Fünfter Platz: Eisschnelllauf-Olympiasieger Erhard Keller. Foto Imago Images
Siebter Platz: Die Olympiasieger Tobias Wendl (rechts) und Tobias Arlt im Rodel-Doppelsitzer.Foto Imago Images
Zehnter Platz: Evi Sachenbacher-Stehle, Olympiasiegerin im Skilanglauf. Foto Imago Images
Rosenheim – Ja, geht es denn noch besser? In der Rangliste der „50 besten Winter-Olympioniken“ aus der Region sind ja zuletzt schon wahre Meister ihres Sports aufgetaucht. Klangvolle Namen, hochrangig dekorierte Sportler, mehrfache Olympiasieger und Medaillengewinner. Und dabei waren das im vierten Teil der OVB-Serie „nur“ die Ränge elf bis 20. Und damit ist dann auch klar: Es geht noch besser!
Vor den 25. Olympischen Winterspielen in Mailand und Cortina führt Deutschland (natürlich mit den Erfolgen der DDR) den „ewigen Medaillenspiegel“ an. Insgesamt sammelten deutsche Athleten bislang 435 Medaillen, 162-mal gab es Gold. Unter den erfolgreichen Sportlern sind natürlich auch welche aus den Landkreisen Rosenheim, Mühldorf, Altötting, Traunstein und Berchtesgadener Land. 22 Athleten aus der Region dürfen sich bislang Olympiasieger nennen. Einige davon sind in der Rangliste unter den Top Ten vertreten. Aber wer sind die Größten unter den Großen aus der Heimat. Die Entscheidung naht…
Zehnter Platz: Evi Sachenbacher-Stehle. Die gebürtige Traunsteinerin erzielte ihre größten Erfolge in der Langlaufloipe. Bei Weltmeisterschaften erreichte sie einmal Gold, viermal Silber und einmal Bronze, bei Olympischen Spielen sprangen zwei Goldmedaillen und dreimal Silber heraus. Die Sportlerin vom WSV Reit im Winkl nahm 2002 erstmals bei den Spielen teil und brachte aus Salt Lake City je einmal Gold (mit der Staffel) und einmal Silber (im Freistil-Sprint) mit nach Hause. 2006 in Turin holte sie Silber mit der Staffel, 2010 in Vancouver folgten Gold im Teamsprint mit Claudia Nystad und erneut Silber mit der Staffel. Es folgte 2014 noch eine vierte Olympia-Teilnahme: Sachenbacher-Stehle (45) qualifizierte sich auch im Biathlon für die Spiele, obgleich sie erst zwei Jahre in diesem Sport unterwegs war. Eine positive Dopingprobe beendete dieses Kapitel und letztlich auch die Karriere vorzeitig.
Neunter Platz: Fritz Fischer. Eine der großen Biathlon-Legenden hat ihren Ursprung in Niederbayern, denn Fritz Fischer ist in Kelheim geboren. Der heute 69-Jährige kam dann aber schnell in den Chiemgau und dort dann auch irgendwann mal zum Biathlonsport. Dort feierte er 1980 in Lake Placid sein Olympia-Debüt mit dem 27. Platz im Sprint. Die drei weiteren Teilnahmen waren dann erfolgreicher, denn insgesamt hat er einen ganzen Medaillensatz zu Hause: Bronze 1984 in Sarajevo, Silber 1988 in Calgary und schließlich Gold 1992 in Albertville. Dass er alle drei Medaillen mit der Staffel errungen hat, ist kein Wunder, denn Fischer bestach durch seine Zuverlässigkeit. Der Sportler des SC Ruhpolding gewann auch sieben WM-Medaillen (zweimal Gold) und 1988 den Gesamtweltcup, unvergessen bleibt aber der erste Olympiasieg einer gesamtdeutschen Biathlon-Staffel 1992, als Schlussläufer Fischer die letzten Meter mit der Deutschland-Fahne über die Ziellinie lief. Nach seiner aktiven Karriere erlebte er als Trainer noch drei Olympische Spiele und durfte viele Erfolge seiner Schützlinge feiern.
Achter Platz: Andreas Wellinger. Der 30-Jährige bestreitet in Mailand und Cortina seine dritten Olympischen Winterspiele. Die beiden bisherigen Auftritte unter den fünf Ringen verliefen für Wellinger, der in Traunstein geboren ist, jeweils höchst erfolgreich. 2014 in Sotchi gewann der Skispringer die Goldmedaille mit der deutschen Mannschaft, 2018 in Pyeongchang gab es für ihn Gold von der Normalschanze. In Korea war der Sportler des SC Ruhpolding aus dem Feiern nicht mehr rausgekommen, denn im Einzelspringen von der Großschanze gewann er Silber, ebenso im Mannschaftswettbewerb. Der zweifache Weltmeister hatte im bisherigen Saisonverlauf noch seine Probleme, möglicherweise hilft aber das Olympia-Gefühl für einen neuen Triumph?
