Geretsried – So eine Nachricht lässt Eishockeyfans mittlerweile das Blut in den Adern gefrieren: Beim Punktspiel der Bayernliga-Abstiegsrunde zwischen den River Rats aus Geretsried und dem EHC Waldkraiburg hat es Gäste-Angreifer Leander Ruß schwer erwischt. Rund sechs Minuten vor Spielende wurde er beim Stand von 4:1 für die Gastgeber ohne große Not in die Bande des Geretsrieder Eisstadions gestoßen. Sanitäter wurden herbeigerufen, Ruß mit der Trage abtransportiert und letztlich auch noch per Hubschrauber ins Krankenhaus geflogen. Erinnerungen an den Rosenheimer Spieler Mike Glemser wurden wach, der seit seinem Aufprall in die Bande querschnittsgelähmt ist.
Am Tag nach dem Spiel konnte der EHC Waldkraiburg eine leichte Entwarnung geben. „Leander hat die Nacht auf der Intensivstation verbracht. Er hat momentan verständlicherweise starke Schmerzen, kann aber so weit alles bewegen. Eine Nachricht, die uns zumindest ein wenig durchatmen lässt“, vermeldete der Verein. Zudem bedankte sich der EHC: „Ein herzliches Dankeschön gilt allen Ersthelfern, Ärztinnen und Ärzten sowie dem gesamten medizinischen Personal für den schnellen und professionellen Einsatz. Ebenso ein großes Dankeschön für die zahlreichen Genesungswünsche. Das zeigt, worauf es im Leben wirklich ankommt.“ Der 22-jährige Ruß spielte zuletzt bei seinem Heimatverein EHC Klostersee und in Ottobrunn. Zu Saisonbeginn war er nach Waldkraiburg gewechselt. Nachdem der EHC die Play-off-Teilnahme verpasst hatte, geht es nun in der Abstiegsrunde um den vorzeitigen Klassenerhalt. Im zweiten Spiel der Gruppenphase setzte es in Geretsried nun aber die zweite Niederlage.
Bereits nach 50 Sekunden gerieten die Gäste in Rückstand. Ondrej Horváth erzielte das 1:0. Dabei sah es so aus, als habe Tobias Sickinger im Tor der Löwen seine Beine nicht schnell genug schließen können, sodass der Puck langsam über die Linie trudelte.
Die Löwen waren mit noch weniger Spielern angereist, als ihnen bereits am Freitag zur Verfügung gestanden hatten. Mit Daniel Hora und Jakub Šrámek fehlten zwei weitere Leistungsträger im Team. Aus Landshut kam Anton Brunner hinzu, weshalb die Löwen mit sechs Stürmern und sieben Verteidigern in die Schwesterstadt reisten. Selbst nach dem frühen Führungstreffer der Gastgeber gelang es den Löwen nicht, Akzente zu setzen. Vielmehr ließ man sich von den „River Rats“ vorführen und bekam kaum Gelegenheit, selbst etwas zu zeigen. In der zwölften Minute geschah dann das, was sich bereits angedeutet hatte: Geretsried erhöhte durch Moritz Schug im Powerplay auf 2:0. Sickinger war es zu verdanken, dass der Rückstand zu diesem Zeitpunkt nicht bereits höher ausfiel.
Früh im zweiten Durchgang begrüßten die Gastgeber die Löwen mit dem dritten Tor des Abends. Anton Egle hieß der Torschütze nach nur 38 Sekunden. In der Folge wurden die Löwen jedoch stärker, die vielen Ausfälle kompensierte man mit Kampf und Einsatz. Der nächste Treffer gehörte dann auch den Gästen aus Waldkraiburg. In der 28. Minute packte Patrick Zimmermann einen Kunstschuss aus. In eigener Überzahl kam er von rechts auf das Tor zu, dort schloss Korbinian Sertl die Ecke zwar mit seinem Körper, doch Zimmermann traf genau in jene puckgroße Öffnung im Kreuzeck.
Im dritten Durchgang spielten die Löwen weiterhin kämpferisch. Nachdem man Geretsried über mehrere Minuten im eigenen Drittel festgenagelt hatte, vergoldeten die Gastgeber ihren ersten Angriff in diesem Abschnitt. Erneut hieß der Torschütze Horváth. Die Löwen kämpften in der Folge über das gesamte Drittel hinweg weiter um den Anschluss. Sechs Minuten vor dem Ende war es schließlich Horváth, der Leander Ruß aus rund eineinhalb Metern in die Bande stieß. Ohne dass Ruß den Kontakt kommen sah und ohne die Möglichkeit, Körperspannung aufzubauen, krachte er in die Spielfeldbegrenzung. Nachdem Ruß per Trage vom Eis gebracht worden war und Horváth eine Fünf-Minuten-Strafe plus eine Matchstrafe erhielt, wurde das Spiel fortgesetzt. In der verbleibenden Zeit verkürzten die Löwen durch Florian Maierhofer auf 2:4, doch Ergebnis und Tor waren nur noch Nebensache.aha/tn