Inzell – Einen unfassbaren Weitenwettbewerb haben sich die Damen bei den Europameisterschaften in der Max-Aicher-Arena von Inzell geliefert. Mit dem vorletzten Schuss der gesamten Weitenjagd schoss Kathleen Neumayer vom SV Schechen die deutsche Nationalmannschaft zum Sieg. Dagegen feierten die Herren des Deutschen Eisstock-Verbands (DESV) einen klaren Start-Ziel-Sieg und entthronten den Titelverteidiger Österreich ebenfalls. Damit holte Deutschland einen Tag nach den beiden Silbermedaillen bei der Jugend U19 und den Junioren U23 zweimal Gold.
Nach dem ersten Durchgang hatten Kathleen Neumayer (SV Schechen), Elisabeth Reiter (TSV Hartpenning), Sabrina und Verena Englbrecht (beide SSC Pfeffenhausen) auf Österreich knapp neun Meter Rückstand und lagen nur etwas mehr als sechs vor Italien. Im zweiten Umlauf verkürzte das DESV-Quartett auf nicht ganz sieben Meter beziehungsweise baute auf über sieben Meter aus. Mit einer Steigerung um etwa sieben Meter brachte Neumayer Deutschland im dritten Durchgang mit zwei Zentimetern in Führung. Allerdings verkürzte Italien den Rückstand aufs Spitzenduo auch auf etwas mehr als fünf Meter. Durch den vierten Durchgang änderte sich nichts und somit standen vor den jeweils letzten Schüssen die drei Weiten 316,56, 316,54 und 311,10 zu Buche. Über den Ausschuss konnte sich Verena Englbrecht um 24 Zentimeter steigern, wodurch Deutschland vor den letzten sieben Schützinnen einen Vorsprung von 26 Zentimeter hatte. Die letzten drei Weitenjägerinnen waren dann noch Evelyn Perhab aus Österreich, Neumayer und die Italienerin Sophia Albenberger. Perhab verbesserte sich um 36 Zentimeter, wodurch Österreich wieder mit zehn Zentimetern in Führung lag. Somit hing Gold am seidenen Faden von Kathleen Neumayer. Dabei bewies die 43-Jährige Nerven aus Drahtseil und katapultierte den Eisstock unter frenetischem Jubel der deutschen Fans auf 119,23 Meter, wodurch Deutschland Österreich letztendlich klar mit 325,46 gegenüber 316,90 entthronte.
Auch die Herren mussten sich vor zwei Jahren auf dem Goggausee in Kärnten mit großem Rückstand hinter Österreich anstellen. Da der ehemalige Weltmeister Markus Schätzl vom SV Oberbergkirchen, nach seinem Abstecher zum Strongman, aber mittlerweile auf die Weitenbahnen zurückgekehrt ist, war das gesamte DESV-Umfeld guter Dinge, dass man im Verbund mit Michael Späth (FC Altrandsberg), Alexander Anzinger (EC Ebing) und Peter Rottmoser (SV Schechen) dem Erzrivalen heuer wieder Paroli bieten kann. Und die DESV-Kraftpakete erfüllten die Erwartungen vollends. Nach dem ersten Durchgang führte das Quartett mit einer Gesamtweite von 360,35 mit fast 50 Metern vor Österreich (310,99) und Italien (301,85). In Durchgang zwei verkürzte Österreich auf knapp 15 Meter. Doch im dritten Durchgang gelang Späth ein guter Versuch und Deutschland baute die Führung auf knapp 20 Meter aus. Dabei blieb es dann auch. Somit knöpften auch die Herren Österreich den EM-Titel ab, siegten mit 364,76 überlegen vor dem Titelverteidiger (345,78) und Italien (321,94).
Damit schafften alle acht deutschen Weitenjäger auch den Einzug ins Einzelfinale der jeweils besten zwölf Vorrundenschützen. Bevor am morgigen Samstagvormittag alle Einzel-Europameister ausgeschossen werden, stehen heute ab 8 Uhr noch die kontinentalen Entscheidungen beim Mixed und dem Mannschaftswettbewerb der Jugend U16 auf dem Programm.
Damen: 1. Deutschland 325,46; 2. Österreich 316,90; 3. Italien 314,25; 4. Slowenien 266,79; 5. Schweiz 83,89.
Herren: 1. Deutschland 364,76; 2. Österreich 345,78; 3. Italien 321,94; 4. Schweiz 274,42; 5. Slowenien 270,27. kam