Siegreiche Premieren in der Königsklasse

von Redaktion

Jessica von Bredow-Werndl und Benjamin Werndl gewinnen beide Grand-Prix-Touren in Italien

Ornago/Aubenhausen – Zum ersten Mal hat sich Jessica von Bredow-Werndl mit ihrer Zukunftshoffnung Times Kismet in die Königsklasse der Dressur gewagt. Mit großer Spannung war dieser Auftritt beim internationalen Drei-Sterne-CDI im italienischen Ornago erwartet worden, denn die Stute hatte schon als ganz junges Pferd unter der damals sehr erfolgreichen britischen Championatsreiterin Charlotte Dujardin für Aufsehen gesorgt. Zu Recht, die bildschöne, enorm bewegungsstarke Braune ist eine Erscheinung, der die Herzen zufliegen.

Seit November 2024 frisst die hochbegabte, mittlerweile elfjährige Ampere-Lord-Leatherdale-Tochter ihr Heu in Aubenhausen. Von Bredow-Werndl nahm sich die notwendige Zeit, um mit der sensiblen Partnerin zusammenzuwachsen und eine stabile Vertrauensbasis aufzubauen. Reiter- und Stallwechsel sind für Pferde eine besondere Situation. Nur selten harmoniert eine neue Partnerschaft auf Anhieb, insbesondere wenn die Ausbildungsphilosophien der Reiter unterschiedlich sind. Im vergangenen Jahr gewann von Bredow-Werndl mit ihrer „Kiss“ die Intermediaire A auf dem Waldhauser Hof in Sauerlach und die Intermediaire II auf Gut Ising. Bei den Amadeus Horse Indoors in Salzburg hatte die charismatische Pferdedame ihren ersten großen Hallenauftritt.

Das Grand-Prix-Debüt in Ornago ließ zwar das riesige Potenzial des neuen Paares erkennen, gelang allerdings noch nicht fehlerfrei. Insbesondere eine Unsicherheit in der letzten Piaffe kostete viele wichtige Punkte. Von Bredow-Werndl meisterte die schwierige Situation und hoffte, dass die Stute „das gute Gefühl in die nächste Prüfung mitnehmen“ würde. Das tat „Kiss“ und zeigte sich im ersten Grand Prix Special ihres Lebens nicht nur ungemein ausdrucksvoll, sondern auch deutlich souveräner. Das ist umso bemerkenswerter, da der sehr komplexe, kraftzehrende Special als schwierigste aller Dressuraufgaben gilt.

Alle fünf Richter sahen das Duo aus Aubenhausen mit insgesamt 73,234 Prozent auf dem ersten Platz. „Heute bin ich mit dem Gedanken in die Prüfung gegangen, sie noch lässiger zu reiten, ihr noch mehr Sicherheit zu geben und ihr einfach zu zeigen: Wir machen das zusammen. Und genau so hat es sich auch angefühlt. Sie war so schön bei mir, so konzentriert, so vertrauensvoll. Natürlich ist noch nicht alles perfekt. Vieles ist noch ein bisschen wackelig, manches noch unausgereift. Aber genau das macht es auch so spannend“, schrieb die professionelle Ausbilderin auf den sozialen Medien.

In der Kleinen Tour auf Ein-Sterne-S-Niveau präsentierte von Bredow-Werndl eine weitere talentierte Stute. Mit der zehnjährigen Zalando-Briar-Tochter Birkhof’s Zieta FBW entschied sie sowohl den Prix St. Georges als auch die Intermediaire I für sich. Zieta kam 2022 in den Stall. Im vergangenen Jahr übernahm Jessica die Stute von ihrem Bruder.

Benjamin Werndl und Quick Decision feierten bei ihrem Kür-Debüt einen fulminanten Sieg mit knapp 78 Prozent. Erst Ende 2024 wechselte der auffällige Fuchs zu ihm. Im vergangenen Jahr kam das Duo im Finale des renommierten Louisdor-Preises auf den dritten Platz und gewann bei seinem internationalen Debüt in Salzburg die Special-Tour. In Ornago zeigte sich, dass beide die Winterpause genutzt haben. Der erst zehnjährige Quaterhall-Rotspon-Sohn hat sich weiterentwickelt und wirkt gereift. Den Grand Prix konnte das Paar überzeugend und mit Abstand vor der spanischen Olympionikin Beatriz Ferrer-Salat gewinnen.

Für „Quicks“ erste Kür wählte sein 41-jähriger Reiter ein Swing-Medley, das die Choreografie und den beschwingten Ausdruck des vierbeinigen Charmeurs passend umrahmt. „Come fly with me“ war das Motto – und sie flogen. Mit weitem Abstand vor der Konkurrenz führte der Nachwuchsstar ein weiteres Mal die Ehrenrunde an. „Er war cool zu reiten. Ich bin sehr, sehr happy mit ihm“, freute sich Werndl.

Auch für den achtjährigen For-Romance-I-Depardieu-Sohn Fosbury erklang bei den ersten beiden internationalen Starts auf Intermediaire-Niveau die deutsche Nationalhymne. „Fussl“ kam bereits als Fünfjähriger nach Aubenhausen und ist mittlerweile auf dem Weg in die Königsklasse. „Ich bin auch mit ihm sehr zufrieden“, lobte Werndl.

Nach den überzeugenden Auftritten in Ornago nominierte Bundestrainerin Monica Theodorescu Werndl mit Quick Decision für das deutsche Nationenpreis-Team beim Fünf-Sterne-CDI im französischen Fontainebleau vom 16. bis 19. April. Seine Schwester Jessica wird voraussichtlich am Wochenende zuvor beim 3-Sterne-CDI im italienischen Bedizzole starten.

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