Ruhpolding – „Samba in Mettmann“ heißt eine deutsche Filmkomödie mit Hape Kerkeling in der Hauptrolle. Die war von 2004. Im Jahr 2026 heißt es: „Samba im Chiemgau“. In der Hauptrolle hier: Gaia Brunello. Die 23-Jährige ist beim Biathlon-Weltcup in Ruhpolding für Brasilien an den Start gegangen.
Es ist nicht das erste Mal, dass die Fahne des größten südamerikanischen Staates in der Chiemgau Arena vertreten war. Jaqueline Mourão war 2012 bei den Weltmeisterschaften in Ruhpolding vertreten. Im Einzel belegte sie den 88. Rang, im Sprint wurde es damals der 108. Platz. Bei den olympischen Winterspielen 2014 und 2022 fungierte die heute 50-Jährige als Fahnenträgerin der brasilianischen Delegation.
Die Olympischen Spiele sind auch der große Traum von Gaia Brunello, zumal sie nun unweit ihrer Heimat ausgetragen werden. Mailand und Cortina ist nicht so weit weg von daheim, Antholz, wo die Biathlon-Wettkämpfe ausgetragen werden, erst recht nicht. Denn Brunello stammt aus Südtirol, war über viele Jahre im Skiclub Gröden engagiert. „Im Alter von acht Jahren habe ich mit dem Langlaufen angefangen und zwei Jahre später zum Biathlon gewechselt. Es war wie Liebe auf den ersten Blick. Jeden Tag verliebe ich mich mehr in diesen fantastischen, aber doch noch anstrengenden Sport“, erklärte die 23-Jährige einst. Und sie setzte sich dort auch Ziele: „Schon als Kind habe ich davon geträumt, eines Tages an den Olympischen Spielen teilnehmen zu können. Ich trainiere Tag für Tag und sehe, dass dieser Traum immer näher rückt. Und ich bin mir sicher, dass es auch einen Platz für mich bei den Olympischen Spielen geben wird, wenn ich weiterhin entschlossen und konstant bin.“
Das mit der Entschlossenheit passt. Denn sie hat einen großen Schritt dafür gewagt: Brunello hat den Verband gewechselt und startet nur für das Heimatland ihrer Mutter: Brasilien. „Dank Brasilien habe ich die Möglichkeit, meinen Traum wahr werden zu lassen. Das ist unglaublich und schätze ich voll. Der Verband dort unterstützt mich. Wir sind mehrere Athleten und helfen uns untereinander wie eine Familie“, erzählt die junge Sportlerin. Klar ist, dass das Team in Europa lebt, um dort zu trainieren. „Dafür ist es in Brasilien viel zu warm. Und geschossen wird dort nur mit Lasergewehren“, erzählt sie. Brunello kann also trotz des Nationenwechsels in ihrer Heimat bleiben, um sich auf die Wettbewerbe vorzubereiten.
Die sympathische Sportlerin befindet sich in der zweiten Saison im IBU-Cup, in der vergangenen Saison startete sie zudem bei der Weltmeisterschaft in Lenzerheide und feierte ihr Weltcup-Debüt in Oslo. Der Start beim Sprint in Ruhpolding war ihr erster Weltcup-Einsatz im laufenden Winter. „Ich habe schon gehört, dass es da wahnsinnig aufgeht, jetzt habe ich endlich den Beweis“, meinte sie hinterher, „jeder hat mich auf der Strecke angefeuert, das ist voll schön“. Und in tiefstem südtirolerisch fügt sie an, dass es „total bärig“ gewesen sei, dort zu laufen.
Da schaut man gerne darüber hinweg, dass sie Letzte wurde. Zuvor hatte sie mit einer Erkrankung und Fußproblemen zu kämpfen. „Langsam geht‘s bergauf. Aber ich bin noch lange nicht da, wo ich sein möchte.“ Schließlich geht es ja darum, Punkte zu sammeln, um sich den olympischen Traum zu erfüllen. Das geht auch über den IBU-Cup. Brunello versucht alles, vergisst aber auch den Spaß nicht. So wie bei der Eröffnungsfeier, als sie mit ihrem Trainer eine Samba-Einlage hinlegte. „Wir mussten uns doch etwas einfallen lassen, wenn Brasilien schon da ist“, sagt sie – und lacht: „Ich glaube, es ist ganz gut angekommen.“tn