Traunreut – Zehn Minuten Zwangspause zum Abkühlen – die oft wirkungsvolle Zeitstrafe könnte schon in der nächsten Fußball-Saison in Bayern der Vergangenheit angehören. Denn die internationalen Regelhüter der FIFA und der DFB haben einen engen Katalog festgelegt, wann die Zehn-Minuten-Strafe künftig noch verhängt werden darf. Für „Schwalben“ etwa, aber nicht für gröbere Fouls. Und: Sie kann nur noch statt einer Gelben Karte verhängt werden, aber nicht als zweite Strafe anstelle von Gelb-Rot. Der Bayerische Fußball-Verband (BFV) fragt deshalb bei seinen Vereinen ab, ob sie die Zeitstrafe auch unter diesen Bedingungen beibehalten wollen.
Die Vereine aus dem Kreis Inn/Salzach sagen: Nein. 72 Prozent sprachen sich auf dem Kreistag für die Abschaffung aus – ähnlich negativ war der Tenor auch schon in anderen Kreisen. Daran gebunden ist der Verbandsvorstand zwar nicht, wie Vizepräsident Robert Schraudner (München) klarmachte. Aber ein eindeutiges Votum werde sicher einfließen in die Entscheidung. Noch klarer lehnten die Vereinsvertreter die Idee ab, auch bei den Amateuren bei Gelb-Rot künftig automatisch ein Spiel Sperre zu verhängen. 79 Prozent waren dagegen. Sogar 93 Prozent wollen an der Verlängerung beim Relegationsspielen festhalten – das sei allemal gerechter als die Entscheidung gleich im Elfmeterschießen zu suchen.
Knapper war das Votum bei der Abstimmung über einen Antrag des SV Marzoll, der die Regelungen für den Einsatz von A-Junioren bei den Erwachsenen erleichtern will. Wer keine eigene A-Junioren-Mannschaft hat, darf sie nämlich dort nicht spielen lassen. Der Verband will damit das Ausbluten der Juniorenteams verhindern. Wie das mit dem BFV-Motto „Lasst sie spielen“ zusammenpasse, fragte Abteilungsleiter Manfred Hofmeister. Sein Spieler sei auf einen Nachbarverein verwiesen worden, wo er bei den A-Junioren spielen könne. „Aber der will das gar nicht“, sagte er. Marzolls Vorschlag: Wenn ein 18-Jähriger seit neun Monaten nicht gespielt habe, solle er auch bei den Herren auflaufen können, wenn der Verein grundsätzlich Jugendarbeit betreibe, es aber nicht zu einer A-Junioren-Mannschaft reiche. Verbandsjugendleiter Florian Weißmann sagte, der BFV wolle weiterhin jeden Einzelfall entscheiden. „Wir machen regelmäßig Ausnahmen.“ Doch das wäre mit einer verbindlichen Regelung nicht mehr möglich. 73 Delegierte folgten Weißmanns Argumenten, 57 stellten sich hinter den Antrag aus Marzoll. Mehr als ein Drittel wollte sich gar nicht auf eine Seite schlagen. Der FC Perach hatte seinen Antrag, die Ergebnismeldung künftig verpflichtend dem Schiedsrichter aufzuerlegen statt dem Heimverein, schon im Vorfeld zurückgezogen.