Auf dem Hosenboden eingenetzt: Armin Parstorfer (Nummer 16) trifft zum 2:0 gegen Rimsting.Foto Franz Ruprecht
Rosenheim – Armin Parstorfer lässt einen gegnerischen Verteidiger mit einem Haken ins Leere laufen, verliert dann den Ball, holt sich das Spielgerät mit großem Einsatz wieder zurück, gerät ins Straucheln, bringt die Kugel im Fallen noch aufs Tor und trifft ins Netz. Gelte es, ein typisches Parstorfer-Tor zu beschreiben, dann wäre das 2:0 für den SV-DJK Kolbermoor im Zwischenrunden-Spiel des Sparkassenpokals gegen den TSV Rimsting fast so ein Prototyp. „Uneingeschränkt ja“, lacht Parstorfer, von der OVB-Sportredaktion darauf angesprochen, hinterher. „Das hat früher auch viele zur Verzweiflung gebracht, wenn ich mal wieder ins Stolpern gekommen bin. Aber man darf nie aufgeben. Es ärgert mich einfach, wenn ich den Ball verliere. Und dann setze ich umso mehr nach und bekomme oft noch den Nachschuss.“
Wohlgemerkt: Armin Parstorfer erklärt seinen Treffer im Sparkassenpokal-Turnier 2025. Es hätte aber auch einer von Anfang der 1990er-Jahre sein können. Denn auch da hat er schon getroffen, und zwar in ähnlicher Manier. Damals war er noch ein Jungspund, jetzt ist der Offensivspieler 54 Jahre alt – und immer noch dabei. Besser gesagt: Wieder dabei. Denn Parstorfer steht ursprünglich nicht mehr im Kader des Kreisklassisten und hat unter dem Hallendach auch in der Vorrunde nicht mitgespielt. Dann fielen Spieler aus, „und dann haben sie mich gefragt“. Der einstige Bayernliga-Stürmer musste nicht lange überlegen. „Ich freue mich riesig, dass ich seit Jahren mal wieder auf dem Parkettboden spielen darf. Für mich ist der Sparkassenpokal etwas ganz Besonderes, das war er eigentlich schon immer.“ Und dann sagt Parstorfer etwas, was vor allem Spieler seiner Generation noch fühlen: „Er hat nichts von seinem Zauber verloren.“
Was ist denn für ihn „der Zauber“? „Das ist hier der Kleine gegen den Großen. In der Halle ist vieles möglich, und es hat ja immer wieder Überraschungen gegeben. Das macht es ja so faszinierend.“ Parstorfer selbst durfte beides erleben. Er war lange bei 1860 Rosenheim, also bei den „Großen“. Und später auch beim SV-DJK Kolbermoor, in diesem Fall den „Kleinen“. Für beide Vereine habe er „mit dem Herzen gespielt, das sind beides meine Heimatvereine“, sagt er. Der Stürmer liefert den Vergleich von David gegen Goliath. „Als ,Großer‘ bist du in der Pflicht. Du musst gewinnen, das ist die Vorgabe. Zugleich musst du aber auch bescheiden auftreten. Und wenn du mal verlierst, dann ist die Halle am Toben und jeder hilft zum Außenseiter. Und auch die ,Kleinen‘ haben ein paar Zocker drin. Das macht dann den Reiz aus.“
Mehrmals hat Parstorfer den Sparkassenpokal mit den Sechzigern gewonnen. „Damals haben wir mit Andi Schunko einen hervorragenden Feldspieler zum Torwart umfunktioniert. Der durfte damals noch über die Mittellinie und wir haben ein paar Mal hintereinander gewonnen“, erzählt er. Schon damals lockte der Bewerb die Zuschauer, gespielt wurde noch in der Luitpoldhalle. Und auch jetzt strömen die Besucher in die Gabor-Halle, wenn der Sparkassenpokal angesagt ist. Für Parstorfer verständlich: „Das Turnier hat einfach ganz besonderes Flair. Die ganze Region schaut drauf, die Halle ist voll – und dann kommt auch noch die Historie dazu! Es ist einfach geil, wenn du da als Fußballer auflaufen kannst.“
Auch deshalb hatte der 54-Jährige so eine große Freude bei seinen Einsätzen. Auch wenn er sich das vorher schon genau überlegt hatte: „Als Junger bist du einfach nur geil, da mitzuspielen. Wenn es jetzt nicht hinhaut, dann sagen die Leute vielleicht: ,Was will der alte Depp?‘ Da kommt man schon ins Überlegen.“ Was dann aber überwogen hat: „Die Begeisterung und Faszination, dass ich da noch einmal auf dem Parkett stehen darf, war so groß.“
Wobei Parstorfer sein Spiel ein bisschen angepasst hat. „Überraschenderweise bin ich von mir aus selbst öfters zum Wechseln rausgelaufen“, lacht der Offensivspieler. Und meint dann: „Ich bin seit zehn Jahren in der Funktion als Jugendtrainer, da sieht man das Spiel schon ein bisschen anders. Man lernt dazu, ich bin vielleicht auch nicht mehr so eigensinnig.“ Stimmt, denn zu den beiden Kolbermoorer Siegen in der Zwischenrunde steuerte Parstorfer nicht nur einen Treffer bei, sondern lieferte bei den entscheidenden Toren auch die Vorarbeit. „Früher hätte ich selbst geschossen, aber heute schaue ich, dass ich den Ball festmache und noch einmal querlege – das war dann ein sicheres Tor.“
Und als die Kolbermoorer Mannschaft in einem Spiel zweimal Zwei-Minuten-Zeitstrafen kassierte und in Unterzahl agieren musste, ließ es sich der 54-Jährige nicht nehmen, die eigene Defensive zu organisieren. „Die Jungs sind mir da noch zu übermütig“, stellt er fest – und fügt mit Stolz an: „Wir haben in Unterzahl kein Gegentor bekommen.“ Das Stürmerblut kann er aber nicht von sich weisen. „Obwohl ich ein bisschen von hinten rausspielen wollte, ist der Drang nach vorne immer noch groß. Schließlich bin ich ja ein gelernter Stürmer. Und deshalb freut es mich auch, wenn ich noch einen ausspielen kann.“ Die berühmt-berüchtigten Haken…
Mit 54 Jahren hat sich Armin Parstorfer noch einmal in der Sparkassenpokal-Geschichte verewigt. Als Torschütze, aber auch als großer Liebhaber und Verfechter des traditionsreichen Kicks unter dem Hallendach. Ob er im Dezember 2026, dann mit 55 Lenzen, noch einmal antritt. „Das kommt darauf an, wie viele Leute sie haben“, schmunzelt Parstorfer. Er sieht es noch als ein kleines Ziel, „mit meinen Jungs gemeinsam auf dem Parkett zu stehen.“ Wenn Kolbermoor dann noch einmal personelle Sorgen hat, „dann werde ich sicherlich nicht ,Nein‘ sagen und mich wieder riesig freuen.“