Inzell – Martin Haarahiltunen (Schweden) geht als Spitzenreiter, aber angeschlagen in den letzten Lauf der Eisspeedway-WM in Heerenveen (Niederlande): Der 35-Jährige holte sich in der Inzeller Max-Aicher-Arena den Sieg im Grand Prix 1 und wurde im GP 2 Dritter.
Im Finale des GP 2 kam es zum Zusammenstoß mit Max Koivula (Finnland). Dieser wurde als Verursacher disqualifiziert, doch auch Haarahiltunen konnte zur Wiederholung des Finales nicht antreten. Er hatte sich beim Sturz zu sehr verletzt und wurde so Dritter. Den Sieg holte sich letztlich Niclas Svensson (Schweden) ganz knapp vor Luca Bauer (Reit im Winkl). So konnte Bauer über den Podestplatz jubeln: „Natürlich tut es mir leid für die zwei, die ausgefallen sind. Aber hier in Inzell Zweiter zu werden, ist natürlich ein Traum, auch wenn ich das Finale gerne gewonnen hätte. Ich war ja nah dran…“
Ansonsten gab es vor ausverkauftem Haus an beiden Tagen bei den deutschen Piloten gemischte Gefühle. Dies galt besonders für den Grand Prix 1. In diesem hatte Bauer nach starken Fahrten im Last Chance Heat als Dritter knapp den Einzug ins Finale verpasst, Max Niedermaier (Edling) war hinter ihm Tagessechster geworden. Nach drei Stürzen in drei Läufen war für Hans Weber (Schliersee/MSC Teisendorf) nicht mehr als Rang 13 drin, und Nachwuchspilot Maximilian Niedermaier (Frauenneuharting) ging trotz couragierter Auftritte leer aus. Entsprechend kommentierten sie ihre Rennen. „Wir sind bei der Ursachensuche. Es ist nicht leicht rauszufinden, aber wir hatten auf alle Fälle Probleme am Heck. Wir haben da ein paar Kleinigkeiten am Reifen entdeckt, da war wohl einiges nicht optimal. Deshalb klappten die Spikes weg und es gab einen abrupten Haftungsverlust“, meinte Weber. Daher wechselte er auf ein ganz anderes Hinterrad, „das natürlich schon eingefahren ist, das ist wichtig“, erklärte er. Und zeigte sich dankbar: „Bei solchen Drehern wird es richtig gefährlich. Zum Glück ist die Begrenzung in Inzell perfekt abgepolstert“, lobte er. Doch im Grand Prix 2 stellte sich heraus, dass es technisch weiterhin nicht passte, und Weber ließ seine beiden letzten Läufe ganz aus.
Max Niedermaier fand seinen sechsten Platz “schon scheiße. Ich weiß gar nicht, warum, aber ich war brutal nervös. Ich habe mir zu viel Druck gemacht“, haderte der 37-Jährige. Daher nahm sich der Vizeweltmeister von 2024 für den GP 2 vor, „auf Spaß“ zu fahren. Und den hatte er weitgehend. Er mischte vorne mit und schaffte es in den Lauf um den Finaleinzug. Dort musste er sich zwar dem Führungsduo geschlagen geben, konnte aber Franz Zorn hinter sich lassen und wurde somit in der Tageswertung Fünfter.
Sein Cousin Maximilian Niedermaier fand den GP 1 „zwar eigentlich ein schönes Rennen, aber für mich war es nicht ganz so gut.“ Denn er blieb ohne Punktgewinn. Allgemein aber sieht er Fortschritte in seiner fahrerischen Entwicklung: „Wenn man mehr Rennen fährt, merkt man schon, dass man schneller wird. Auch die Starts werden Stück für Stück besser.“ Die Zeit, um Training und Rennen im Winter bestreiten zu können, muss sich der als Zimmermann tätige 25-Jährige im wahrsten Sinne des Wortes „erarbeiten“: „Im Sommer mache ich nur in der Woche des Betriebsurlaubs frei, und ich brauche auch noch Überstunden, um im Winter genug frei bekommen zu können.“ Für den GP 2 nahm er sich vor, „zumindest an den Konkurrenten dran zu sein. Und vielleicht gibt es ja doch mal einen Punkt…“ Diese Hoffnung erfüllte sich sogar zweimal, und so erkämpfte er den 15. Rang in der Tageswertung.
Luca Bauer sah im GP 1 „bis zum Last Chance Heat eigentlich mein bestes Rennen. Aber wenn man das Finale so knapp verpasst, ist man unzufrieden.“ Die zwei punktbesten Fahrer des Tages ziehen direkt ins Finale ein, die Piloten auf den Rängen drei bis sechs gehen im Last Chance Heat aufs Eis. Und hier lag Bauer trotz ordentlichen Starts nur auf Rang drei hinter Niclas Svensson (Schweden) und Heiki Huusko (Finnland).
Das Finale war dann eine klare Sache für Haarahiltunen. Dagegen fiel Svensson nach einer missglückten Attacke zurück, und Max Koivula (Finnland) wurde Zweiter vor Huusko und Svensson. Koivula hatte an seinem 38. Geburtstag schon zuvor überzeugt – und zeigte sich begeistert: „Es lief sehr gut. Ich war schneller als je zuvor, und ich war knapp an Martin dran.“ Seine Schlussfolgerung: „Er ist sehr stark, aber nicht unschlagbar.“
Emotional wurde es schon vor dem Start von GP 1: Bei der Fahrervorstellung erinnerte Günther Bauer an den größten Eisspeedwayfahrer aller Zeiten: Nikolaj Krasnikow. Der Rekordweltmeister war im Juni 2025 bei einem Autounfall ums Leben gekommen. „Heute ist ein schwerer Tag für mich. Er war für mich der beste Freund und der beste Eisspeedwayfahrer aller Zeiten. Er war ein einzigartiger, sympathischer Sportsmann.“ Krasnikow war 1999 als 14-Jähriger als Mechaniker für Günther Bauer in Saransk aktiv geworden – und kam so in den Sport, den er ab 2005 jahrelang dominierte.