Rosenheim – Es ist schon eigenartig. In den letzten Wochen lag das Hauptaugenmerk der Starbulls Rosenheim darauf, den dritten Rang in der DEL2-Tabelle gegen die aufholenden Ravensburger zu verteidigen. Und kaum war diese Aufgabe durch den Auswärtssieg in der direkten Konfrontation erledigt, stand plötzlich eine neue im Raum: die wieder mögliche Eroberung des zweiten Platzes. Denn lagen die Eishockeyspieler von der Mangfall nach dem 43. Spieltag noch zehn Punkte hinter Kassel zurück, waren es nach der jüngsten Rosenheimer Siegesserie und ein paar überraschenden Ausrutschern der Huskies plötzlich nur noch vier – und bei einem Sieg am Sonntag in Kassel wäre es nur noch ein einziger gewesen.
Aber dann gelang es den Hessen im letzten Aufeinandertreffen in der Punkterunde doch noch, den ersten Sieg gegen den direkten Verfolger einzufahren, so- dass die Chance der Starbulls bei fünf Punkten Rückstand vor dem letzten Wochenende nur noch theoretisch ist. Aber was war das für eine Story zwischen diesen beiden Teams! Alle vier Spiele endeten 3:2 nach Verlängerung, dreimal zugunsten der Starbulls und nun einmal für die Huskies. In den zwölf Partien seit dem Rosenheimer Aufstieg hieß es siebenmal 3:2, fünfmal für, zweimal gegen Rosenheim. Und fiel im ersten Duell in dieser Saison der Rosenheimer Ausgleich in der allerletzten Sekunde, so brauchten die Hessen diesmal nur acht Sekunden, um den Zusatzpunkt festzumachen. Es war das schnellste Gegentor der Rosenheimer Zweitliga-Geschichte nach einem Wiederanpfiff. Bisher hatte diesen Rekord ausgerechnet ein Rosenheimer inne, nämlich Tobias Draxinger, der am 2. Oktober 2014 im letzten Drittel eines 5:4-Sieges zehn Sekunden brauchte, um den EV Landshut auf die Siegerstraße zu führen. Eine Klasse tiefer war der Weidener Edgar Homjakov am 7. November 2021 noch schneller, als er in der Overtime fünf Sekunden brauchte, um den 3:2-Sieg in Rosenheim festzuzurren. Interessant: Damals wie am Sonntag stand Christopher Kolarz im Starbulls-Tor!
Durch die Niederlage in Kassel endete die jüngste Erfolgsserie der Starbulls nach fünf Partien, eine kürzer als die bisherigen beiden Sechs-Siege-Serien der laufenden Spielzeit. Eine beeindruckende persönliche Serie hat allerdings C.J. Stretch am Laufen. Denn während am Freitag gegen Bad Nauheim Ville Järveläinens Scorerserie nach acht Spielen mit fünf Toren und sechs Vorlagen riss, konnte sich der Kapitän nunmehr in den letzten zehn Begegnungen stets in die Scorerliste eintragen und dabei sieben Tore erzielen und weitere sechs vorbereiten. Darin inbegriffen ist auch eine Serie mit sechs Spielen mit je einem Treffer. Bisher haben auf diesem Level nur zwei skandinavische Kontingent-Stürmer längere Torserien vorzuweisen: der Finne Tommi Hannus (Januar 2011) und der Däne Kim Staal (Februar 2014) mit je sieben Partien. Und mit zehn Spielen mit Scorerpunkten hat Stretch auch die Serie von Charlie Sarault aus der letzten Saison egalisiert.
Gegen den EC Bad Nauheim beendete man die Punkterunde mit vier Siegen, einem davon in Overtime. Trotz der einseitigen Punktebilanz waren die Partien nicht weniger knapp und hart umkämpft als die gegen Kassel. Denn einmal siegten die Starbulls in Overtime, zweimal mit einem Tor Differenz, und selbst beim deutlichsten Sieg, einem 3:1, musste ein Empty-Net-Goal zur endgültigen Entscheidung herhalten. Interessant ist auch, dass in allen vier Begegnungen das Anfangsdrittel vom Ergebnis her fast identisch verlief – dreimal 1:0 für die Starbulls, einmal 1:1. Zum dritten Mal in dieser Saison lag das Pasanen-Team in eigener Halle irgendwann während der Partie mit 3:1 in Führung, und dies immer in der fast gleichen Minute: einmal in der 35., zweimal in der 37.. Und diese 37. Minute, in der Fabian Dietz am Freitag das vorentscheidende 3:1 erzielte, hat es wahrlich in sich. Mit sieben Rosenheimer und keinem einzigen gegnerischen Treffer ist sie die mit Abstand erfolgreichste Starbulls-Minute der laufenden Spielzeit.
Und auch zu Dietz gibt es statistisch Interessantes zu vermelden: In allen drei Matches gegen Bad Nauheim schoss er jeweils ein Tor, sodass bei der Hälfte seiner bisherigen Treffer die Hessen die „Empfänger“ waren. Und es war – kaum zu glauben – sein erstes Tor auf eigenem Eis; die fünf davor fielen allesamt auswärts.