Ein Schrei, der eine Karriere verändert

von Redaktion

Verletzungsdrama um Kazim Gökce überschattet Kreisliga-Duell zwischen Großholzhausen und Westerndorf

Großholzhausen – Es hätte die Krönung einer langen Leidenszeit werden können. Als Kazim Gökce in der 61. Minute der Kreisliga-Partie gegen den SV Westerndorf den Ball auf den Elfmeterpunkt legte, war die Hoffnung beim ASV Großholzhausen greifbar. Es wäre das erste Tor im zweiten Spiel nach einjähriger Verletzungspause gewesen – der Ausgleich zum 1:1, die Wende in Unterzahl. Doch was als märchenhafte Rückkehr geplant war, endete in einem sportlichen und persönlichen Desaster.

Gökce lief an, SVW-Torwart Simon Rott parierte, und im nächsten Moment war nichts mehr wie zuvor. „Mir war sofort bewusst, dass etwas kaputt ist. Der Schmerz war riesig, mir wurde kurz schwarz vor Augen“, blickt Gökce zurück. Der Angreifer sank sofort in sich zusammen, die Hände an das linke Knie gepresst. Schmerzerfüllte Schreie hallten über den Platz. „Ich dachte mir im ersten Moment noch: Scheiße, Elfmeter verschossen“, erinnert sich Spielertrainer Maximilian Mayerl an den Sekundenbruchteil vor der Realisation. „Dann hat Kazim laut geschrien. Wir waren sofort bei ihm, haben Eis geholt. Ich glaube, in diesen Schreien lag mehr Frust als reiner Schmerz.“

Ein Frust, den jeder Sportler nachvollziehen kann. Ein Jahr lang hatte Gökce für diesen Moment geschuftet, nachdem das Kreuzband im linken Knie schon einmal gerissen war. Ohne Operation, aber mit unbändigem Willen hatte er sich zurückgekämpft, war laut Mayerl „körperlich eigentlich topfit“. Auch im Kopf hatte Gökce seine Verletzung bereits abgeschlossen: „Ich habe mich wieder sehr gut gefühlt und gar nicht mehr an mein Knie gedacht – als wäre es Routine gewesen.“ Nun hat ausgerechnet dieses Knie wieder nachgegeben. Eine Diagnose kann Gökce noch nicht mitteilen, doch der MRT-Befund ist erschütternd: Kreuzbandriss sowie Verletzungen an der Patellasehne und am Innenband.

Knapp 15 Minuten lang wurde Gökce behandelt, ehe er mit dem Sanka ins Krankenhaus gebracht wurde. Inmitten des Schocks geschah dann etwas Ungewöhnliches: Schiedsrichter Markus Heuschneider versammelte beide Teams im Mittelkreis und „hat uns gefragt, ob wir weiterspielen wollen. Das habe ich noch nie erlebt“, verrät Mayerl. Trotz der emotionalen Belastung entschied sich der ASV gegen einen Spielabbruch – auch aus Respekt vor dem Gegner. „Ein Abbruch wäre unsportlich gewesen, Westerndorf konnte nichts dafür. Wir haben uns kurz besprochen und gesagt, wir spielen für Kazim“, erklärt der ASV-Coach.

Für den verletzten Angreifer beginnt nun erneut eine lange Leidenszeit. „Es ist ein komisches Gefühl, nach dem Comeback wieder so eine Verletzung zu erleiden“, äußert sich Gökce und blickt auf die nächsten Monate voraus: „Ich werde mir vermutlich sehr viele Gedanken machen, wie es weitergeht.“ Selbst ein Karriereende schließt er nicht aus, doch „für diese Entscheidung werde ich mir sehr viel Zeit lassen.“

Die Partie gegen Westerndorf verlor der ASV letztlich mit 1:3, doch das Ergebnis geriet zur Randnotiz. Was bleibt, ist die Hoffnung, dass Kazim Gökce jemals wieder mit seinen Teamkollegen auf dem Platz stehen wird.obe

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