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von Redaktion

SERIE „Legenden der Ringe“ – die größten Wintersport-Olympioniken aus der Region – Teil 1: Die Plätze 50 bis 41

Rosenheim – Die Olympischen Winterspiele in Mailand und Cortina, die am Samstag, 6. Februar, starten, sind die 25. in der Geschichte. Viermal wurden die Bewerbe bislang in Asien ausgetragen, sechsmal in Nordamerika. Die kommenden Spiele sind die dritten in Italien. Deutschland war bislang nur einmal Ausrichter, das war 1936 in Garmisch-Partenkirchen. Dafür liegt Schwarz-Rot-Gold im „ewigen Medaillenspiegel“ ganz vorne. Insgesamt sammelten deutsche Athleten bislang 435 Medaillen, 162-mal gab es Gold.

Einige davon gingen auch in die Region. Insgesamt 59 Sportler aus den Landkreisen Rosenheim, Mühldorf, Altötting, Traunstein und Berchtesgadener Land holten sich Edelmetall, 22 davon dürfen sich Olympiasieger nennen – manche sogar mehrfach. Grund genug, um zu fragen: Wer sind die größten Winter-Olympioniken in der Region?

Die OVB-Sportredaktion hat eine Jury gebildet und eine Rangliste erstellt. Drei Generationen an Journalisten haben daran mitgewirkt: Der langjährige OVB-Sportchef Hans-Jürgen Ziegler, sein Nachfolger Thomas Neumeier und Tobias Ruf, Wintersport-Experte der Online-Portale im OVB-Medienhaus. Sie haben sich mit den Wintersportlern aus der Region auseinandergesetzt und die „Besten der Besten“ ermittelt. Dabei waren sie oftmals schnell einer Meinung, einige Male gingen die Präferenzen auch auseinander. Herausgekommen ist aber nun eine Rangliste, mit der die OVB-Jury sehr zufrieden ist.

Eines war die Grundvoraussetzung: Die Sportler mussten entweder in der Region das Licht der Welt erblickt haben, die ersten Schritte im Nachwuchs hier gemacht haben oder zur Zeit des olympischen Auftritts einem hiesigen Verein angehört haben. Das ist dann auch der Grund, warum Hilde Gerg, alpine Ski-Olympiasiegerin von 1998, oder Simon Schempp, Silbermedaillengewinner im Biathlon von 2018, nicht in die Wertung kamen. Sie leben zwar nun in der Region, sind aber außerhalb aufgewachsen und haben stets ihren Heimatvereinen – im Falle von Gerg der SC Lenggries oder bei Schempp die SZ Uhingen – angehört.

Und so wurde gewertet: Zunächst einigte man sich auf eine Top Ten der besten Olympioniken aus der Region. Aus diesen zehn Sportlern wurde das Stockerl mit den besten drei ermittelt, danach mit einer Punktewertung auch die folgenden Platzierungen. Bei den Rängen elf bis 50 gab es dann ebenfalls eine Punktewertung. Einige Sportler aus dieser Rangliste gehen übrigens auch bei den kommenden Spielen in Norditalien auf Medaillenjagd. Die OVB-Sportredaktion wird diese 50 Sportler in den nächsten Tagen in einer Serie vorstellen – die Medaillenplätze werden kurz vor den 25. Olympischen Spielen verkündet. Hier im ersten Teil die Ränge 50 bis 41:

50. Platz: Anke Wöhrer. Die Snowboarderin, geboren in Berchtesgaden als Anke Karstens, hat an zwei Olympischen Winterspielen teilgenommen: 2010 in Vancouver und 2014 in Sotchi. Nach dem fünften Rang im Parallel-Riesenslalom in Kanada legte Wöhrer (40), die für den WSV Bischofswiesen und später für den SC Prien aktiv war, vier Jahre später in Russland noch einmal zu und sicherte sich die Silbermedaille in Parallelslalom.

49. Platz: Walter Pichler. Der Biathlet nahm 1984 bei den Spielen in Sarajevo teil – und kam mit der Bronzemedaille zurück. Pichler (66) gehörte der westdeutschen Staffel an, die rein aus Athleten aus dem Chiemgau bestand. Der gebürtige Bad Reichenhaller entstammt einer Sportlerfamilie, sein Cousin Wolfgang Pichler gehört mittlerweile zu den Legenden des Biathlonsports. Walter Pichler war nach seiner Karriere als Trainer aktiv, unter anderem in den USA und Großbritannien.

