deutscher Meister in der Klasse bis 59 Kilogramm. Zudem wurde er Dritter im Gesamtklassement der aktiven Männer – mit einem neuen deutschen Rekord von 234,5 Kilogramm im Kreuzheben.
„Die meisten im Fitnessstudio unterschätzen mich mit meinen 60 Kilo Körpergewicht“, erzählt Brandstetter schmunzelnd. „Wenn ich ihnen sage, was ich hebe, versuchen sie es oft selbst – meistens geht das dann nicht so gut.“
Den Sport entdeckte der Rosenheimer über YouTube-Tutorials. „Ich habe mir alles selbst beigebracht“, sagt er. „Um an Wettkämpfen teilzunehmen, braucht man aber einen Verein. In Rosenheim gibt es leider keinen, deshalb bin ich beim Kraftsport Isartal in Bad Tölz.“
Trainiert wird trotzdem lieber daheim: in einem Rosenheimer Fitnessstudio. Sein Wochenplan ist streng getaktet: „Bankdrücken am Samstag, Kniebeugen am Sonntag, Dienstag Kreuzheben, Mittwoch wieder Bankdrücken und Donnerstag noch einmal Kniebeugen und Kreuzheben“, erzählt Brandstetter, für den alles ganz mit der Anmeldung in der „Muckibude“ anfing. „Ich war immer der Kleine, der Schwache. Ich wollte einfach mein Äußeres verändern“, erinnert sich der Wirtschaftsinformatik-Student. „Mich haben von Anfang an die Grundübungen wie Kreuzheben, Kniebeugen und Bankdrücken fasziniert.“ Über Social Media stieß er schließlich auf Powerlifting. In Deutschland gab es bereits Ende der 1950er-, Anfang der 1960er- Jahre erste Wettkämpfe. Aber anders als das klassische Gewichtheben ist der Kraftdreikampf nicht olympisch. Bei den World Games 2025 im chinesischen Chengdu war das klassische Powerlifting ohne Hilfsausrüstung, wie es Brandstetter ausübt, erstmals vertreten. Beim Equipped Powerlifting setzen die Athleten spezielle Anzüge ein, die die Maximalkraft erhöhen können. Diese Variante war schon seit 1981 Teil der World Games.
„Mein nächstes Ziel ist die Kadernorm“, sagt Brandstetter. Denn nur wer es in den Nationalkader schafft, darf bei internationalen Wettkämpfen starten. Die nächsten World Games finden 2029 in Karlsruhe statt. Vielleicht dann – mit Marinus Brandstetter aus Rosenheim.