Lukas gibt dem DSV einen Korb

von Redaktion

Biathlon-Trainer Johannes Lukas verlängert in Schweden –„Noch nicht alles fertig“

Traunstein – Er war der erklärte Favorit für den Sportdirektor im deutschen Biathlon. Der schwedische Trainer Johannes Lukas sollte den scheidenden Felix Bitterling beerben. Allerdings zog es der 32-jährige Münchner mit Traunsteiner Wurzeln vor, seinen Vertrag in Schweden vorzeitig um vier Jahre zu verlängern. Schließlich hat er in den vergangenen Jahren 32 WM- und Olympia-Medaillen gemeinsam mit Schweden erobert. Der DSV ist mittlerweile fündig geworden und hat Bernd Eisenbichler zurück ins Boot geholt. Im Interview erklärt Johannes Lukas, wieso er seinen Vertrag verlängert hat, und spricht über Deutschlands Zukunft.

Warum die schnelle Vertragsverlängerung in Schweden während der Saison?

Vor Ende der Saison ist das nicht ungewöhnlich. Gerade bei einer Schlüsselposition, ich habe auch vor vier Jahren vor Olympia verlängert. Wir haben gleich nach den Spielen von Mailand/ Cortina intensive Gespräche geführt und haben uns geeinigt.

Was hat letztendlich den Ausschlag für ein weiteres Engagement gegeben?

Der Grund ist, dass ich mich sehr wohl fühle. Ich habe über die Jahre ein sehr gutes Team aufgebaut und ich fühle, dass hier noch nicht alles fertig ist. Ich habe immer noch große Motivation, was zu bewegen. Der Zeitpunkt jetzt war auch wichtig, weil noch viele andere Trainer dahinter dranhängen.

Sie sind ja auch beim DSV als Sportdirektor im Gespräch gewesen. Gab es eine konkrete Anfrage?

Ich will jetzt nicht konkret auf den DSV eingehen, ich habe natürlich mit anderen Ländern gesprochen. Das ist auch normal nach zehn Jahren in Schweden, dass man sich verschiedene Varianten anhört. Da waren sehr interessante Dinge dabei. Alles in allem fühle ich mich aber in Schweden gut aufgehoben. Mal sehen, was irgendwann in der Zukunft kommen wird.

Mit den olympischen Medaillen für Ihre Sportler hat es zunächst etwas gedauert. Sind Sie oder Ihr Umfeld deswegen nervös geworden?

Die erste Woche war schwierig und mühsam, wir sind nicht optimal in die Wettkämpfe reingestartet. Wir haben gut im Kern gearbeitet und haben das auch vor Olympia durchgesprochen, dass dieser Fall eintreten kann, dass man am Anfang keine Medaille hat. Wir haben uns immer wieder gegenseitig gepusht und immer daran geglaubt. Wir haben uns sehr gefreut und waren erleichtert, als sich das Blatt gewendet hat. Am Ende sind wir mit Gold, Silber und Bronze, also mit drei Medaillen, belohnt worden und konnten noch gute Spiele erreichen.

In der Nationenwertung war Schweden Dritter, was macht Frankreich und Norwegen so stark?

Bei den Männern sind wir hinter Frankreich und Norwegen, bei den Frauen ist es etwas enger, der Kampf ist noch offen. Die beiden Nationen vor uns haben eine extreme Breite, die haben wir aktuell nicht, das muss man ehrlich sagen. Wir arbeiten im Nachwuchsbereich aber sehr daran, da haben wir die vergangenen Jahre viel gemacht. Das gibt uns auch Recht, weil wir immer ein, zwei junge Sportler nachziehen können. Frankreich ist ein großes Land mit viel Förderung, da wird gute Arbeit geleistet. Auch im Hinblick auf die Olympischen Spiele 2030 in Frankreich. In Norwegen sind Biathlon und Langlauf die herausragenden Sportarten. Trotz unserer kleinen Zahl an Athleten sind wir aber auch sehr erfolgreich.

Wie sehen Sie die Situation im Biathlon in Deutschland?

Das ist für mich natürlich schwer zu kommentieren, weil ich auch nicht den Einblick habe. Ich denke, man wird jetzt dann eine gute Analyse machen. Es ist nicht alles schlecht, was schlechtgeredet wird. In den vergangenen Jahren hat es einen gewissen Umbruch gegeben, sie müssen jetzt alles vorantreiben. Es gibt sehr viele junge Talente, daraus werden in Zukunft erfolgreiche Athleten entstehen. Es heißt einfach, Ruhe bewahren und einen guten Plan erstellen, das werden neue Personen schon in die Wege leiten.

Wollen Sie in Schweden Ihre erfolgreiche Philosophie fortsetzen oder mal neue Wege ausprobieren?

Ich werde meine Philosophie sicher teilweise beibehalten. Habe aber immer wieder was verändert, wieder neue Schritte gewagt, gerade mit den Sportlern, die viele Jahre dabei sind und viele Trainingseinheiten absolviert haben. Ein Samuelsson braucht eine andere Ansprache als etwa ein 20-Jähriger. Bei den Arrivierten darf man nicht stehenbleiben, da muss man auch neue Wege gehen. Biathlon ist ein Ausdauersport, da müssen viele bewährte Trainingsstunden absolviert werden. Es kann nicht immer Spaß machen, manchmal muss man nur seinen Job machen. Mit den jungen Sportlern werde ich mein Konzept behalten und für die Älteren das Training immer wieder anpassen. Siegi Huber

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