Rosenheim – „In der Halle ergeben sich die meisten Wunder“, meint Yasin Temel lachend. Der Trainer von Türk Spor Rosenheim erklärt damit aber nicht den starken vierten Platz des Kreisklassisten beim Hallenfußball-Sparkassenpokal in Rosenheim. Nein, er bezieht sich auf die vermehrten Einsätze von Feldspieler Ömer Türk im Tor der Rosenheimer. Der spielfreudige Mittelfeldakteur musste sich gleich mehrfach die Handschuhe anziehen.
Das lag zum einen daran, dass sich in der Zwischenrunde Ahmet Yüksel schwer verletzte und Türk sein Team in der Schlussphase der letzten Partie gut durchs Turnier brachte. In der Finalrunde war es dann noch zweimal soweit, weil Goalie Talha Dommert in zwei Spielen auf die Strafbank musste. Beinahe wäre für Türk ein längerer Einsatz zwischen den Pfosten nötig gewesen, aber Dommert erwies sich als wahre Kämpfernatur. Es ist letztlich eine Geschichte über Teamgeist, Leidenschaft und Verantwortungsbewusstsein, die der junge Torhüter da an den Tag gelegt hat – eine Geschichte mit Vorbildcharakter.
Das hat schon allein damit begonnen, dass Dommert seinen Urlaub früher abgebrochen hatte, um an der Endrunde des Sparkassenpokals mitzuwirken. Wegen eines möglichen Studiums im Laufe des Jahres hatte sich der Türk-Spor-Torhüter nämlich in Aachen umgeschaut. „Dann ist der Kader in die Teamgruppe gestellt worden und ich habe meinen Namen gesehen“, erzählt Dommert, der sofort umdisponierte. Die eigentliche Rückkehr nach Rosenheim war nämlich für Freitag, 19 Uhr, geplant, das erste Spiel auf dem Hallenboden allerdings schon für 18 Uhr angesetzt. Dommert wechselte die Zugverbindung und kam in der Nacht auf Freitag um 0.37 Uhr mit dem Zug in Rosenheim an – erstes Problem gelöst!
„Wir haben uns abgesprochen. Die erste Runde fängt er, wenn wir weiterkommen, dann hält der andere Torhüter. Und falls wir ins Finale kommen, dann entscheide ich nach Bauchgefühl“, erzählt Trainer Temel, der dazu aber auch verrät: „Es war nicht nur wegen der Verletzung, er hätte auch so gefangen.“ Die Leistung des jungen Schlussmannes hatte den Ausschlag gegeben. „Er ist ein sehr engagierter Torhüter, ist jedes Training da. Und er hat Potenzial, muss aber jetzt auch dranbleiben.“ Anlass zu Sorge besteht in dieser Hinsicht allerdings nicht.
Das Finalturnier war für Dommert dann alles andere als einfach. „Ich war sehr nervös, habe noch nie vor so vielen Zuschauern gespielt. Dann haben unsere Fans auch noch meinen Namen gerufen, das hat mich noch nervöser gemacht“, meint der Keeper ehrlich. Dennoch: Im ersten Spiel gab es gleich einen Sieg. Die zweite Begegnung endete für Dommert dann nicht so toll: Türk Spor behauptete sich gegen Titelverteidiger TSV Kastl, als er den Ball nicht gut genug klärte und dann „abgeschossen“ wurde. „Der Gegner war vor mir, ich war außerhalb des Strafraums, dann schießt er, ich drehe den Kopf weg und bekomme den Ball auf den Kopf“, schildert er. Als er sich wieder aufrappelte und zurück in sein Tor marschierte, drehte er sich noch einmal um – „und dann sehe ich die zwei Finger vom Schiedsrichter.“ Zeitstrafe!
Ömer Türk spielte den Aushilfstorhüter, in der Schlussphase ging Dommert wieder rein – das Drama war allerdings noch nicht vorbei. „Nach dem Spiel habe ich gemerkt, dass er noch ein bisschen benommen ist. Wir haben dann sicherheitshalber die Sanitäter hinzugenommen, dass die noch einen Check machen. Als die dann ihr Okay gegeben haben, haben wir ihm die Entscheidung überlassen“, erzählt Temel. Für Dommert war klar, dass er weiterspielt: „Ich wollte weitermachen. Erstens fürs Team, zweitens macht mir Fußball halt einfach Spaß.“ Ins Risiko ist er nicht gegangen. „Die Sanitäter haben alles gecheckt, das war gut. Ich bin dann an die frische Luft, dann ist es schon wieder gegangen.“
Und so stand Dommert auch im Halbfinale im Tor, das Türk Spor dann knapp gegen den SV Ostermünchen verlor. Wieder mit einer Zeitstrafe für den jungen Keeper, weil er knapp außerhalb des Strafraums die Hand zu Hilfe nahm. Vom Trainer gab es dafür keinen Vorwurf: „Als junger Kerl vor so vielen Zuschauern in dieser Atmosphäre zu spielen, ist nicht so leicht, wie sich das viele vorstellen. Er hat’s super gemacht.“ Berechtigtes Lob für einen engagierten Auftritt.tn