Rosenheim – Vielleicht ist es ja ganz gut, dass am Freitag bereits das letzte Viertel der Punkterunde beginnt, denn bei den Eishockeyspielern der Starbulls Rosenheim zeigte sich zuletzt doch arg Sand im Getriebe, vor allem, was die offensive Durchschlagskraft betrifft.
In den ersten vier Partien nach dem Jahreswechsel konnten die diesbezüglichen Mängel noch durch eine überragende Defensivleistung kompensiert werden. Doch in drei der letzten fünf Spiele schaffte es der Gegner, zuvor lange Zeit kaum vorstellbar, mehr als zwei Tore gegen die Rosenheimer Torhüter zu erzielen, was am Freitag beim 1:6-Desaster, mit dem sich die Düsseldorfer für eine identische Heimniederlage zwei Monate zuvor revanchierten, mit deren sechs doch ziemlich eskalierte.
Besonders bitter war das Spiel für den Star der letzten Wochen, Christopher Kolarz, dessen fantastische Zahlen (Gegentorschnitt 1,73) und Fangquote (92,7 %) sich binnen 60 Minuten auf 2,03 beziehungsweise 91,47 verschlechterten. Zwei Tage später folgte dann eine weitere Revanche, diesmal für die Blue Devils Weiden, die ihre 0:5-Niederlage im ersten Rosenheimer Gastspiel mit ihrem ersten DEL2-Sieg gegen die Starbulls überhaupt kompensieren und damit drei wertvolle Punkte im Ringen um einen Pre-Playoff-Platz einfahren konnten. Damit sind die Freiburger Wölfe der einzige Gegner, der seit dem Wiederaufstieg der Starbulls keine einzige von elf Partien in regulärer Spielzeit gewinnen konnte.
Dabei scheint es schon fast ein Wunder, dass Platz drei nach wie vor fest in Rosenheimer Händen ist. Zwar braucht man noch oben wohl nicht mehr zu schielen, doch aufgrund der Siegesserien im Dezember beträgt das Polster auf die Verfolger auf den Rängen vier bis acht derzeit 13 bis 18 Zähler, auch weil vier dieser Verfolger (Ausnahme Regensburg) am Sonntag ebenfalls wieder einmal punktlos blieben.
Nur in einem einzigen der letzten elf Spiele (5:2 in Weißwasser) schossen die Starbulls mehr als drei Treffer, in drei der letzten fünf sogar nur einen einzigen. Und weil dies in Weiden natürlich nicht zum Sieg reichte, endete dort auch die Serie von vier Auswärtssiegen in Folge, eine Serie, die die bisher längste dieser Art, aufgestellt im Playoff 2011, als man nacheinander in Bietigheim, zweimal in Heilbronn und einmal in Ravensburg siegte, egalisierte. Dass es gegen Düsseldorf nicht einen weiteren gegnerischen Shutout wie vor einigen Wochen in Regensburg gab, dafür sorgte wieder einmal der neue „Torjäger“ Dominik Tiffels.
Hatte er vor einer Woche schon seine eigene Karriere-Bestleistung von vier Treffern egalisiert, setzte er mit Nummer fünf noch einen drauf, und da vier dieser Treffer im Rofa-Stadion fielen, haben nur drei seiner Teamkollegen – Jordan Taupert, C.J. Stretch und Lewis Zerter-Gossage –, die heimischen Fans in dieser Saison öfter zum Jubeln gebracht als der eigentliche „Defensiv-Verteidiger“.
Einer aus der Offensivverteidiger-Garde, Shane Hanna, beendete in Weiden mit dem einzigen Starbulls-Tor eine weitere torlose Phase von fast 93 Spielminuten, die zweitlängste in dieser Saison nach den 112 Minuten von Mitte November. Allein in den letzten sechs Partien gab es vier anhaltende Torflauten von 71, 41, 43 und nun 93 Minuten. Es war übrigens erst das zweite Null-Punkt-Wochenende der Saison. Das erste beinhaltete Anfang Oktober Niederlagen in Krefeld (1:3) und gegen Crimmitschau (1:2).
Viermal gab es bisher zwei Niederlagen in Folge. Völlig ungewohnt war es auch, dass die Starbulls von den sechs Dritteln der beiden Niederlagen kein einziges für sich entscheiden konnten. Wenig treffsicher erwiesen sie sich auch während der Phase, in denen sie meist gewannen, in den ersten beiden Dritteln eines Spieles. Die Zahlen sind verblüffend: In den Anfangsdritteln der letzten zwölf Begegnungen fiel kein oder nur ein einziges Rosenheimer Tor, in den Mitteldritteln der letzten fünf Spiele – nach der Vier-Tore-Explosion in Weißwasser – kein einziges! Im Schlussdrittel dagegen hatten sie in den neun Spielen vor Weiden nie mehr als ein Tor zugelassen. Und dass sie in der statistisch stärksten Drei-Minuten-Phase von der 56. bis zur 58. Minute (Saisonbilanz bisher 6:0 Tore) den Ausgleich nicht mehr schafften, lag auch daran, dass sie diese Phase am Sonntag überwiegend in Unterzahl bestreiten mussten. Und auch bei Fünf gegen Fünf klappte es diesmal nicht, übrigens erst zum vierten Mal in den bisherigen 39 Spielen.