Traunstein – Luca Martin heißt eines der neuen vielversprechenden Talente des Teams MaxSolar-Raymon. Der 21-jährige gebürtige Erfurter gehört ab dieser Saison dem heimischen Kontinental-Radsportteam, das in Chieming ansässig ist, an. Durch den Wechsel in das Team von Sportchef Heinz Kargl hat sich der Erfurter für einen direkten Ortswechsel in den Chiemgau entschlossen. Durch die Unterstützung des TuS Traunreut in Verbindung mit einem bezahlten Praktikum finanziert sich Martin sein Abenteuer nahezu ganz allein. Im Interview erzählt Martin davon und spricht über seine neue Heimat und die persönlichen Ziele.
500 Kilometer weit weg von zu Hause, wie kam es zur Entscheidung, für MaxSolar an die Startlinie zu gehen?
Der Kontakt entstand über einen Freund. Er meinte, dass Heinz nach Fahrern sucht, die ausländische Rennen für ihn fahren. Mein Rennprogramm war letztes Jahr nicht gut, da hat Heinz mir die Chance gegeben. Ich konnte ihn und vor allem mich von diesem Projekt überzeugen. Nun hab ich den Schritt von zu Hause weg gewagt und beginne hier ein neues Abenteuer.
In der Teamvorstellung wurde angesprochen, dass Sie nebenbei ein Praktikum beim TuS Traunreut machen. Wie lässt sich das mit Ihrem Sportler-Alltag vereinbaren?
Das ist kein Problem, da ich sehr gut im Kontakt mit dem Verein bin. Der Verein will mich auf meiner Reise unterstützen. Ich kann frei trainieren und bin trotzdem als Trainer und als Verantwortlicher für die Organisation des Vereins angestellt. Die Arbeit macht mir sehr viel Spaß und ich habe festgestellt, dass es im Leben mehr gibt als nur Radfahren. Mir ist extrem wichtig, dass man neben dem Bike etwas hat, was man machen kann, und nicht nur daheim rumsitzt. Für mich ist das eine tolle Aufgabe – gerade, wo ich nicht in meinem gewohnten Umfeld bin – , den jungen Leuten mein Wissen im Sport weiterzugeben. Ich konzentriere mich nicht nur auf den Radsport, sondern auch auf Fußball, Schwimmen und Laufen.
Wie waren die letzten Wochen der Vorbereitung?
Wir waren anderthalb Wochen im Trainingslager in Kaltern. Es war ein schönes Teamgefüge, wir haben viel gemeinsam trainiert. Es war ein ganz ein anderer Spirit mit Fahrern, die von überall her kommen. Wir haben gesehen, wo das Potenzial des Teams liegt, insbesondere, wo unsere Stärken sind. Auch wo meine Aufgaben im Team liegen, hat sich deutlich gezeigt. Ich schaue mit Respekt nach oben, bin aber sehr angriffslustig und freue mich auf die gemeinsame Zeit mit dem Team.
Mit welchen persönlichen Erwartungen und Zielen für die Mannschaft gehen Sie in die Saison?
Wir sind definitiv sehr gut aufgestellt. Es ist vieles möglich, vor allem, weil wir viele Top-Bergfahrer im Team haben. Mit denen können wir sicherlich bei internationalen Rennen aufs Podium angreifen. Ich selber habe keine persönlichen Erwartungen an mich. Aus den vergangenen Jahren weiß ich, dass es sich oft am besten fährt, wenn man einfach mal drauf losfährt.
Wie sieht in der neuen Heimat so ein typischer Trainingstag von Ihnen aus?
Aktuell stehe ich so gegen acht Uhr auf und beginne gleich mein erstes Workout. Danach geht´s zum Frühstück und anschließend starten wir so gegen halb zehn mit unserer ersten Trainingsausfahrt. Diese dauert so ungefähr vier bis fünf Stunden. Im Sommer werden wir das Programm noch weiter nach vorne ziehen, um den warmen Temperaturen ein bisschen zu entfliehen. Am Nachmittag bin ich in Traunreut und versuche dort, die Jugendlichen sportlich weiter zu entwickeln und ihren Charakter besser zu formen.
Ist es für Sie wichtig, Ihre eigenen Erfahrungen und Erlebnisse an die jungen Sportler weiterzugeben?
Auf jeden Fall, es gibt viele Parallelen. Der Sport vermittelt gewisse Werte und hat einen gewissen Charakter. Auch sportübergreifend ist das so. Deswegen ist es mir wichtig, die richtigen Werte wie Respekt, Fairplay und dass man keinen einfach so wegschubsen soll, zu vermitteln. Ein bisschen Gerangel gehört immer dazu, aber sie sollen die Grundwerte trotzdem nie vergessen und bodenständig bleiben.
Haben Sie sich vorgenommen, etwas Spezielles in dieser Saison zu verändern?
Ich möchte meine Leistungswerte verbessern, gerade bei den hügeligen und schweren Rennen vorne ankommen. Aber an allererster Stelle steht bei mir immer die Persönlichkeitsentwicklung, denn mit dem Charakter steht und fällt die Leistung. Wenn ich persönlich stark bin, dann bin auch auf dem Rad stark.
Emma Buchner