Ruhpolding – Der gebürtige Füssener Michael Greis, der für den SK Nesselwang startete, hatte im Einzelbewerb über 20 Kilometer sowie im Massenstart über 15 Kilometer die Nase vorne. Krönender Schlusspunkt war dann noch der Erfolg mit der deutschen Staffel mit den Teamkollegen Ricco Groß, Michael Rösch und Sven Fischer – dieses Quartett trifft sich anlässlich dieses Jubiläums übrigens im Chiemgau wieder und wird noch einmal gemeinsam den Olympiasieg Revue passieren lassen.
Der heute 49-Jährige, der auch bei Weltmeisterschaften zwölf Medaillen – darunter drei goldene – gewonnen und 2007 die große Kristallkugel für den Sieg im Gesamtweltcup errungen hat, kann seine besondere Beziehung zu Ruhpolding nicht von der Hand weisen. Jahrelang trainierte er in der Chiemgau Arena unter Fritz Fischer, 2012 errang er dort auch seine letzte WM-Medaille – es war Bronze mit der Staffel. Im Gespräch mit der OVB-Sportredaktion erinnert sich Greis auch noch daran, dass er in Ruhpolding zum ersten Mal auf ein Weltcup-Stockerl geklettert ist. Er verrät zudem, wo sich seine Goldmedaillen befinden, und bekennt sich klar zu Olympischen Spielen in Deutschland.
Ihr Gold-Triple von den Olympischen Spielen feiert Jubiläum!
Ja, unglaublich. Man kann es kaum glauben, aber es ist doch schon 20 Jahre her – da sieht man einfach, wie die Zeit vergeht! Es war natürlich ein grandioser Moment für uns alle da in Turin und für mich persönlich natürlich. So erfolgreich waren wir nie wieder. Es ist einfach super, wenn man mit einem lächelnden Auge zurückschauen kann.
Wie oft werden Sie noch darauf angesprochen?
Letztendlich ist es schon so, dass ich immer darüber definiert werde. Wenn ich vorgestellt werde, dann immer als dreifacher Olympiasieger. Die Weltmeisterschaften kommen dann hinterher, das zeigt auch den Stellenwert von Olympia. Ich bin sehr glücklich, dass Olympia bei uns jetzt wieder anders wahrgenommen wird, dass es auch wichtig ist, eine Leistungsgesellschaft zu haben und das auch so zu transportieren.
Wie oft schauen Sie auf die Medaillen?
Ich habe sie ab und zu mal bei ein paar Veranstaltungen mitgenommen, weil das gerade für Kinder interessant ist. Sonst schaue ich sie mir nicht so oft an, ich habe da keinen Schrein (lacht). Ich habe sie auch verteilt: Eine ist hier in Ruhpolding, eine in München, eine in Nesselwang.
Die Olympischen Spiele waren damals in Turin. Zuletzt waren sie ja zweimal in Asien und jetzt wieder in Italien. Wie schön ist es, die Spiele wieder in Europa zu erleben?
Super! Aus Biathlon-Sicht ist es toll, dass die Bewerbe in Antholz sind. Was verbinden wir mit Südtirol? Schönes Wetter, gute Atmosphäre und einen Biathlon-Standort, an dem auch keine Zufälle passieren. Das betrifft ja letztendlich die anderen Standorte, sei es Bormio oder Cortina bei den Skisportlern. Das finde ich vom Konzept her gut. Vor allem ist es auch für Fans oder Verwandte einfacher, sich das anzuschauen. Ich glaube, jetzt kommen wir dem Ganzen wieder näher, was Sport und Olympische Spiele sein sollten.
Das geht ja auch so weiter: 2030 sind die Spiele in den französischen Alpen.
Ja, genau. Man muss natürlich immer aufpassen, wem die Olympischen Spiele dienen und wie hoch der Kommerzfaktor ist. Aber mit solchen Highlights schafft man Begeisterung.
Bei Ihnen ist ein klares Ja für Olympische Spiele in Deutschland heraus zu hören!
Auf alle Fälle, da bin ich voller Befürworter! Die Spiele bringen aber nur dann etwas, wenn man was für den Nachwuchs macht und da die Entwicklung anschiebt. Ich habe öfters schon gehört, dass man die Spiele als Impuls braucht, damit unten etwas passiert. Aber ich finde eigentlich, dass zunächst auch der Impuls von unten kommen muss.
Sie haben zuvor die Leistungsgesellschaft angesprochen. Sollte das letztlich der Impuls sein?
Ich bin jetzt nicht genau in der Schulthematik drin, aber es heißt ja immer, dass der Schulsport als erstes ausfällt. Wie sind die Kinder dann bereit, Sport zu machen? Ich kenne das bei meinen Neffen und Nichten, die mögen Sport, die sind an der frischen Luft. Aber manche anderen Sachen sind halt auch interessant. Da muss man die Kids anders aktivieren, und dann schafft man eine Leistungsbereitschaft. Die braucht man auch zukünftig im Leben. Und das lernt man durch den Sport kennen.
Sie waren als Trainer in der Schweiz, den USA und Polen aktiv. Was ist denn heute Ihre Hauptaufgabe?
Meine Hauptaufgabe ist aktuell hier zu sein und eine gute Zeit zu haben (lacht). Und nach dem Philipp (Nawrath, Anm. d. Red.) zu schauen. Aktuell mache ich da das Management. 2025 habe ich mich ein bisschen rausgenommen, aber Richtung Frühjahr greife ich noch mal an.
Philipp Nawrath hat ja die Olympia-Quali schon. Was ist für die deutsche Mannschaft heuer drin?
Also, die Olympia-Quali sollte das kleinste Problem sein. Der deutsche Biathlet sollte das eigentlich im Dezember abgehakt haben. Ich glaube, dass das Team Potenzial hat. Man muss jetzt schauen, dass man im Hinblick auf die Spiele die richtigen Schritte macht. Man weiß, dass die Norweger und die Franzosen enorm stark sind, das muss man so akzeptieren. Aber man muss auf den Moment hinarbeiten, dass man da ist, wenn die Schwächen zeigen. Das traue ich dem ein oder anderen im deutschen Team zu.
Sie haben gesagt, dass die Qualifikation im Dezember durch sein sollte. Jetzt ist es ja gerade nicht so. Welchen Vorteil kann da ein Heimrennen geben?
Man kennt die Anlage, man kennt die Typen, man weiß das Streckenprofil. Da ist man daheim, und das will man dann auch zeigen. Da kann man schon noch etwas herausholen.
Was ist denn Ihre schönste Erinnerung an Ruhpolding?
Das war mein erstes Mal hier im Weltcup. Da bin ich in einem Harakiri-Rennen Zweiter geworden. Viel zu riskant im Schießstand, ich habe aber alles getroffen und auf der Schlussrunde sind mir die Körner ein bisschen eingegangen, aber ich habe mich irgendwie gerettet. Das war dann auch mein Ticket zu den Olympischen Spielen nach Salt Lake City.