Als Fichten noch als Torstangen dienten

von Redaktion

Vor 70 Jahren war die große Zeit von Toni Sailer gekommen. Die Ski-Legende aus Österreich gewann bei den Olympischen Winterspielen 1956 in Cortina d‘Ampezzo Gold in allen drei alpinen Bewerben. In der Abfahrt und im Slalom war auch Karl Zillibiller am Start. Der Bad Aiblinger ist das letzte verbliebene Mitglied der deutschen Alpin-Mannschaft von damals. Für die OVB-Sportredaktion hat er sein persönliches Fotoalbum geöffnet.

Bad Aibling – Der heute 92-jährige Dr. Karl Zillibiller, der in Hindelang im Allgäu das Licht der Welt erblickte, lebt mit seiner Tochter und Schwiegersohn im gemeinsamen Haus im Aiblinger Stadtteil Willing. In seiner Skikarriere sammelte er Siege und Titel. So gewann er unter anderem die bayerische und deutsche Jugend-Skimeisterschaft, bei den Hochschulmeisterschaften in Deutschland, Österreich oder der Schweiz errang er weitere 15 Titel, er wurde 1955 deutscher Meister im Riesenslalom und siegte ein Jahr später bei der „Bayerischen“ in Oberaudorf im Spezialslalom. Dann ging es zu den Winterspielen nach Cortina.

Die Fotomappe bekam er vom bekannten Sportreporter Bruno Moravetz („Wo ist Behle?“) vererbt, dem er ein guter Freund war und dem er auch das Schafkopfen beigebracht hat. Das Mannschaftsfoto der alpinen Ski-Mannschaft ist ein Werbefoto für den Skischuhhersteller. Zillibiller musste sich in die zweite Reihe stellen, weil er als einziger die Skischuhe schon ausgezogen hatte.

„Es gab damals nur 24 Disziplinen bei Ski alpin, Ski nordisch, Langlauf, Eishockey, Eiskunstlauf, Eisschnelllauf und Bobfahren mit insgesamt 800 Sportlern“, erinnert sich Zillibiller. Heute sind es 116 Disziplinen mit 2.900 Sportlern. „Wir hatten damals Kontakt mit allen, auch mit den ostdeutschen Olympioniken und mit den Zuschauern. Kein Vergleich mit heute, wenn sich Linus Strasser öffentlich beklagt, dass alles sehr steril sei.“ Zillibiller erzählt, dass sie früher alles selbst gemacht haben: um die Ausrüstung kümmern, die Ski wachsen und sogar in Eigenregie trainieren, denn der Alpintrainer hat sich bei ihnen nur um die Damen gekümmert.

Bei der Einkleidung bekam er den ersten Anzug seines Lebens, den er bei allen Examen bis zum Doktortitel trug. Die größte Enttäuschung für ihn war, dass er Abfahrt und Slalom fahren musste, obwohl er 1955 deutscher Meister im Riesenslalom wurde und in der Vorbereitung für Olympia zusammen mit den Österreichern bester Deutscher war. Bei der Abfahrt wurde er 19. bei 75 Teilnehmern – nur zwölf kamen ohne Sturz runter. Im Slalom belegte er den 25. Rang.

Eine Sicherheitsbindung wie heute üblich gab es damals noch nicht, die war erst in der Erprobung. Man verwendete eine Langriemenbindung, wobei der lange Riemen hinten über Rist und Knöchel gebunden wurde. An das „Tofana“ gab es schon einen einfachen Sessellift, aber die letzten Meter mussten sie 15 Minuten zu Fuß gehen. Der berühmte Tofanaschuss am Felsen entlang sieht sehr gefährlich aus, war aber leicht zu befahren, weil es geradeaus ging. Die Piste war damals nicht so perfekt präpariert wie heute, die Carabinieri traten sie mit ihren Skiern zurecht, die Torstangen waren jung geschlagene Fichten. Außerdem war die Piste nicht so breit ausgeholzt wie heute, es gab viele Engstellen zwischen den Bäumen. „Abends sind wir auch mal ausgegangen, es durfte nur nicht teuer sein. Mit den alpinen Mädels vom amerikanischen Team sind wir sogar mal tanzen gewesen“, erinnert sich der Bad Aiblinger.

Von der alpinen und nordischen Ski-Nationalmannschaft ist Zillibiller der einzige noch Lebende, von den Eishockeyspielern leben noch drei, von den Eiskunstläufern noch vier, darunter als berühmteste Marika Kilius. Sie startete als Jüngste mit 13 Jahren im Paarlaufwettbewerb mit ihrem 20- jährigen Partner Franz Ningel, sie wurden Vierte.

Artikel 7 von 11