Lokalkolorit, ein Stadtrat und „Bergziegen“

von Redaktion

Das Chiemgauer Radsportteam Maxsolar-Raymon startet mit einer neuen Besetzung in die Continental-Tour

Traunstein – Immer einen Schritt besser – das ist die Entwicklung des Chiemgauer Radsportteams unter der Leitung von Heinz Kargl, das sich in den letzten Jahren bis in die Continental-Tour gefahren hat. Dabei entwickelten sich auch einzelne talentierte Fahrer immer weiter. In der neuen Saison sollen beim Team Maxsolar-Raymon die nächsten Schritte gemacht werden – diesmal mit internationaler Beteiligung. In der Maxsolar-Zentrale in Traunstein ist die neue Mannschaft vorgestellt worden.

Kargl hat das Team mittlerweile in die dritte Kategorie des internationalen Radsports katapultiert. Die Chiemgauer sind dabei eine von neun deutschen Mannschaften. Darüber gibt es dann nur noch zwei deutsche Teams in der erstklassigen WorldTour. Auf Kargl & Co. wartet ein sattes Programm, denn insgesamt sind 50 Renntage auf der europäischen Tour geplant. Fünf mehrtägige Rundfahrten stehen im Kalender, darunter auch die beliebten in Österreich. Das Highlight in Deutschland soll der Eintages-Klassiker „Rund um Köln“ werden.

Die Mannschaft umfasst insgesamt 13 Fahrer, wobei sieben noch der U23-Klasse angehören, also im Alter zwischen 18 und 22 Jahren sind. Dabei wurde auch auf Lokalkolorit geachtet: Linus Scheitinger (Jahrgang 2005), beim RSV Rosenheim groß geworden, ist wieder zurück. „Er ist immer dann schnell, wenn schlechtes Wetter ist“, beschreibt Kargl, Scheitinger selbst bejaht, dass er „einer für die Ekel-Rennen“ sei. Seine Aufgabe für die neue Saison: Der Brannenburger soll die Leader „in die Berge reinfahren“ und dann auch weiter begleiten, bei flachen Eintagesrennen soll er selbst als Kapitän fungieren. Maximilian Roth (Jahrgang 2004) studiert mittlerweile in Rosenheim. Kargl attestiert ihm, „einen Riesensprung“ gemacht zu haben, zumal Roth einer sei, „der sich alles hart erarbeiten“ müsse. Auch Erik Rank (Jahrgang 2007) sei ein Beispiel für Lokalkolorit, denn er kommt aus München. „So viele Fahrer aus der Region stärken die Identifikation“, weiß Kargl. Rank fährt seine erste Saison bei den Herren und zählt zur Sprinterfraktion. Luca Martin (Jahrgang 2004) ist extra aus Erfurt in den Chiemgau gezogen und macht zusätzlich ein Praktikum beim TuS Traunreut. „Das ist eine neue Herausforderung, die Leute hier sind aber super freundlich und sehr hilfsbereit“, sagt er. Martin fährt sein letztes Jahr in der U23-Klasse und wechselte das Team, weil er „mehr internationale Rennen“ fahren wollte. Lachlan McNabb (Jahrgang 2006) stammt aus Neuseeland und wohnt mittlerweile in Schleching. Er gilt als Kletterer und freut sich deshalb auf die Bergrennen in Österreich, hat aber auch die italienischen Klassiker ins Visier genommen. Als Allrounder gilt der Kanadier Louis Raymond (Jahrgang 2004), der erstmals in der Region ist – diese aber mit Bergen, Felder und dem Chiemsee als „beautiful“ findet. John David Luke Meyer-Eland (Jahrgang 2007) ist in London aufgewachsen, hat aber einen deutschen Pass, weil die Mama aus Buxtehude stammt. Er hat bereits bei einem Team in Italien erste Erfahrungen gesammelt, fährt aber jetzt richtig in sein erstes U23-Jahr. „Das ist was ganz Neues für mich“, weiß er. Teamchef Heinz Kargl war bei der Präsentation schon ein gewisser Stolz auf seine junge Garde anzusehen – und das zu Recht, denn: „Wenn sie im Rennen so fahren wie im Training, dann haben wir Volltreffer gelandet.“ Das hofft Kargl natürlich auch bei seinen sechs Profifahrern, wobei mit Jonas Melf (Jahrgang 2001) ein altbekanntes Gesicht mit dabei ist. „Wenn es weh tut, dann ist der Melf der Richtige“, beschreibt Kargl den umtriebigen Sportler. Der hat nämlich gerade das erste Staatsexamen für Lehramt in den Fächern Mathematik und Wirtschaft erfolgreich abgelegt. „Zuletzt konnte ich mich voll aufs Studium konzentrieren, jetzt komplett auf den Sport“, meinte Melf, der aber noch eine zusätzliche Aufgabe vor der Brust hat. Er ist nämlich für den Stadtrat in Wolfratshausen gewählt worden, war von Listenplatz elf bei der CSU auf den vierten Rang vorgerückt – das erste erfolgreiche Ergebnis für Melf in der neuen Saison!

Der Südtiroler Alex Rabensteiner (Jahrgang 2001) aus Brixen ist auf dem Mountainbike und bei den Radmarathons unterwegs. Der Ötztaler Radmarathon ist das große Ziel, er wird aber auch in Imst und Kufstein starten, möglicherweise auch bei dem ein oder anderen Straßenrennen. Dort hat Jan Münzer (Jahrgang 2001) schon reichlich Erfahrung gesammelt und war die letzten drei Jahre schon auf Continental-Tour-Niveau unterwegs. „Ich habe mich da ganz gut entwickelt“, urteilte er, nachdem er unter anderem auch in Afrika und Asien gefahren ist. Laut Kargl ist Münzer „der Mann fürs Grobe“, er soll in den heiß umkämpften Sprintankünften vorne mitmischen und auch in den Spitzengruppen vertreten sein. Seine ganze Erfahrung kann dann auch David Büschler (Jahrgang 1992) ausspielen. „Er führt die Jungen, ist zudem ein guter Kriteriumsfahrer“, urteilt Kargl. Büschler selbst beschreibt sich als Sprinter, „ich komme aber auch ganz gut über die Hügel“. Er soll wohl zumeist als Kapitän fungieren. „Ich kann viel mit Auge regeln“, weiß Büschler.

Große Erwartungen hat der Chiemgauer Teamchef an die beiden spanischen „Bergziegen“. Jose Maria Garcia Soriano (Jahrgang 1998) und Ricard Fito Prats (Jahrgang 2003) sind neu. Er sei „dankbar für diese Gelegenheit“, verkündete Garcia Soriano und bekannte: „Ich liebe die Berge!“ Er ist fasziniert von den Anstiegen in Österreich, während Fito Prats die kurzen, klassischen Anstiege bevorzugt. „Die bayerischen Berge sind perfekt für mich“, sagt er. Kargl war von den Leistungen der beiden Spanier beim Trainingslager in Kaltern begeistert. „Die sind die Berge rauf wie ein Moped.“

Nicht nur viele Mitglieder im Team sind neu, auch die Trikots – designed von der Marketingabteilung von Maxsolar – und die Räder. Raymon Bikes unternimmt mit dem Chiemgauer Team die ersten Schritte im Rennbereich.

Eine Win-win-Situation, denn es gebe jetzt schon „Erfahrungswerte, wie wir voneinander lernen können“. Alles beim Alten bleibt hingegen beim Hauptsponsor, der für Nachhaltigkeit steht – wie auch das Radteam, das mit den vielen Fahrern nicht umsonst den Leitspruch „Riding for future“ trägt.

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