Rosenheim – Die Starbulls Rosenheim sollten in ihrem Fanshop dringend Beruhigungstabletten ins Angebot nehmen. Die aktuellen DEL2-Begegnungen der Rosenheimer Eishockeyspieler sind nämlich nichts für schwache Nerven. Vor heimischer Kulisse gelang den Starbulls mit dem 4:3 über die Eispiraten Crimmitschau der fünfte Sieg hintereinander – es war aber auch das fünfte Spiel in Serie, das die Mannen von der Mangfall mit einem Tor Unterschied für sich entschieden.
Der Spielfilm: Die Starbulls hatten den Schwung aus dem Landshut-Spiel mitgenommen und legten ein sehr starkes ersten Drittel aufs Eis. Ein Klasse-Zuspiel von Dominik Tiffels leitete den Führungstreffer ein. Kapitän C.J. Stretch legte in der Folge auf Sebastian Zwickl ab und dieser verwertete souverän. 106 Sekunden später netzte Scott Feser gegen sein Ex-Team ein. Der Vorsprung nach dem ersten Drittel hätte h höher ausfallen können.
Völlig anders verlief dann der zweite Abschnitt. Der schnelle Anschlusstreffer von Louis Brune nach einem schweren Rosenheimer Patzer im Aufbau gab den Gästen Hoffnung. Starbulls-Goalie Christopher Kolarz stand immer mehr im Mittelpunkt und musste sich dann noch einmal geschlagen geben, als Robin Veber erfolgreich abschloss – wieder einmal hatten die Hausherren im eigenen Drittel nicht entscheidend klären können. Danach waren die Starbulls gleich mehrmals mit dem Glück im Bunde – und sie hatten Kolarz.
Rosenheim brauchte die Pause dringend. Ins letzte Drittel kamen die Starbulls wieder wesentlich fokussierter. Ein Doppelschlag brachte die Hausherren dann auf die Siegerstraße. Erst sorgte Dominik Kolb für die erneute Führung, danach legte Feser seinen zweiten Treffer nach – das alles geschah innerhalb von 21 Sekunden! Der Erfolg war aber noch nicht ganz in trockenen Tüchern, denn die Gäste blieben dran, als Felix Thomas verkürzte. Am Ende brauchte es noch einen letzten Einsatz von Goldhelm Shane Hanna, der mit der Schlusssirene den Puck abkriegte, um den Sieg über die Zeit zu bringen. Hanna musste danach gleich in die Kabine. „Die Ärzte schauen sich das an, ich kann leider noch nichts sagen“, erklärte Trainer Jari Pasanen hinterher.
Die Schlüsselszene: Das war gleich nach dem 2:2, als zunächst Charlie Sarault und dann Maximilian Adam auf die Strafbank mussten. Crimmitschau spielte ein hervorragendes Powerplay, aber beim Abfälscher von Sebastian Streu rettete der Pfosten für die Starbulls, bei zwei weiteren gefährlichen Chancen war Kolarz zur Stelle und verhinderte den Rückstand. Wer weiß, ob die Rosenheimer bei allen Comeback-Qualitäten auch diesmal zurückgekommen wären?
Zum Lachen: Das erste Drittel war eines der stärksten der Starbulls in dieser Saison. Die Hausherren wirkten spritzig, griffig und offensivfreudig, hinten ließen sich fast nichts anbrennen. Deshalb war das 2:0 zur ersten Pause auch verddient.
Zum Weinen: Wieder einmal haben die Starbulls eine Führung hergegeben. Nach dem zweiten Drittel hieß es 2:2, was für die Rosenheimer aufgrund einiger Gäste-Chancen sogar noch schmeichelhaft war.
Der Spieler des Spiels: Dominik Kolb. Der Allrounder brachte die Starbulls mit seinem ersten Saisontreffer wieder auf Kurs. „Er hat bereits in Landshut sehr stark gespielt“, lobte Coach Jari Pasanen. Diesmal musste Kolb sein ganzes Können aufbieten, war im Sturm, in der Verteidigung und in Unterzahl gefragt – und dann auch noch als wichtiger Torschütze. „Er hat überragend gespielt“, so Pasanen.
Das war los mit: Lewis Zerter-Gossage und den Torhütern. Der Deutsch-Kanadier hatte in Landshut einen Schläger aufs Auge bekommen und war zwei Tage später nicht einsatzfähig. „Er hat fast sein Auge verloren. Er sieht nichts, da ist Blut drin“, zeigte sich Pasanen auf zwei Tage danach noch mächtig sauer. Anstelle von Zerter-Gossage ergänzte Charlie Sarault die Sturmriege und Goalie Oskar Autio fiel aus dem Aufgebot. Christopher Kolarz stand zwischen den Pfosten – und auf der Rosenheimer Bank nahm Louis Müller Platz. Der wurde kurzfristig einberufen, nachdem sich Anton Röckl beim Aufwärmen verletzt hatte. „Irgendwas in der Leistengegend“, vermutete der Starbulls-Coach.
Das sagen die Trainer: Jari Pasanen, Starbulls Rosenheim: „Im ersten Drittel haben wir richtig gut gespielt, jeder Spieler war voll da und wir alles umgesetzt, was wir machen wollten. Im zweiten Drittel war dann eine andere Mannschaft im grünen Trikot auf dem Eis. Aber wir haben das Spiel gewonnen und es ist Weihnachten, deshalb werde ich jetzt nichts dazu sagen. Im zweiten Drittel hat uns Chris Kolarz den Arsch gerettet.“
Jussi Tuores: „Das erste Drittel war katastrophal, im zweiten Drittel war es gut, das letzte Drittel war wieder richtig schlecht.“
Die Spielstatistik: Starbulls Rosenheim – Eispiraten Crimmitschau 4:3 (2:0, 0:2, 2:1). Starbulls: Kolarz (Müller) – Hanna, Tiffels; Adam, Vollmayer; Van der Linde, Keussen; Stein – Zwickl, Stretch, Järveläinen; Feser, Sarault, Pulkkinen;Dietz, Calce, Taupert; Beck, Kolb, Musin.
Tore: 1:0 (8.) Zwickl/Stretch, Tiffels, 2:0 (9.) Feser/Sarault, Pulkkinen, 2:1 (21.) Brune/Wruck, 2:2 (32.) Veber, 3:2 (45.) Kolb, 4:2 (45.) Feser/Pulkkinen, 4:3 (54.) Thomas/Shevyrin.
Schiedsrichter: Voit und Kapzan; Strafminuten: Rosenheim 8, Crimmitschau 16; Zuschauer: 4064.
Das nächste Spiel: Am zweiten Weihnachtsfeiertag gastieren die Starbulls beim Spitzenreiter in Krefeld, zwei Tage später geht es nach Bietigheim. Das letzte Spiel des Jahres ist dann wieder daheim, am 30. Dezember kommt Regensburg ins Rofa-Stadion.