Traunreut – Eine so junge Führungsmannschaft dürfte kaum ein Fußball-Kreis in Bayern haben. Der Rosenheimer Michael Baumann (40) lenkt den Kreis Inn/Salzach des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV) für weitere vier Jahre. Kreisspielleiter Chris Sofis (Seebruck) ist 44, Kreisjugendleiter Andreas Schulz (Emmerting) 39 und die Beauftragte für Frauen und Mädchen, Michaela Heinzlmeier-Meissl (Rott) gerade 29. Sie wurden auf dem Kreistag in Traunreut von den mehr als 200 Delegierten ebenso ohne Gegenstimme im Amt bestätigt wie der neue Kreis-Schiedsrichter-Obmann Ronny Schmidt. Der 38-Jährige aus Ebersberg war von den Unparteiischen zum Nachfolger von Sepp Kurzmeier (65, Ramerberg) auserkoren worden. Kurzmeier habe für den Wachwechsel „genau den richtigen Zeitpunkt“ gefunden, lobte Baumann. Den Kreisausschuss vervollständigen wie bisher der Sportgerichtsvorsitzende Johann Sickinger (48, Tacherting) und die Ehrenamtsbeauftragte Carmen-Jutta Gardill (62).
„Der Kreis steht auf soliden Beinen“, attestierte BFV-Präsident Christoph Kern den Funktionären. Bei Besuchen bei den Aushängeschildern wie den Regionalligisten TSV Buchbach und Wacker Burghausen oder beim Bayernligisten SV Erlbach „geht mir das Herz auf“, sagte Kern. Doch der gesellschaftliche Wandel gehe auch in Bayern am Amateurfußball nicht vorbei. „Wir brauchen mehr Spieler als vor 20 oder 25 Jahren“, sagte der Verbandschef. Viele seien nicht mehr bereit, jedes Wochenende gegen den Ball zu treten. Selbst in der Regionalliga sei ein Spiel ausgefallen, weil ein Drittel der Spieler zu einer Hochzeit in Montenegro gereist sei. Die Zahl der Spielgemeinschaften nehme auch deshalb zu. Die Zahl der Herrenmannschaften im Kreis Inn/Salzach ist – anders als in anderen Regionen – aber noch stabil.
„Bleibt’s entspannt am Spielfeldrand“ heißt eine der neuesten Kampagnen des BFV im Juniorenfußball – ein Appell vor allem an Eltern. „Wir mussten reagieren“, sagte Kern. „Wenn sich schon zwei Mütter bei einem E-Junioren-Spiel schlagen…“ Die nächste Herausforderung nach der Einführung des kindgerechten „Mini-Fußballs“ kommt auf Verband und Vereine mit der Ganztags-Schule zu. Sie sei Problem und Chance zugleich. „Der Fußball muss auf den Stundenplan der Nachmittagsbetreuung“, forderte der BFV-Chef. „Dann ist der Weg zu den Vereinen kurz.“ Vielen Vereinen fehlten aber die Trainer, die den Nachwuchs tagsüber betreuen könnten. Ohnehin brauche der Fußball mehr qualifizierte Trainer für die Kleinsten. Dank der finanziellen Unterstützung aller acht bayerischen Profiklubs bietet der BFV jedem Verein zwei kostenlose Kindertrainer-Ausbildungen.
Einen intensiveren Dialog mit den Vereinen hatte sich Baumann in den vergangenen vier Jahren auf die Fahnen geschrieben – gegen das Gefühl des „Die da oben“, – „wir da unten“: „Wir alle gemeinsam sind der Fußball in Bayern.“ Kompaktere Sommertagungen und breite Diskussions-Plattformen auf den neuen Wintertagungen sowie Workshops zum Herren-Spielbetrieb, die kleinere A-, B- und C-Klassen und einen urlaubsfreundlicheren Terminkalender brachten, sind erste Ergebnisse. Die Zahl der Schiedsrichter ist in vier Jahren um fast 100 auf 563 gestiegen, sodass seit dem Sommer wieder alle C-Klassen mit neutralen Referees besetzt werden können.
Doch nicht alles ist Gold, was glänzt: Beim Hallenfußball im Futsal-Format und bei den Senioren (AH) sind die Vereine schwer zu motivieren, und im Frauenfußball gibt es noch zu viele „weiße Flecken“. Baumann lobte eine Initiative des TSV Fridolfing, der Kicker-Mädchen aus benachbarten Vereinen mit einer Kleinfeld-Runde behutsam an den Spielbetrieb heranführt. „Innovative Projekte müssen nicht immer vom BFV selbst kommen.“ ah