Philipp Nawrath ist bei der Spitzenförderung der Bayerischen Polizei in Ainring zu Hause.Foto Karlheinz Kas
Ainring/Ruhpolding – Philipp Nawrath ist Deutschlands bester Biathlet, hat die Saison mit Rang neun im Gesamt-Weltcup abgeschlossen. Der Wahl-Ruhpoldinger feierte heuer drei Podien und bei den Olympischen Spielen Bronze. Jetzt tauscht er Schießstand und Trainingsraum erst einmal für einen Monat mit einer Hospitanz bei der Kriminalpolizei in Kempten. Was ihn hier erwartet, wie es weitergeht, und worüber er sich am meisten gefreut hat, erzählt er im Interview.
Es war ja ein furioses Finale für Sie in Oslo mit dem zweiten Platz beim Massenstart. Insgesamt zufrieden mit der Saison?
Ein zweiter Platz im Massenstart mit einer fehlerfreien Schießeinlage ist mir zuvor noch nie gelungen. Ich war einmal Fünfter, aber das war jetzt wunderschön. Ich wollte im letzten Rennen auch noch mal zeigen, was ich drauf habe. Ich sehe die gesamte Saison für mich als Weltcup-Gesamt-Neunter sehr positiv, das war wirklich sehr gut.
War Oslo das absolute Highlight heuer?
Die Olympia-Medaille mit der Mixed-Staffel würde ich noch höher ansiedeln. In der Höhe von Antholz ist es nicht leicht, vor allem auch am Schießstand. Der Druck, den wir uns gemacht haben, war schon nicht zu verachten, aber gemeinsam haben wir das Ding dann doch heimgebracht und die Medaille geholt.
Die größte Enttäuschung?
Es sind so kleinere Sachen, die da mit reinspielen, wenn ein Wettkampf nicht ganz normal läuft. In Otepäe war es im Verfolger immer noch ein achter Platz, der da rausgekommen ist. Ich hatte da aber Stockbrüche, die mindestens eine halbe Minute gekostet haben, was aber öffentlich nicht gezeigt wurde. Es war aber mein eigener Fehler, dann passiert so etwas und die Plätze laufen durch. Sonst wäre da auch noch ein zweites gutes Rennen möglich gewesen. Dann fällt mir noch Hochfilzen ein. Der letzte Schuss, um den ich so gekämpft habe, ist leider weggegangen. Da hab ich mich schon geärgert.
Was nehmen Sie aus der Saison mit?
Das Team hat schon gut harmoniert. Wenn ich merke, dass ich mental richtig eingestellt bin und auch mit den Trainern alles gut funktioniert, dann läuft es. Für mich hat sich da schon etwas verbessert, auch die Feedback-Gespräche mit den Technikern und auch an der Strecke die Informationen passen. Bei der ganz feinen Abstimmung können wir uns noch verbessern.
Wie geht es weiter?
Grundsätzlich gibt es jetzt ein paar ruhige Tage. Ich will auch die Zeit nutzen, die Saison Revue passieren zu lassen. Dann geht es für mich bei der Polizei weiter. Für einen Monat geht es zurück in die Heimat, ins Allgäu, ich werde bei der Kripo in Kempten reinschnuppern. Bei der Kripo war ich noch nie, ich bin gespannt, was da auf mich zukommt. Es sind bislang ja nur ganz wenige Monate gewesen, in denen ich bei der Polizei gearbeitet habe. Auf die Kripo vorbereitet bin ich jetzt nicht so richtig, aber ich kenne die Grundlagen.
Fühlen Sie sich eigentlich als Nesselwanger oder Ruhpoldinger?
(lacht) Ruhpolding ist meine Wahlheimat. Da bin ich wohnhaft und trainiere. Meine Familie ist jetzt grundsätzlich aber schon in Richtung Allgäu beheimatet.
Gibt es im Biathlonsport etwas zu verbessern?
Wir als Sportler können immer nur sagen, dass wir ordentliche Einlaufrunden wollen, weil die rote Gruppe jetzt ja immer hinten dran ist, das heißt, wenn man in den Top 15 dabei ist, dann wird man hinten raus ausgewürfelt. Da ist es ganz wichtig, dass man sich ordentlich vorbereiten kann. Solche Dinge spreche ich immer an, wenn wir gefragt werden, ob alles passt. Wir dürfen uns ja mit unserem Sport mega glücklich schätzen, was Medienpräsenz anbetrifft. Der Biathlonsport läuft gut, ich hoffe, dass es so weitergeht.
Bei den Olympischen Spielen hatten Sie fünf Rennen in neun Tagen, ist das okay?
Das passt voll. Es gibt ja andere Sportarten, da trauern die Aktiven schon nach, dass sie so wenig Chancen auf Medaillen haben. Jede Disziplin bei uns hat ihren Reiz, ich bin bei den kürzeren Distanzen lieber dabei.
Wie sind Sie eigentlich zum Spitzensport der Polizei nach Ainring gekommen?
Ich hatte mich 2012 beworben, zuvor aber schon bei der Bundespolizei in Bad Endorf, weil dort ein guter Freund von mir, ein Langläufer, war. Die haben mir dort aber zweimal abgesagt, obwohl ich damals schon im C-Kader war. Umso schöner war es dann, dass meine Bewerbung bei der Landespolizei angekommen ist. Hier wurden damals Sportler gesucht. Es war mein Glück, dass sie mich genommen haben.
Wo sehen Sie sich nach dem Leistungssport?
Ich werde mir jetzt alle Bereiche bei der Polizei ansehen, es gibt ja so viele. Wir Leistungssportler kommen nicht in das Vergnügen, so viel anzuschauen bei elf Monaten Sport und einen Monat Dienst. Die ersten vier Praktika waren bei mir so angesetzt, dass ich sie im Einzelschichtdienst gemacht habe. Aber das Handwerkszeug eines Polizisten habe ich richtig gelernt, auch im Außendienst. Dass ich mal im Ausbildungsbetrieb bei der Polizei bin, könnte für mich später Mal in Frage kommen, als eine Art Sportlehrer.
Wo haben Sie schon überall reingeschnuppert?
Die Grundausstattung des Polizisten habe ich ja bekommen, war bei Geschwindigkeitskontrollen dabei, hab Strafzettel geschrieben. Bei speziellen Einsatzlagen war ich auch vor Ort, vor allem bei Sportveranstaltungen. Im Einsatz zum Thema Straßenverkehrssicherheit ging es um Zulassungs- und Ausrüstungsverstöße.
Sie sagten Wahl-Ruhpoldinger. Der Weltcup 2027 startet diesmal schon am Dreikönigstag.
Für mich ist es natürlich schöner im neuen Jahr nicht in Oberhof, sondern in Ruhpolding einzusteigen. Man will da ja immer gleich nach der Weihnachtspause zeigen, dass man konkurrenzfähig ist, vor allem im Heim-Weltcup. Die lokale Gastronomie wird nicht so begeistert sein. Vielleicht hat der alte und neue Bürgermeister in Ruhpolding da ja auch Lösungen parat.