48. Platz: Ernst Reiter. Mit zwei Medaillen ist der gebürtige Traunsteiner dekoriert. Reiter (63) hat an den Olympischen Spielen 1984 und 1988 teilgenommen – und in beiden Staffelbewerben Edelmetall gewonnen. In Sarajevo gab es die Bronzemedaille, in Calgary holte das westdeutsche Quartett sogar Silber. Nach seiner Karriere widmete sich Reiter, der dem SC Eisenärzt angehörte, dem Golfsport und arbeitet als PGA-Golfprofessional.

47. Platz: Anja Huber-Selbach. Die jetzt 43-Jährige hatte zunächst mit dem Rennrodeln begonnen und dann die Sportart gewechselt. Im Skeleton schaffte die in Berchtesgaden geborene Sportlerin dann den großen Durchbruch. Zwei Titel bei Weltmeisterschaften, viermal Gold bei europäischen Titelkämpfen untermauern dies. Hinzu kommen drei Teilnahmen an Olympischen Spielen: 2006 und 2014 wurde die für den RC Berchtesgaden startende Sportlerin jeweils Achte, 2010 gab es die Bronzemedaille. Es war eine der ersten deutschen Olympia-Medaillen in dieser Sportart.

46. Platz: Ramona Hofmeister. In wenigen Tagen bestreitet die 29-Jährige ihre dritten Olympischen Spiele. Die Snowboarderin vom WSV Bischofswiesen ist auch dann wieder eine Medaillenanwärterin. Bei ihrer Olympia-Premiere gewann die in Bischofswiesen geborene Hofmeister gleich mal Bronze im Parallel-Riesenslalom. 2022 belegte sie den fünften Rang. Den Gesamtweltcup dominierte sie zuletzt: In den letzten sechs Jahren holte sich viermal den Gesamtsieg, zweimal wurde sie Zweite.

45. Platz: Christian Rasp. Wie so viele Anschieber im Bob, hat der 36-Jährige als Leichtathlet begonnen. In der U23 war er deutscher Meister über 100 und 200 Meter. Im Jahr 2015 wechselte er von der Tartanbahn in den Eiskanal und in den Bob von Johannes Lochner. Rasp, in Ochsenfurt geboren und danach für den WSV Königssee aktiv, wurde 2018 im Viererbob Achter und holte 2022 die Silbermedaille. Hinzu kam zweimal WM-Gold.

44. Platz: Christoph Hafer. Im Herbst hat der 33-Jährige seine Karriere beendet – er hört als Medaillengewinner auf. Der gebürtige Bad Aiblinger, der für den BC Bad Feilnbach startete, pilotierte gleich zwei Bobs bei den Olympischen Spielen 2022 in Peking. Im Vierer sprang der vierte Rang heraus, im Zweierbob mit Michael Sommer schaffte Hafer den Sprung aufs Stockerl und holte die Bronzemedaille.

43. Platz: Michael Neumayer. Der 47-Jährige leistete wertvollen Beitrag bei den Teambewerben im Skispringen. Der gebürtige Bad Reichenhaller, der für den SK Berchtesgaden an den Start ging, holte insgesamt drei WM-Medaillen mit der Mannschaft und durfte sich auch einmal olympisches Edelmetall umhängen. 2010 in Vancouver gab es die Silbermedaille. In den Einzelbewerben wurde er einmal Sechster und einmal Achter.

42. Platz: Franz Pfnür. 1908 in Au bei Berchtesgaden geboren, sorgte Pfnür für eine Premiere, als bei den Olympischen Spielen 1936 in Garmisch-Partenkirchen erstmals alpine Skibewerbe ausgetragen wurden. Pfnür siegte in Kombination, als er im Slalom den Rückstand aus der Abfahrt noch wettmachte und wurde damit der erste Olympiasieger im alpinen Skisport. Pfnür starb 1996 im Alter von 87 Jahren.

41. Platz: Herbert Höfl. Zwei Olympische Spiele erlebte der in München geborene Höfl als Aktiver. Der Eisschnellläufer vom DEC Frillensee Inzell startete 1964 in Innsbruck und 1968 in Grenoble. Beste Platzierung war dabei der elfte Rang. Noch wichtiger war Höfls weiteres Wirken als Bundestrainer von 1970 bis 1976, denn in seine Zeit fielen die Olympiasiege von Erhard Keller und Monika Pflug 1972. Nach seiner Trainerkarriere arbeitete der heute 84-Jährige als bekannter Sport-Marketingmanager.

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