Das große Abwehr-Rätsel

von Redaktion

Verlust der größten Stärke? Das Starbulls-Aus in der Analyse

Rosenheim – Auch am Tag danach liegt das Viertelfinal-Aus der Starbulls Rosenheim noch schwer im Magen. Sechs Spiele hatte es nur gedauert, dann waren die Play-offs bereits vorbei. Bevor nun aber der Blick auf den anstehenden Transfersommer und die neue Saison geht, schaut die OVB-Sportredaktion noch einmal auf die Serie gegen die Eisbären Regensburg zurück. Woran lag es, dass die Eishockeyspieler von der Mangfall schon im Viertelfinale die Segel streichen mussten? Die erste Analyse zeigt: Das Ausscheiden hat mehrere Gründe.

Heimrecht als Nachteil?

Was in den Play-offs sonst ein Garant für Erfolg ist, erwies sich für die Starbulls als Stolperstein: das Heimrecht. Als Tabellendritter durften die Rosenheimer mit einem Heimspiel in die Serie starten, auch ein mögliches siebtes Spiel hätte an der Mangfall stattgefunden. Von den drei Partien auf eigenem Eis gewann die Mannschaft von Jari Pasanen allerdings keine einzige! Damit setzte sich der Trend aus der Hauptrunde fort, denn dort war Rosenheim auch nur das neuntbeste Heimteam. Noch schlimmer: Gegen Regensburg verlor man in dieser Spielzeit alle fünf Heimspiele.

Nachsitzen verboten

Bis zum 50. Spieltag waren die Starbulls noch die Overtime-Könige der Liga. Zehnmal hatte Rosenheim bis dahin Nachsitzen müssen, siebenmal gingen die Grün-Weißen als Sieger vom Eis. Das änderte sich in den letzten drei Hauptrundenspielen: In Kassel und Landshut sowie gegen Weiden unterlag Rosenheim in der Overtime – also dreimal in Folge! Diese Serie setzte sich in den Play-offs fort, als man das Rekordspiel in der 123. Minute verlor und nun auch im sechsten Duell den Siegtreffer in der 67. Minute kassierte. Spielte da auch der Kopf eine Rolle?

Strafen-Könige der Liga

Dass es in den Play-offs mehr Strafzeiten gibt als in der regulären Runde, ist logisch. Und dass man mit Regensburg, die in den sechs Partien insgesamt 142 Minuten aufgebrummt bekommen hatten, das unfairste Play-off-Team der Liga als Gegner hatte, spricht eigentlich für die Starbulls. Aber eine Statistik zeigt den großen Unterschied: Während Regensburg mit vier Fünf-Minuten-Strafen und drei Spieldauerstrafen eher die großen Fische an Land zog, kümmerte sich Rosenheim mit 37 zweiminütigen Strafzeiten um das Kleinvieh. Für die Starbulls waren diese Strafzeiten letztlich der Todesstoß, denn in zwei Partien fiel der Siegtreffer für die Eisbären in einer Fünf-gegen-drei-Überzahl – beide Male saßen zwei Starbulls-Spieler mit kleinen Strafen in der Kühlbox.

Verlust der größten Stärke

Seit vier Jahren steht Jari Pasanen nun bereits als Chefcoach hinter der Rosenheimer Bande. Seit vier Jahren lautet die Devise gleich: „Defense first“. So stellten die Starbulls in der Hauptrunde mit 2,4 Gegentoren pro Spiel noch die zweitbeste Abwehr der Liga. Davon war in den Play-offs aber gar nichts mehr zu sehen! Die defensive Grundordnung, für die die Mannschaft so bekannt war, wurde einmal auf den Kopf gestellt. 3,7 Gegentore mussten Shane Hanna und Co. im Schnitt pro Spiel hinnehmen, darunter zwei Heimspiele mit jeweils sechs Gegentreffern. Das lag auch an der fehlenden Unterstützung für Oskar Autio und Christopher Kolarz. Denn während die beiden Torhüter in der Hauptrunde noch 27,7 Schüsse pro Spiel parieren mussten, waren es in den Play-offs 34,3. Doch auch die Goalies zeigten sich nicht in Höchstform, zappelte doch gegen Regensburg jeder zehnte Schuss im Netz – in der Hauptrunde war es jeder zwölfte.

Zugegeben: Die offensivere Ausrichtung hatte den Vorteil, dass die Starbulls von allen Play-off-Teilnehmern die meisten Schüsse abgegeben haben. 257 Schüsse in sechs Spielen, also 42,8 im Schnitt pro Partie – natürlich begünstigt vom Rekordspiel über 123 Minuten. Doch auch hier zeigt sich: Viele Schüsse bedeuten nicht viel Ertrag. Die Schusseffizienz ist im Vergleich zwischen Hauptrunde und Play-offs nämlich genau gleich geblieben: 10,3 Versuche benötigten die Starbulls für einen Treffer – die offensivere Spielweise zahlte sich also nicht entscheidend aus.

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