Rosenheim – Am Tag danach war im Trainerbüro bei den Starbulls Rosenheim so ziemlich alles wie immer. Jari Pasanen telefonierte, Jamie Bartman saß vor dem Laptop und nahm sich die Spielszenen vom Sonntag zur Nachbearbeitung vor. Am Mittwoch geht es mit dem vierten Play-off-Spiel in der DEL2-Viertelfinalserie zwischen den Starbulls und den Eisbären Regensburg schon wieder weiter. Trotzdem hallt das Rekordspiel nach. Ein Einblick ins Kabinen- und Seelenleben.
Hätte die Partie mit einem Rosenheimer Siegtreffer geendet, dann wäre die Nacht für Cheftrainer Pasanen wohl etwas länger gewesen. „Ich bin erst um 5 Uhr früh eingeschlafen“, bekannte der erfahrene Coach, der natürlich so ein langes Spiel selbst noch nicht erlebt hat. „Das war schon unglaublich, was die alle geleistet haben. Beide Mannschaften haben das sehr gut gemacht“, lobte Pasanen, der nach der Spielzeit von mehr als zwei kompletten Partien von einer „Tortur“ für die Spieler sprach. „So müde sind die wahrscheinlich noch nie gewesen. Das ist schon fast unzumutbar gewesen.“
Waren die 60 Minuten schon unheimlich anstrengend mit der mehrmaligen Rosenheimer Führung und dem Regensburger Comeback, das 34 Sekunden vor Schluss zum 5:5-Ausgleich führte, so hatte es die Verlängerung dann wirklich in sich. Beide Mannschaften schenkten sich nichts, Top-Chancen, Pfostentreffer und ein aberkanntes Tor sorgten nicht nur für eine physische, sondern auch für eine mentale Höchstbelastung. Auch bei den Trainern: „Es gab ständig taktische Wechsel. Sechs Drittel Eishockey, ich habe noch nie so viele taktische Varianten erlebt“, meinte der Rosenheimer Trainer. Ab einem gewissen Zeitraum war es aber auch mit der Taktik vorbei. „Du sprichst schon noch gewisse Sachen an, aber du musst die Spieler hauptsächlich zur Ruhe kommen lassen. Die sollten essen, trinken, sich massieren lassen. Da kannst du nicht mehr viele Anweisungen geben, weil die Spieler müde sind“, gibt Pasanen Einblick ins Innenleben der Kabine während der Drittelpausen. Wobei er auch positiv feststellte, „dass die Spieler das gut umgesetzt haben, was wir ihnen mitgegeben hatten“.
Dass es in dieser Serie auch mal in die Verlängerung gehen kann, sei den Starbulls bewusst gewesen. „Das war keine fremde Situation, wir waren auf alle Eventualitäten vorbereitet“, erklärte der Starbulls-Coach. Und so hatten die Rosenheimer jede Menge Essen und Getränke in der Kabine vorrätig. Es gab Pizza, Schokolade, Bananen, Äpfel, Gurken, Energiegels, Karamalz, Wasser, Elektrolytgetränke und Magnesium. „Es war alles da, unsere Betreuer haben einen super Job gemacht“, wusste der Deutsch-Finne. Die Schokolade hilft übrigens, weil man damit relativ schnell Energie generieren kann. „Ich weiß gar nicht, wie viele Kilo Schokolade die gegessen haben“, rätselt der Rosenheimer Trainer, der sich selbst während der Pausen auch Energie holte: „Ich habe eine Banane gegessen, Kaffee und Cola getrunken.“
Für seine Spieler sei es wichtig gewesen, dem Körper viel Flüssigkeit zuzuführen. „Du musst viel trinken, das haben wir den Spielern auf der Bank immer gesagt. Du verlierst viele Elektrolyte, und das brauchst du schnell wieder zurück. Denn sonst bekommst du Krämpfe“, erläutert Pasanen, der davon ausgeht, dass seine Akteure „sicher drei Kilo“ verloren haben. „Egal, wie viel du trinkst.“
Einen Ratschlag hat er seinen Spielern nach dem Match noch mit auf den Weg gegeben. „Viel trinken, viel schlafen, viel Magnesium.“ Am Tag nach dem Rekordspiel hatten die Rosenheimer Akteure frei. „Die sollen spazierengehen und sich vorsichtig dehnen.“ Am Dienstag geht es wieder aufs Eis, denn am Mittwochabend stehen sich die Teams in Regensburg erneut gegenüber. Dass es dann erneut in die Verlängerung geht, ist keineswegs ausgeschlossen.