Traunstein – Über 18.000 Kilometer, das ist mehr als fünfmal die Gesamtdistanz der Tour de France. So weit entfernt liegt Lachlan McNabbs Heimat Neuseeland vom Chiemgau – seiner derzeitigen Wahlheimat. In dieser Saison startet der 19-jährige Bergsprinter für Heinz Kargls MaxSolar Cycling Team in der UCI-Continental-Klasse. Doch für McNabb ist das nur eine Zwischenstation: Das junge Radsport-Talent verfolgt ehrgeizige Ziele und möchte schon bald den nächsten Karriereschritt machen. Welche Pläne er genau hat, verrät er im Interview mit der OVB-Sportredaktion.
Sie sind noch sehr jung. Beschreiben Sie Ihren Weg aus Ihrer Heimat Neuseeland nach Europa. Wie kam das alles zustande?
Es war ehrlich gesagt eine ziemlich harte Reise. Es ist nicht einfach, aus Neuseeland nach Europa zu kommen, weil es für Teams mit höheren Kosten verbunden ist, dich aufzunehmen – vor allem, weil du nicht mal eben nach Hause reisen kannst, wenn etwas schiefläuft. Mein erstes Jahr in Europa war 2024, als ich für drei Monate bei einem spanischen Clubteam gefahren bin. Letztes Jahr hatte ich dann eine schwierige Zeit in Frankreich und habe nie wirklich meinen Rhythmus gefunden. Jetzt genieße ich meine Zeit in Deutschland sehr und freue mich, dieses Jahr einen Schritt nach vorne gemacht zu haben und größere Rennen zu bestreiten.
Wie war es für Sie persönlich, Ihre Freunde zu Hause zurückzulassen?
Es ist ein Opfer, das ich bereit bin zu bringen, weil ich mir momentan nichts anderes vorstellen kann. Ich möchte am Ende meiner Radsportkarriere nicht das Gefühl haben, nicht alles für meinen Traum gegeben zu haben. Der schwierigste Teil ist die Zeitverschiebung – es sind zwölf Stunden Unterschied. Man hat oft nur ein sehr kleines Zeitfenster von vielleicht zwei Stunden am Tag, um mit Familie oder Freunden zu sprechen.
Was ist Ihr großer Traum?
Ein großes Ziel von mir ist es, an den Olympischen Spielen teilzunehmen. Dieses Jahr möchte ich außerdem zu den Weltmeisterschaften in Montreal und mein Land vertreten – das habe ich bisher noch nie geschafft. Langfristig möchte ich in einem WorldTourTeam fahren.
Sie hatten letzte Saison einige starke Ergebnisse. Was war Ihr persönliches Highlight?
Mein persönliches Highlight war ein Top-Ten-Ergebnis bei einem italienischen U23-Rennen in San Vendemiano. Das war wahrscheinlich der einzige Tag, an dem ich wirklich zeigen konnte, was ich kann. Bei vielen anderen Rennen war ich eher enttäuscht von meiner Leistung. Deshalb freue ich mich darauf, in Zukunft mehr Rennen zu haben, bei denen ich zufrieden ins Ziel komme.
Wie würden Sie sich als Fahrer beschreiben?
Ich bin definitiv ein Kletterer, aber kein reiner Kletterer. Ich bin eben kein klassischer, leichter Bergfahrer – kein 1,65 Meter großer Kolumbianer mit 60 Kilo (lacht). In kleineren Gruppen am Berg, etwa mit acht bis zehn Fahrern, habe ich wahrscheinlich den besten Sprint. Das ist meine größte Stärke.
Was machen Sie außerhalb des Radsports?
Zu Hause gehe ich gerne angeln. Aber im Moment konzentriere ich mich voll auf den Radsport. Ich habe mich nach der Schule bewusst gegen ein Studium entschieden, obwohl ich die Möglichkeit dazu hätte. Wenn ich beides gleichzeitig machen würde, hätte ich das Gefühl, beides nur halbherzig zu verfolgen.
Worauf freuen Sie sich in der kommenden Saison?
Die Österreich-Rundfahrt ist eines meiner großen Ziele. Außerdem möchte ich bei der Lombardei-Rundfahrt starten.
Wie kam der Kontakt zum MaxSolar-Team zustande?
Am Ende der Saison war ich auf der Suche nach einer neuen Mannschaft. Einige Optionen haben sich nach Tests zerschlagen. Dann habe ich mich selbst darum gekümmert und den Kontakt gesucht – ich habe Heinz‘ Nummer in einer Whatsapp-Teammanager-Gruppe gefunden und ihm einfach geschrieben. Der Rennkalender des Teams passt sehr gut zu mir, und ich freue mich wirklich auf die Saison.
Wo sehen Sie sich am Ende der Saison?
Heinz würde mich gerne im Team behalten, aber mein persönliches Ziel ist es, den Sprung in ein Development-Team der WorldTour zu schaffen oder direkt einen Profivertrag zu unterschreiben.