Siebter Platz: Tobias Wendl/Tobias Arlt. Der Doppelsitzer im Rodeln schickt sich in Italien an, zu den erfolgreichsten Winter-Olympioniken schlechthin vorzustoßen. Wendl (38) ist in Aachen geboren und startet für den RC Berchtesgaden, Arlt (38) erblickte in Berchtesgaden das Licht der Welt und startet für den WSV Königssee. Ihre sportliche Karriere ist von erfolgreichen Glanzlichtern gekrönt: Bei drei Olympischen Spielen holten Wendl/Arlt jeweils sechsmal Gold – je drei im Einzel und drei mit der Teamstaffel. Hinzu kommen 21 WM-Medaillen (zehn Titel) und 14-mal Edelmetall bei der WM (vier Titel) sowie sechs Siege im Gesamtweltcup. Auch in der laufenden Saison führen sie hier die Rangliste schon wieder an.
Sechster Platz: Christoph Langen. Geboren in Köln, aufgewachsen in Altötting: Christoph Langen hat es über Umwege zum Bob-Triumphator geschafft. Er startete nämlich als Leichtathlet und wurde dort im Nachwuchs bayerischer Meister im Hochsprung. Seine Karriere im Bob begann er als Anschieber, wo er unter dem großen Wolfgang Hoppe seinen ersten WM-Titel feierte. Nach einem Jahr als Pilot holte er sich 1992 in Albertville bereits Bronze im Zweier. Die großen Erfolge kamen später: 1998 in Nagano gewann Langen Gold im Vierer und Bronze im Zweier, 2002 in Salt Lake City folgte ein weiterer Olympiasieg im Zweier. Hinzu kamen acht Titel bei Weltmeisterschaften und sieben Erfolge bei europäischen Titelkämpfen. Bemerkenswert ist diese Bilanz vor allem, weil Langen in seiner aktiven Karriere auch zwei Achillessehnenrisse erlitt und jeweils erfolgreiche Comebacks startete. Der 63-Jährige war nach seiner Laufbahn sechs Jahre als Bundestrainer für deutsche Bob-Erfolge verantwortlich.
Fünfter Platz: Erhard Keller. Das Eisschnelllauf-Idol wurde in Günzburg geboren und wuchs zunächst in München auf – sportlich groß geworden ist Erhard Keller (81) aber in Inzell. Nicht umsonst lautete der Titel seiner Biographie: „74 Schritte zum Ziel. Inzell gab mir die Chance“. Die Karriere startete nämlich erst nach dem Umzug in den Chiemgau so richtig durch. Danach folgten die ersten deutschen Rekorde und Jahresbestleistungen und die erste WM-Medaille. 1967 stellte er über 500 Meter seinen ersten Weltrekord auf, ein Jahr später holte er bei den Spielen in Grenoble Gold auf dieser Strecke. Diesen Erfolg wiederholte er 1972 in Sapporo und war damit der erste deutsche Wintersportler, dem eine erfolgreiche Titelverteidigung bei Olympia gelang. Kurze Zeit später beendete er seine Laufbahn standesgemäß: Mit zwei Weltrekorden auf der Hausbahn in Inzell. Später arbeitete der promovierte Zahnarzt Keller als TV-Moderator, unter anderem aushilfsweise beim „Aktuellen Sportstudio“ im ZDF.
Vierter Platz: Anni Friesinger-Postma. Das Eisschnelllauf-Gen war Anni Friesinger in die Wiege gelegt worden: Schon Papa Georg als auch Mama Anna waren in diesem Sport aktiv. Die gebürtige Bad Reichenhallerin Anni Friesinger nahm an vier Olympischen Spielen teil – und brachte dabei stets Medaillen mit nach Hause. Die Sportlerin vom DEC Frillensee-Inzell gewann 1998 in Nagano Einzel-Bronze über 3.000 Meter und 2002 in Salt Lake City Einzel-Gold über 1.500 Meter sowie 2006 in Turin Einzel-Bronze über 1.000 Meter. Dazu kommen noch zwei weitere Olympiasiege im Teambewerb: 2006 und 2010 in Vancouver. Gerade Letzterer sorgte für Aufsehen, als die Inzellerin im Halbfinale stürzte und im Rutschen noch den Fuß so streckte, dass das Signal auf der Ziellinie auslöste und das deutsche Team hauchdünn ins Finale einzog. Die 49-Jährige hat zu den olympischen Erfolgen insgesamt 30 WM-Medaillen zu Buche stehen, darunter 16 goldene. Nach ihrer Sportkarriere arbeitete Friesinger-Postma immer wieder für TV-Produktionen, eröffnete eine Boutique für Kindermoden und fungiert als Markenbotschafterin für mehrere Organisationen.