Rosenheim – Noch bevor die 25. Olympischen Winterspiele in Mailand und Cortina eröffnet wurden, hat die OVB-Sportredaktion ihre Medaillen vergeben. In der Serie „Legenden der Ringe“ sind die 50 größten Winter-Olympioniken aus der Region vorgestellt worden. An der Spitze landete schließlich Georg Hackl, die Rodel-Legende aus Bischofswiesen, gefolgt von der Reit im Winkler Skikönigin Rosi Mittermaier und dem Biathlon-Star Ricco Groß aus Ruhpolding – was für ein Stockerl!
Sie alleine haben neun olympische Goldmedaillen gewonnen. Weitere Olympiasieger finden sich in der OVB-Rangliste auf den nächsten Plätzen, dazu noch viele Medaillengewinner oder Akteure, die später als Trainer oder Funktionäre zahlreiche Erfolge feierten. Natürlich hat die Region – die Landkreise Rosenheim, Mühldorf, Altötting, Traunstein und Berchtesgadener Land – viel mehr Olympioniken zu bieten als die 50 aus dem Klassement. Etliche Medaillengewinner konnten gar nicht berücksichtigt werden, auch Spitzenathleten wie Tina Hermann (Skeleton) oder Thomas Klauser (Skispringen) nicht, die bei ihren Auftritten nur knapp am Stockerl vorbeischrammten.
Und ja, die Bezeichnung „Olympioniken“ passt: Anders als zu Zeiten der Olympischen Spiele in der Antike, als ausschließlich die Sieger Olympioniken genannt wurden, gilt dieser Begriff in den Olympischen Spielen der Neuzeit schon für die Teilnehmer. Ganz nach dem Motto „Dabei sein ist alles“. Etliche heimische Athleten waren aber mittendrin statt nur dabei – und deshalb sind auch einige spezielle Geschichten im Laufe der Winterspiele entstanden:
Das erste Edelmetall: Die erste Medaille gab es bereits 1928 bei den Olympischen Spielen in St. Moritz. Damals wurde noch mit fünf Mann im Bob gefahren und Valentin Krempl, 1904 in Rosenheim geboren, gewann im Schlitten von Hanns Kilian die Bronzemedaille hinter zwei US-amerikanischen Bobs. Krempl gehörte dabei dem Team vom SC Riessersee an.
Fahnenträger: Der erste aus der Region war 1968 in Grenoble Hans Plenk vom RC Berchtesgaden. Der Rennrodler hatte vier Jahre zuvor in Innsbruck Bronze gewonnen. Es folgten Rosi Mittermaier (Schlussfeier 1976 Innsbruck), Monika Pflug (Eröffnung 1984 Sarajevo), Peter Angerer (Schlussfeier 1984 Sarajevo und Eröffnung 1988 Calgary), Fritz Fischer (Schlussfeier 1988 Calgary), Georg Hackl (Schlussfeier 2002 Salt Lake City), Felix Loch (Schlussfeier 2014 Sotchi).
Olympischer Eid: Der wird bei der Eröffnungsfeier stets von einem Athleten aus dem Gastgeberland gesprochen. 1936 in Garmisch-Partenkirchen wurde Willy Bogner, Skispringer und Kombinierer, 1909 in Traunstein geboren, dafür auserwählt. In den 1930er-Jahren gründete Bogner eine Sportartikel-Firma und war damit von 1936 bis 2014 Ausrüster der deutschen Olympia-Mannschaft. Sein Sohn Willy junior nahm 1960 und 1964 an zwei Olympischen Spielen als alpiner Skiläufer teil.
Erfolgstrainer: Georg Hackl ist nur einer von mehreren Olympioniken aus der Region, die später auch erfolgreiche Trainer wurden. Herbert Höfl war mitverantwortlich, dass Erhard Keller und Monika Pflug Gold im Eisschnelllauf holten, Skiläufer Wolfgang Bartels aus Bischofswiesen, der selbst Bronze in der Abfahrt gewann, betreute Rosi Mittermaier, Michael Veith, Sepp Ferstl und die Epple-Schwestern, Christoph Langen war ein erfolgreicher Bundestrainer der Bobfahrer und Thomas Schwab wurde zum Medaillenschmied im Rodeln. Er folgte auf Josef Lenz, der die deutsche Dominanz auf dem Schlitten so richtig manifestierte. Dabei war die aktive Laufbahn von Lenz mit einem tragischen Olympia-Erlebnis behaftet: Lenz und der Doppelsitzer Josef Fleischmann waren 1964 in Innsbruck als Ersatzfahrer nominiert und stürzten im Training schwer. Fleischmann erlag wenige Tage später seinen Verletzungen, Lenz musste seine aktive Laufbahn beenden.
