Freiluftspiel bei minus 25 Grad

von Redaktion

Der Rosenheimer Elias Schneider hat sich in der kanadischen Nachwuchs-Eishockeyliga etabliert

Rosenheim/Shawinigan – Zwischendurch ein bisschen Deutsch hat Elias Schneider sicherlich sehr gutgetan. Der 18-jährige Eishockeyspieler aus Rosenheim war Teil der deutschen Junioren-Nationalmannschaft, die bei der Weltmeisterschaft in Nordamerika den Klassenerhalt errungen hat. Das Viertelfinale wäre für die deutsche U20 drin gewesen, nachdem in der Vorrundengruppe aber nur der letzte Platz heraussprang, musste man im entscheidenden Spiel gegen Dänemark gewinnen, um auch im nächsten Jahr unter den weltbesten Nationen zu sein – dies gelang mit einem verdienten Erfolg.

Davor und danach hat sich der Angreifer, der im Nachwuchs der Starbulls Rosenheim groß geworden ist und dann bei den Eisbären Berlin seine ersten Einsätze in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) feiern durfte, in der kanadischen Juniorenliga etabliert. Im Sommer war er zu den Shawinigan Cataractes gewechselt und zeigt dort sportlich auf. Der 18-Jährige ist mit aktuell zwölf Toren und 16 Vorlagen sowie einer Plus-/Minus-Bilanz von plus neun Sechster der internen Scorerliste. Drei der fünf Spieler vor ihm sind mindestens einen Jahrgang älter. In der Liga befinden sich die Cataractes auf dem vierten Rang in der West-Division, der Tabellenführer hat aber lediglich drei Zähler mehr aufzuweisen. „Die Liga ist sehr stark. Es wird ein qualitativ sehr gutes und schnelles Eishockey gespielt“, erzählt Papa Andreas Schneider, der im Dezember in Shawinigan zu Besuch war. Das Fazit des früheren Profispielers: „Hier kann man sich als Spieler optimal entwickeln.“ Der Junior hat dort auch seine ersten „Winter Classics“ in Trois-Riviers in der kanadischen Provinz Quebec bestritten. Das erste Freiluftspiel gegen Drummondville war übrigens bei minus 25 Grad.

Schneider wohnt bei der Familie von Mitspieler Cole Chandler, der schon vom NHL-Club Boston Bruins – Trainer dort ist der ehemalige deutsche Nationalcoach Marco Sturm – gedraftet wurde. „Sie wohnen etwas außerhalb von Shawinigan, wo die Häuser teilweise kilometerweit auseinanderliegen, umgeben von Wäldern und Wiesen“, erzählt Papa Schneider. Familie Chandler besteht aus Mutter Margeaux, Vater Jean-Francois und den beiden Söhnen Cole und Zac. Zur Familie gehören aber auch die Hunde Gipsy und Everest, Katze Mira und zwei Pferde.

„Für Elias hat die Familie ihr Fernseh- und Playstation-Zimmer freigemacht und ihm damit sein eigenes Reich verschafft“, berichtet Andi Schneider. Nach dem Frühstück nimmt der junge Eishockeycrack online am Schulunterricht teil. Das kann er vom Stadion aus machen oder der Highschool, in der es extra einen Raum dafür gibt. Nach dem Mittagessen geht er oft zu Hause spazieren oder kümmert sich um die Tiere. Das Eisstadion ist nur zehn Minuten vom Wohnort entfernt, dort finden die Athletikeinheiten und das Eistraining mit der Mannschaft statt. Abends wird gemeinsam mit der Gastfamilie gegessen, „danach verbringt er oft Zeit mit Cole und Zac und es ist noch Zeit, um mit Freunden zu zocken oder der Familie zu telefonieren“, erzählt Papa Schneider.

Er sagt: „Elias hat sich mittlerweile gut eingelebt und fühlt sich wohl.“ Der Papa weiß aber auch, dass das Wiedersehen mit der deutschen U20 für den jungen Angreifer wichtig war. Er hat Stürmer Maxim Schäfer getroffen, mit dem er bei den Eisbären gespielt hat, und Verteidiger Moritz Kretzschmar, bei dessen Familie er in Berlin zwei Jahre lang gelebt hat. Ein bisschen Deutsch für die Seele.

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