Rosenheim – Ersatzgeschwächte Gegner können mitunter brandgefährlich sein – das ist aber nicht unbedingt bis zu den Starbulls Rosenheim vorgedrungen, die sich in der DEL2-Begegnung gegen die Blue Devils Weiden abmühten und letztlich in die Verlängerung mussten. Am Ende gab es dort dann aber den nächsten 3:2-Erfolg hintereinander.
Der Spielfilm: Weidens zusammengewürfelter Kader machte den Starbulls das Leben lange Zeit schwer. Das lag sicherlich an den tapfer aufspielenden Gästen, vor allem aber daran, dass die Hausherren ihre Aktionen nicht zu einhundert Prozent spielten. Und mit halber Kraft geht halt in dieser Liga gar nichts! Rosenheim knüpfte an die schwachen Minuten aus dem Nauheim-Heimspiel nahtlos an, was zur Folge hatte, dass Weiden nach dem ersten Durchgang vorne lag. Luca Gläser hatte viel Raum vor sich, nutzte diesen und setzte die Scheibe in den Winkel.
Auch im zweiten Durchgang änderte sich zunächst nicht so viel – bis es eine Saisonpremiere gab: Charlie Sarault netzte nach saisonübergreifend 27 Spielen ohne Treffer ein, sein letztes Tor war am 21. Februar beim Gastspiel in Freiburg. Danach war Rosenheim im Vorteil und im letzten Abschnitt mit Übergewicht. Als Dominik Tiffels 49 Sekunden vor Schluss endlich für das 2:1 sorgte, schienen die Starbulls wie der Sieger auszusehen. Weiden probierte dann alles, ersetzte den starken Goalie Simon Wolf durch einen zusätzlichen Feldspieler – und wurde für den Mut belohnt, als Voyer 26 Sekunden später das 2:2 markierte. Es ging in die Verlängerung, dort hatten die Starbulls dann aber mehr und sorgten für den Sieg – erneut mit einem Verteidiger-Tor, denn Maximilian Adam traf nach starker Vorarbeit von Jordan Taupert.
Die Schlüsselszene: Gerade war das Rofa-Stadion noch am Durchdrehen, als die Starbulls in der letzten Minute endlich in Führung lagen, da folgte die Ernüchterung nur 26 Sekunden später. Weiden hatte den Torhüter vom Eis und das Rosenheimer Gehäuse unter Beschlag genommen und kam noch zum Ausgleich.
Zum Lachen: Sieg in der Verlängerung, das nächste Kapitel: Zum dritten Mal hintereinander haben die Starbulls in der Overtime den Zusatzpunkt errungen.
Zum Weinen: Das Powerplay. Vier Situationen blieben diesmal ungenutzt. Das Überzahlspiel nähert sich aktuell der Form zu Beginn der Saison an. „Das Überzahl hat gezeigt, wie wir die Scheibe bewegt haben – nämlich schlecht“, merkte Trainer Jari Pasanen angesäuert an.
Der Spieler des Spiels: Simon Wolf. Der Torhüter der Gäste war eine Bank. Die Leihgabe aus München hielt sein Team gerade im letzten Drittel im Spiel und hatte so großen Anteil daran, dass Weiden punktete.
Das war los mit: Leon van der Linde. Der Förderlizenzspieler der Augsburger Panther feierte sein Debüt im Starbulls-Trikot. „Das war ein guter Anfang“, urteilte Pasanen, „er hat einen guten Schuss und geht auch körperlich ran“.
Beim Gast aus Weiden war gleich mehrfach Premiere angesagt. Aufgrund der Vielzahl an fehlenden Akteuren wegen Verletzungen und Krankheiten haben die Blue Devils personell nachgebessert. Aus der U20 von Ingolstadt kam Eden-Angelus Hofverberg, aus der U20 von Landshut stießen Maximilian Oswald und Maxim Scholl hinzu. Per Förderlizenz war Dresdens Matthias Pischoff spielberechtigt, aus Ravensburg wurde der Kanadier Alex-Olivier Voyer verpflichtet und der 39-Jährige Ralf Herbst, der 2023 seine Profilaufbahn beendet hatte, holte noch einmal die Schlittschuhe vom Nagel.
Das sagen die Trainer: Jari Pasanen, Starbulls Rosenheim: „Das ist ein Punkt zu wenig – ohne Wenn und Aber. Wir hatten 38 Schüsse aufs Tor, nur vier Mal waren wir vor dem Torhüter. Das ist ein Anzeichen, dass man nicht das gemacht hat, was man machen wollte. Im Spielaufbau waren wir zu ungenau, da hatten wir oft nur Hoffnungspässe. Im letzten Drittel haben wir es mit der Brechstange versucht, es gab Schüsse von links und rechts – aber wieder waren wir nicht vorm Tor. Das ist insgesamt eine bittere Pille.“
Sebastian Buchwieser, Blue Devils Weiden: „Wir freuen uns über den nicht erwarteten Punkt. Das erste Drittel war ausgeglichen, der Druck war nicht so hoch wie normal in Rosenheim. Unser Überzahl hat nicht geklappt, was aber in dieser Situation normal ist, ansonsten haben wir ein sehr gutes Spiel gemacht. Rosenheims Führung war dann verdient, aber wir haben unsere Chance beim Schopf gepackt. Es war das erste Tor, das wir heuer erzielt haben, wenn wir den Torwart gezogen haben.“
Die Spielstatistik: Starbulls Rosenheim – Blue Devils Weiden 3:2 n.V. (0:1, 1:0, 1:1, 1:0). Starbulls: Kolarz (Röckl) – Hanna, Tiffels; Adam, Vollmayer; Van der Linde, Keussen; Beck – Dietz, Stretch, Järveläinen; Zerter-Gossage, Sarault, Pulkkinen; Feser, Calce, Taupert; Zwickl, Kolb, Musin.
Tore: 0:1 (16.) Gläser/Voyer, Bohac, 1:1 (33.) Sarault/Pulkkinen, Vollmayer, 2:1 (60.) Tiffels/Hanna, 2:2 (60.) Voyer/Gläser, Bohac, 3:2 (64.) Adam/Taupert, Pulkkinen.
Schiedsrichter: Hoppe/Meineke; Strafminuten: Rosenheim 10, Weiden 12; Zuschauer: 4073.
Das nächste Spiel: Die Starbulls bestreiten am Sonntag das Derby in Landshut, Beginn ist um 17 Uhr. Das nächste Heimspiel ist dann schon wieder am Dienstag um 19.30 Uhr gegen die Eispiraten Crimmitschau.