Nationenwechsel: Christa Kinshofer verpasste die Olympischen Spiele 1984 in Sarajevo. Nach einem Streit mit dem Deutschen Ski-Verband (DSV) fuhr die Silbermedaillengewinnerin von 1980 für die Niederlande. 1986 kehrte sie wieder zum DSV zurück und gewann bei den Spielen 1988 in Calgary Silber und Bronze. Romed Baumann vom WSV Kiefersfelden startete 2010 und 2014 für Österreich. Der alpine Skiläufer wechselte 2019 den Verband und ging 2022 in Peking für Deutschland an den Start.
Mama im Einsatz: Die Snowboarderin Amelie Kober, die in Bad Aibling das Licht der Welt erblickte, hat an drei Olympischen Spielen teilgenommen und 2006 in Turin (Silber) sowie 2014 in Sotchi (Bronze) Edelmetall gewonnen. Auch 2010 in Vancouver war sie im Einsatz. Kober schied im Viertelfinale aus und verzichtete dann auf die weiteren Platzierungsduelle. Der Grund: Kober war schwanger, ihr Sohn kam im September 2010 zur Welt.
Der Kufen-Skandal: Christa Schmuck vom RC Berchtesgaden hat bei den Olympischen Spielen 1968 in Grenoble Silber im Rodeln gewonnen. Dabei war sie ursprünglich nur auf dem fünften Platz gelandet, profitierte dann aber davon, dass drei vor ihr platzierte Sportlerinnen aus der DDR disqualifiziert wurden. Sie hatten zuvor ihre Kufen unerlaubt angewärmt.
Ein komplett heimisches Team: 1984 trat in Sarajevo eine Biathlon-Herrenstaffel aus dem Chiemgau an: Peter Angerer, Walter Pichler, Fritz Fischer und Ernst Reiter holten die Bronzemedaille. Bei den Spielen 1976 in Innsbruck belegte der Viererbob aus dem Landkreis Rosenheim den fünften Rang. Pilot Georg Heibl aus Neubeuern und die Anschieber Fritz Ohlwärter, Siegfried Radandt (beide aus Rosenheim) und Hans Morant aus Rimsting bildeten das Team. Der Rosenheimer Richard Horner, lange Vorstand im Stadtverband für Leibesübungen, hatte die Leichtathleten zum Bobsport gebracht. Schon 1972 in Sapporo war Donat Ertel aus Aschau im Chiemgau am Start, 1980 in Lake Placid Hans Wagner aus Neubeuern und Walter Barfuß aus Raubling.
Die Sportartwechsler: Der Oberaudorfer Hubert Schwarz startete bei Olympischen Spielen im Skispringen und in der Nordischen Kombination, Evi Sachenbacher-Stehle gewann Medaillen im Skilanglauf und startete im Biathlon. Den Vogel schoss aber Alexandra Burghardt ab: Die gebürtige Mühldorferin gewann sowohl im Sommer als auch im Winter Medaillen. 2022 in Peking holte sie Silber im Zweierbob als Anschieberin von Mariama Jamanka, zwei Jahre später in Paris gewann die Leichtathletin Bronze mit der deutschen Sprintstaffel der Frauen. Medaillen im Sommer und Winter, das haben bislang nur acht Athleten geschafft.
Festwirt: 1976 startete Rudolf Größwang für den RC Berchtesgaden im Rodel-Doppelsitzer. Gemeinsam mit Stefan Hölzlwimmer verpasste er das Stockerl um Haaresbreite. Größwang durfte aber dennoch jede Menge Edelmetall bejubeln. Von 1988 an war er Betreiber des Kufenstüberls im Deutschen Haus – und da wurden die größten Feste gefeiert.
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