Von der Tribüne zum Matchwinner

von Redaktion

Jari Pasanens goldener Riecher: Starbulls gewinnen auch zweites Auswärtsspiel in Regensburg

Regensburg – Wer zuerst führt, der stets verliert – so kann man die DEL2-Play-off-Serie zwischen den Starbulls Rosenheim und den Eisbären Regensburg bisher beschreiben. Wie schon in den ersten drei Duellen hat auch im vierten Aufeinandertreffen in Regensburg die Mannschaft verloren, die den ersten Treffer erzielt hatte. Mit dem 7:4-Erfolg glichen die Eishockeyspieler von der Mangfall die Viertelfinalserie auf 2:2 aus.

Der Spielfilm: Wer hat das Rekordspiel besser weggesteckt? Diese Frage stellte man sich vor der vierten Partie dieser Serie. Zu Beginn wirkte es so, als hätten die Eisbären das Momentum mitgenommen. Die Hausherren waren das aktivere Team und gingen folgerichtig schon früh in Führung – Samuel Payeur traf nach fünf Minuten ins Kreuzeck. Rosenheim kam danach besser rein und hatte selbst zwei Großchancen, Luigi Calce und Lewis Zerter-Zossage zielten bei ihren Abschlüssen aber zu ungenau.

Die Partie war keineswegs auf dem Niveau der vorherigen Duelle – weder spielerisch, noch emotional. Es wirkte so, als wären die Mannschaften müde. Das änderte sich aber im zweiten Drittel – dank Lukas Laub. Der flinke Stürmer überwand Jonas Neffin zum 1:1 und legte damit bei seinem Team einen Schalter um. Innerhalb von vier Minuten drehten die Starbulls die Partie nicht nur, sondern setzten sich dank Zerter-Gossage und Charlie Sarault auf 3:1 ab. Bis kurz vor der Sirene änderte sich daran nichts mehr, dann überschlugen sich die Ereignisse. Erst fälschte C.J. Stretch 16 Sekunden vor dem Drittelende die Scheibe in das eigene Tor ab, dann stellte Scott Feser nur acht Sekunden später den alten Abstand wieder her.

Eine verrückte Sequenz, doch das Spiel wurde noch verrückter. Regensburg kam in Überzahl durch Bryce Kindopp erneut auf einen Treffer heran. Rosenheim schüttelte das aber ab und fand durch Calce eine perfekte Antwort – nur, um 16 Sekunden später den erneuten Gegentreffer durch Sean Giles hinnehmen zu müssen. Der Torreigen war damit aber nicht beendet, denn Fabian Dietz baute die Führung erneut auf 6:4 aus. Den sportlichen Schlusspunkt setzte dann Sarault, der mit dem Schuss ins leere Tor den Endstand herstellte. Danach gab es nur noch eine hässliche Szene, als Aleandro Angaran den knieenden Calce einen Crosscheck in den Nacken verpasste. „Diese Aktion verstehe ich nicht. Einen Faustkampf hatte er schon, das ist in Ordnung. Hart spielen, kein Problem. Aber dafür habe ich kein Verständnis. Das war zu viel“, ließ Starbulls-Trainer Jari Pasanen nach dem Spiel seinem Unmut freien Lauf.

Die Schlüsselszene: Im Sport spielt Psychologie eine große Rolle. So auch im Eishockey. Der Zeitpunkt eines Tores kann in den Köpfen der Spieler einiges bewirken. Das 4:2 von Feser war dafür ein perfektes Beispiel. Anstatt Regensburg mit Rückenwind in die Kabine gehen zu lassen, nahm der Goldhelm den Hausherren jeglichen Wind aus den Segeln. Das Momentum war danach wieder deutlich auf Seiten der Rosenheimer.

Zum Lachen: Endlich haben es die Starbulls wieder geschafft, einen Vorsprung bis zum Ende zu verwalten. Nachdem Rosenheim im ersten Heimspiel ein 2:1 und im zweiten Heimspiel sogar ein 5:3 verspielt hatte, behielt man dieses Mal die Nerven und fand auch auf zwischenzeitliche Rückschläge immer wieder eine passende Antwort.

Zum Weinen: Wo sind die Starbulls aus der Hauptrunde hin? Von der zweitbesten Defensive der Liga ist aktuell fast gar nichts zu sehen. Schon am Sonntag hatte Rosenheim sechs Gegentreffer hinnehmen müssen, dieses Mal waren es derer vier. Erschütternd ist vor allem, wie einfach diese Gegentore teilweise fallen.

Das war los mit: Die erste große Überraschung hatte es bereits vor Anpfiff gegeben: Jari Pasanen verzichtete in Regensburg auf Teemu Pulkkinen und Wyatt Schingoethe. Stattdessen rotierten Oskar Autio, Charlie Sarault und Jordan Taupert wieder in die Aufstellung. Es trat also das selbe Team wie im ersten Viertelfinalspiel an – nur dieses Mal mit Erfolg.

Der Spieler des Spiels: Charlie Sarault war einer von vier Starbulls-Spielern, die ausgeruht in diese Partie gegangen waren. Nachdem der Kanadier zuletzt zweimal auf der Tribüne hat Platznehmen müssen, zahlte er das Vertrauen in Regensburg direkt mit drei Scorerpunkten zurück. Jari Pasanen bewies also erneut den perfekten Riecher.

Das sagen die Trainer: Peter Flache, Eisbären Regensburg: „Wir haben 14 Minuten gut gespielt. Das zweite Drittel war nicht unser bestes, da war auch Pech dabei. Jetzt steht es 2:2 und wir fahren am Freitag nach Rosenheim.“

Jari Pasanen, Starbulls Rosenheim: „Die Partie war sehr intensiv. Es gibt nicht so viel zu sagen, es ist unheimlich eng.“

Die Spielstatistik: Eisbären Regensburg – Starbulls Rosenheim 4:7 (1:0,1:4,2:3). Starbulls: Autio (Kolarz) – Hanna, Tiffels; Vollmayer, Adam; van der Linde, Keusse; Bosecker – Laub, Stretch, Järveläinen; Sarault, Zerter-Gossage, Feser; Dietz, Calce, Taupert; Zwickl, Kolb, Achatz.

Tore: 1:0 (5.) Payeur/Demetz; 1:1 (25.) Laub/Tiffels; 1:2 (27.) Zerter-Gossage; 1:3 (29.) Sarault/Hanna – PP1; 2:3 (40.) Bracco/Weber; 2:4 (40.) Feser/Sarault; 3:4 (44.) Kindopp/Bracco, Morley – PP1; 3:5 (49.) Calce/Taupert; 4:5 (49.) Giles/Morley; 4:6 (55.) Dietz/Calce, Laub; 4:7 (58.) Sarault/Feser.

Schiedsrichter: Polaczek/Gossmann; Strefaminuten: Regensburg 31 plus Spieldauerdisziplinarstrafe gegen Aleandro Angaran, Rosenheim 12; Zuschauer: 4422.

Das nächste Spiel: Zeit zum Durchschnaufen bleibt nicht. Das fünfte Spiel der Serie steigt bereits am Freitag um 19.30 Uhr in Rosenheim.

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