Rosenheim – Die Starbulls Rosenheim und die Eisbären Regensburg haben Geschichte geschrieben! Das dritte Spiel der Play-off-Serie zwischen diesen beiden Eishockey-Teams wurde erst in der 123. Minute entschieden. Damit war der 6:5-Sieg der Gäste das längste DEL2-Spiel aller Zeiten.
Der Spielfilm: Wer ein ähnlich hartes Spiel wie am Freitag in Regensburg erwartet hatte, wurde enttäuscht. Beide Mannschaften hielten sich merklich zurück. Dennoch herrschte vom Start weg ein hohes Tempo. Lukas Laub hatte schon in der ersten Minute die Chance auf die Führung, scheiterte aber alleine vor Jonas Neffin. So entwickelte sich eine ausgeglichene Partie – mit effizienteren Rosenheimern. Maximilian Adam brachte seine Farben in Führung, Teemu Pulkkinen erhöhte in Überzahl auf 2:0.
Doch Regensburg war keineswegs die schlechtere Mannschaft und schlug nach der Pause zurück. Donat Peter nutzte einen Puckverlust der Starbulls und verkürzte auf 1:2. Die Antwort der Gastgeber ließ nicht lange auf sich warten. Wieder war es Pulkkinen, dieses Mal fälschte der Finne einen Schuss ab. Danach stellte sich bei Rosenheim der Schlendrian ein. Großchancen wurden seltener, viel spielte sich zwischen den Toren ab. Letztlich waren es die Eisbären, die diese Phase nutzten. Corey Trivino verkürzte, Bryce Kindopp glich aus – so war nach 31 Minuten alles wieder auf Anfang gestellt. Rosenheim beruhigte das Spiel danach und kam selbst zu Möglichkeiten, eine direkte Antwort gab es aber nicht.
Das letzte Drittel lebte von Spannung. Beide Teams konzentrierten sich darauf, keine großen Fehler zu machen. Das klappte knapp sieben Minuten lang, dann schlug Rosenheim innerhalb von 22 Sekunden doppelt zu: Erst setzte Ville Järveläinen die Scheibe unter die Latte, dann fälschte Pulkkinen einen Adam-Schuss ab. Es wirkte so, als hätten die Hausherren alles im Griff. Doch Samuel Payeur wurde zum zwischenzeitlichen Helden. Sechs Minuten vor dem Ende brachte er sein Team wieder heran, 34 Sekunden vor der Sirene erzielte er den Ausgleich. Allerdings war das 4:5 fragwürdig, denn unmittelbar zuvor gab es einen unerlaubten Weitschuss der Gäste, der nicht geahndet wurde.
Die Verlängerung musste entscheiden – und diese zog sich hin. Zwar hatten beide Mannschaften einige Chancen, spätestens bei den Torhütern war aber Schluss. Pech hatten die Starbulls, als Järveläinen in der 76. Minute den Pfosten traf. Und so ging es auch in der zweiten Overtime weiter. Rosenheim hatte zwar die Spielkontrolle, doch Regensburg war mit Nadelstichen gefährlich. In der 96. Minute schien es so, als hätte Fabian Dietz alle Starbulls-Fans erlöst. Sein Treffer zählte nach Videobeweis aber nicht: hoher Stock. So beendete Bryce Kindopp das längste DEL2-Spiel der Geschichte, als er nach 122 Minuten und 35 Sekunden einen Abpraller versenkte.
Die Schlüsselszene: In der 96. Minute wurde es laut im Rofa-Stadion. Der Puck lag im Regensburger Gehäuse, Fabian Dietz jubelte über den vermeintlichen Siegtreffer. Allerdings zählte der Treffer wegen eines hohen Stocks nicht. Rosenheim schaffte es danach nicht mehr, Jonas Neffin zu überwinden.
Zum Lachen: Die Special Teams der Starbulls sind weiter in bestechender Form. Ein Powerplay nutzten die Hausherren zum 2:0, das 3:1 fiel zudem nur wenige Sekunden nach Ablauf einer Strafe. In Unterzahl blieb Rosenheim unbeschadet.
Zum Weinen: 2:0, 3:1 und 5:3 – drei Mal führten die Starbulls im dritten Spiel mit zwei Toren Unterschied. Für die zweitbeste Defensive der Hauptrunde sollte das eigentlich ein gefundenes Fressen sein, doch Regensburg fand Wege und glich auf 3:3 und 5:5 aus. Untypisch für die Starbulls – und das ausgerechnet in den Play-offs.
Der Spieler des Spiels: Teemu Pulkkinen blüht in den Play-offs so richtig auf. Der Finne führte seine Reihe an und war auf dem Eis überall zu finden. Mit drei Treffern krönte er seine Leistung.
Das war los mit: David Morley stand nicht im Regensburger Aufgebot. Der Goldhelm der Gäste wurde nach seinem Foul an C.J. Stretch im zweiten Duell für eine Partie gesperrt. Pech für die Starbulls: Sein Ersatzmann Bryce Kindopp traf zum 3:3 und erzielte den Siegtreffer.
Das sagen die Trainer: Jari Pasanen, Starbulls Rosenheim: „Es tut mir für alle Spieler Leid, das war echt Tortur. Wir haben einen Fehler zu viel gemacht. Das Spiel hätte man aber auch schon nach zwei Stunden beenden können.“
Peter Flache, Eisbären Regensburg: „Keine Mannschaft hatte es verdient, dieses Spiel zu verlieren. Hut ab an die Jungs. Zweimal nach einem Rückstand zurückgekämpft. Ich bin stolz.“
Die Spielstatistik: Starbulls Rosenheim – Eisbären Regensburg 5:6 n.V. (2:0,1:3,2:2,0:0,0:0,0:1). Starbulls: Kolarz (Müller) – Hanna, Tiffels; Adam, Vollmayer; van der Linde, Keussen; Bosecker – Laub, Stretch, Järveläinen; Schingoethe, Feser, Pulkkinen; Zwickl, Calce, Kolb; Dietz, Zerter-Gossage, Beck.
Tore: 1:0 (6.) Adam/Stretch, Järveläinen; 2:0 (14.) Pulkkinen/Feser, Hanna – PP1; 2:1 (22.) Peter/Slezak; 3:1 (25.) Pulkkinen/Hanna/,Feser; 3:2 (29,) Trivino/Berardinelli, Naud; 3:3 (31.) Kindopp/Giles; 4:3 (47.) Järveläinen/Stretch; 5:3 (48.) Pulkkinen/Adam; 5:4 (55.) Payeur; 5:5 (60.) Payeur; 5:6 (123.) Kindopp.
Schiedsrichter: Hoppe/Voit; Strafminuten: Rosenheim 8, Regensburg 10; Zuschauer: 4425.
Das nächste Spiel: Bereits am Mittwoch geht es in Regensburg weiter. Das vierte Spiel der Serie startet um 20 Uhr.