Erst eine Strafzeitflut, dann ein Rekordspiel

von Redaktion

Aus der Eishockey-Statistik Rosenheim gegen Regensburg: 90 Strafminuten in Spiel zwei, 122 Spielminuten in Spiel drei

Rosenheim – Zu Beginn des Play-off-Viertelfinales hatte man schon fast befürchten müssen, dass die Starbulls Rosenheim wie im Vorjahr gegen Dresden gerade zur Unzeit eine Auszeit nehmen. Damals hatten die Eishockeyspieler von der Mangfall das letzte Punktrunden-Match verloren und vergeigten die ersten drei Spiele gegen den späteren DEL-Aufsteiger, ehe sie mit einem Overtime-Heimsieg wenigstens den „Sweep“ vermeiden konnten. Trotzdem war nach fünf Spielen Schluss.

Dieses Jahr hatte Rosenheim die letzten drei Punktspiele verloren, alle drei in Overtime, und prompt ging auch das erste Play-off-Match an den Gegner. Dann aber folgte auswärts ein erster Paukenschlag, als man den Eisbären Regensburg die dritthöchste Heimniederlage der laufenden Saison beibringen konnte. Was folgte, war ein Rekordspiel, allerdings ohne glückliches Ende aus Rosenheimer Sicht. Nach fünfeinhalb Stunden Brutto- und 122:35 Minuten Netto-Spielzeit endete es durch ein Tor von Regensburgs Bryce Kindopp.

Dreimal in ihrer Geschichte mussten die Starbulls mehr als 20 Minuten Overtime bestreiten, wobei sie einmal verloren und zweimal gewannen. Unvergessen ist natürlich Brad MacGowans Treffer in der 82. Minute gegen Weiden, der 2023 den Aufstieg besiegelte. Im Halbfinale desselben Jahres verlor man zudem bei den Hannover Scorpions, mit Christoph Koziol, einem Ex-Starbulls-Akteur, als Siegtorschützen. Die bis Sonntag längste Rosenheimer Overtime beendete Tyler Scofield am 4. April 2017 mit seinem Treffer nach 106:28 Minuten gegen Crimmitschau erfolgreich. Nun sind die Grün-Weißen auch Teilhaber des Liga-Rekords, den seit 2019 Freiburg und Bayreuth mit 107:49 Minuten innehatten. Besonders bitter dürfte der Abend für Teemu Pulkkinen gewesen sein, der mit seinem ersten Hattrick im Rosenheimer Dress der Held des Matches hätte werden können.

Was besonders auffiel: Keine der beiden Mannschaften war während der Punkterunde für ein besonders effektives Überzahlspiel berühmt. Beide zählten zu den Schlusslichtern in dieser Rubrik. In Unterzahl dagegen war Regensburg Bester und die Starbulls Dritter. Also konnte man eher wenige Powerplay-Treffer erwarten. Doch weit gefehlt: In den ersten beiden Begegnungen fielen fünf der sieben Rosenheimer und zwei der vier Regensburger Tore in Überzahl. Im ersten Match gab es sogar einen Powerplay-Hattrick der Starbulls, die in den vier Punktrunden-Spielen gegen die Eisbären in 16 Phasen kein einziges Überzahltor zustande gebracht hatten. Erst im dritten Spiel konnten die beiden Teams ihr gewohnt starkes Unterzahlspiel zeigen, sodass Pulkkinens Überzahltreffer der einzige blieb.

Während die Starbulls in den ersten fünf Partien gegen die Eisbären in dieser Saison insgesamt nur fünf Tore erzielen konnten, gelangen ihnen im zweiten Spiel gleich fünf Treffer. So viele hatten sie in der Donaustadt in den 18 davor absolvierten Begegnungen in der DEL2 und Oberliga nie geschafft.

Während das erste Match in Rosenheim sehr diszipliniert verlief, summierten sich beim Spiel in Regensburg die Minuten doch in ungewohnte Höhen. Beginnend mit den Spieldauerstrafen gegen Luigi Calce und seinen Kontrahenten Aleandro Angaran sowie einer weiteren für Regensburgs Topstürmer David Morley standen schließlich insgesamt 90 Strafminuten im Protokoll – 35 gegen die Starbulls, 60 gegen die Eisbären. Nur ein einziges Mal seit dem Wiederaufstieg kassierten die Starbulls mehr Strafminuten: 44 beim 0:3 gegen Ravensburg inklusive einer Spieldauer gegen Lukas Laub. Dass der Gegner 60 Strafminuten oder mehr sammelte, geschah in der DEL2 zum achten Mal. Interessant ist aber eine andere Erinnerung: Das strafzeitenreichste Oberliga-Match mit Rosenheimer Beteiligung ereignete sich am 22. Dezember 2017 – und der Gegner, der mit einer zweistelligen Niederlage aus Rosenheim heimfuhr, hieß Regensburg! Die Starbulls häuften damals 42 Minuten an, die Oberpfälzer sogar 82. Den Hauptanteil hatten Coach Beppi Heiß mit 22 Minuten und der damalige Kapitän und derzeitige Trainer Peter Flache mit 14. Die einzigen Spieler, die auch am Freitag wieder dabei waren, sind Regensburgs Nikola Gajovski und Rosenheims Max Vollmayer.

Eisbären-Goalie Jonas Neffin, der die Starbulls in dieser Saison regelmäßig zur Verzweiflung brachte, hat bei der 1:5-Niederlage erstmals ein bisschen von seiner Unbezwingbarkeit eingebüßt. Nach Fangquoten von zweimal 100 sowie 97,22 und 94,74 Prozent in der Punkterunde sowie 95,65 Prozent im ersten Viertelfinalspiel wurde er am Freitag auf eher unterdurchschnittliche 86,11 Prozent reduziert. Allerdings gewann er diese Unbezwingbarkeit nach weiteren fünf Gegentoren in der regulären Spielzeit am Sonntag in der entscheidenden Phase zurück, als er Pulkkinen und Co. über 75 Spielminuten lang einen Treffer verwehrte. Sicher ein schwacher Trost für Christopher Kolarz, dass es auch ihm gelang, mehr als 63 Minuten lang den Regensburger Siegtreffer zu verhindern.Manfred Eder

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