Rosenheim – Zum Start der Play-offs in der DEL 2 gibt das Fachblatt „Eishockey News“ traditionell seine Prognose für jede der Serien ab. Und während die Experten letztes Jahr im Fall Rosenheim daneben lagen, tippten die „News“-Leute diesmal genau richtig. Ihre Prognose: Sieger Regensburg in sechs Partien. Was sie aber nicht voraussagen konnten, war die Art, wie diese Endbilanz zustande kam.
Nun war die Erwartung eines Sieges des Tabellensechsten gar nicht so unlogisch, hatten die Eisbären doch alle vier Punktrunden-Spiele gegen die Starbulls gewonnen und dabei nur drei Tore zugelassen. Und dass die Eishockeyspieler von der Mangfall während der Runde ungewohnte Heimschwächen gezeigt hatten und sich die Eisbären auf fremdem Eis durchaus beachtlich präsentierten, war ein weiteres Argument – und das einzige, das sich im Laufe der Serie bestätigte, als die Grün-Weißen keines ihrer drei Heimspiele gewinnen konnten. Vieles andere aber widersprach eigentlich allem, was man aus den Play-offs gewöhnt ist.
So heißt es zum Beispiel, dass in den Play-offs – nach der Devise: Offensive gewinnt Spiele, Defensive gewinnt Titel – deutlich weniger Tore fallen. Dieser Trend wurde nach einem ersten wie üblich torarmen Spiel völlig auf den Kopf gestellt. Mit einem 5:1 in Regensburg, dem deutlichsten Sieg der Serie, stellten die Starbulls den Gleichstand wieder her. Dann aber brachen beiderseits alle Dämme. Angefangen beim Play-off-Rekordspiel mit der längsten DEL2-Overtime aller Zeiten über den 7:4-Sieg in Regensburg bis zum erneuten 5:6 auf eigenem Eis fielen in drei Partien insgesamt 33 Treffer – 17 für, 16 gegen die Starbulls. So etwas hatte es mit Rosenheimer Beteiligung auf diesem Level noch nie gegeben, lediglich in der Oberliga endeten im November 2019 drei aufeinanderfolgende Partien mit der gleichen Trefferzahl, ebenfalls 17:16. Und mehr als 22 Starbulls-Tore in vier Spielen hatte es zuletzt im März 2023 gegeben: 24 Treffer gegen Landsberg, Peiting, Höchstadt und Leipzig.
Zwei Faktoren waren wohl entscheidend für das letztendliche Ausscheiden. Während Eisbären-Goalie Jonas Neffin im letzten, entscheidenden Match nach einigen Schwächen und der ungewohnten Gegentorflut seine gewohnte Fast-Unbezwingbarkeit wiedererlangen konnte, zeigten die beiden Starbulls-Torhüter zwar ebenfalls viele starke Paraden, ließen aber auch zwischendurch Treffer zu, die das Pendel zugunsten des Gegners ausschlagen ließen. Was aber auch daran liegen mochte, dass die gewohnte Unterstützung und defensive Disziplin ihrer Vorderleute erstaunlich oft fehlte. Und zum anderen: Obwohl die Starbulls in der Serie mehr Tore schossen (27:25), gingen die knappen Spiele allesamt an die Eisbären. Und ein 5:1 oder 7:4, wie die Rosenheimer Siege lauteten, wiegt in den Play-offs auch nicht schwerer als eine hauchdünne Niederlage nach Verlängerung.
Ein ganz interessanter Aspekt waren auch die Special Teams. Hatte man aufgrund der Punktrunden-Bilanz wenige Überzahltreffer erwarten können, stellte sich dies von Anfang an als Trugschluss heraus. Beide Mannschaften blieben nur in einem einzigen Match ohne Powerplay-Treffer, und insgesamt fielen 15 Powerplay-Tore: acht für Rosenheim, sieben für die Eisbären. Es ist zudem eine bittere Tatsache, dass die Starbulls den jeweiligen gegnerischen Siegtreffer in den letzten beiden Begegnungen in doppelter Unterzahl hinnehmen mussten.
Im unmittelbaren Vergleich der beiden Teams, was das Scoring angeht, sieht man eigentlich nicht viele Unterschiede. Für die Starbulls scorten 18 verschiedene Spieler, zwölf davon als Torschützen, bei Regensburg 17 mit nur neun Torschützen. In der Spitze waren die Eisbären allerdings besser besetzt. Zwar wurde Scott Feser mit zwei Treffern und zehn Assists Topscorer der Serie, doch mehr als einen Scorerpunkt pro Spieleinsatz lieferten sechs Regensburger und nur vier Starbulls – neben Feser noch Shane Hanna, Teemu Pulkkinen und Charlie Sarault. In der Plus-Minus-Bilanz gab es sogar leichte Vorteile für die Starbulls. Sechs Spieler hatten eine Bilanz von plus 3 oder mehr, nur zwei eine schlechtere als minus 2. Bei den Eisbären waren vier mit plus 3 oder mehr und drei mit schlechter als minus 2. Den Spitzenwert von plus 5 von Bryce Kindopp und Sean Giles erreichten die vier besten Rosenheimer Lewis Zerter-Gossage, Lukas Laub, Maximilian Adam und Maximilian Vollmayer jedoch nicht ganz.
Bei den Kontingentspielern hatten die Eisbären ein starkes Plus. Trotz der einzelnen Sperren für Alex Berardinelli und David Morley konnten in den sechs Partien alle 24 Kontingentstellen auf Regensburger Seite mit Stürmern besetzt werden. Dabei trugen die Eisbären-Legionäre 14 Tore und 22 Assists zum Seriensieg bei, die der Starbulls nur elf Treffer und 14 Vorlagen. Entscheidend war vielleicht, dass Bryce Kindopp, der Top-Spieler der Serie, in jedem seiner vier Einsätze traf und zweimal zum Matchwinner wurde, während die Sternstunde von Teemu Pulkkinen, der als einziger Spieler einen Hattrick erzielte, auf Rosenheimer Seite nicht zum Sieg reichte.
Abschließend noch ein paar Zahlen, die verdeutlichen, wie knapp und umkämpft die Serie trotz der vielen Tore war. Von den gesamten knapp 429 Spielminuten stand es fast die Hälfte der Zeit unentschieden, weitere knapp 30 Prozent lag ein Team mit einem Tor Abstand in Führung, und nur weniger als fünf Prozent der Zeit führte ein Team deutlicher als mit zwei Toren Unterschied. Die Eisbären durften lediglich fünf Minuten und vier Sekunden lang mit zwei Toren Vorsprung agieren, hatten aber trotzdem beim Abpfiff öfter das bessere Ende für sich.