„Ich find’s gut, wenn’s andere schlimm finden“

von Redaktion

INTERVIEW Linus Scheitinger über seine Trainingsrouten und warum er herausfordernde Strecken liebt

Brannenburg/Traunstein – Linus Scheitinger ist wieder zurück. Der Radsportler ist nach mehreren Jahren in der Fremde nun wieder für ein Team aus der Region aktiv. Der Brannenburger, der im Nachwuchs des RSV Rosenheim groß geworden ist, fährt nun für das Chiemgauer Team Maxsolar-Raymon. Im Interview mit der Sportredaktion spricht der 21-jährige Scheitinger über seine bisherigen Erfahrungen, sein Rollenverständnis, und warum er kein Schönwetterfahrer ist.

Wie groß ist die Freude, dass Sie wieder daheim sind?

Sehr groß. Ich war die letzten zwei Jahre einmal bei einem Team aus Frankfurt und einmal in Regensburg. Jetzt wieder hier in der Heimat zu sein, in einem Team, in dem der Teamchef bairisch redet, das ist schon was sehr Schönes.

Erzählen Sie mal von Ihren Erlebnissen in der in der Radsportwelt, Was waren denn so die schönsten Momente und Highlights?

Wenn man ein bisschen weiter zurückgeht, dann habe ich als Junior in der U19 in mehreren Rennen fürs Nationalteam starten dürfen. Da bin ich einige Nation Cups gefahren, bei unserem Heimatrennen in Deutschland oder auch in der Bretagne in Frankreich. Da habe ich mit einigen Teamkollegen Top-Platzierungen auf dem Podium einfahren können. In der Männerkategorie habe ich jetzt recht gute Resultate bei nationalen Rennen und auch bei UCI-Rennen in Polen sammeln können.

Sie waren ja schon in der U23-Klasse unterwegs und kommen ins Team, um eine größere Rolle einzunehmen. Welche Rolle darf es denn sein?

Mit meinem Alter, ich bin 21, bin ich dann doch noch irgendwo am Anfang, wenn man es mal mit anderen Fahrern vergleicht. Also ist das Ziel, dass man Profi wird und noch in den Kategorien aufsteigt, sofern möglich. Falls es nicht klappt, dann geht es darum, den jüngeren Fahrern das weiterzugeben, was man gelernt hat und die dann dorthin zu bringen, wohin man es vielleicht selber nicht geschafft hat.

Was haben Sie schon gelernt, was Sie in Ihrer Karriere weitergebracht hat?

Vor allem im letzten Jahr habe ich gelernt, dass es mit am Wichtigsten ist, den Spaß nicht zu vernachlässigen und trotzdem zu versuchen, relativ locker mit dem Ganzen umzugehen – auch wenn viel Druck herrscht. Der Spaß am Training ist ja am Ende die Grundlage für den Rennerfolg.

Wie schaffen Sie es, den Spaß aufrecht zu erhalten?

Ich habe das Glück, dass ich sehr viel intrinsische Motivation habe. Ich hocke auch jeden Tag im Winter bei Minusgraden meine vier, fünf Stunden auf dem Rad und mache da meine Kilometer.

Wo machen Sie die Kilometer hier in der Heimat?

Von Brannenburg aus finde ich den Samerberg sehr schön zum Trainieren. Oder auch nach Österreich runter in Richtung Kössen.

Der Weg zum Profi ist das Ziel. Was müssen Sie sich noch aneignen?

Das ist schwer zu sagen. Aus den Rennen, die ich bislang gefahren bin, weiß ich, dass es halt vor allem mit meinem Körpergewicht ein Riesenproblem damit gibt, wie ich die Berge hochkomme. Daran habe ich letztes Jahr recht viel gearbeitet und denke, dass ich da einen schönen Schritt näher am Ziel bin.

Wie arbeiten Sie daran?

Da geht’s gezielt auf Gewichtsreduzierung, obwohl das ja auch immer in einem gesunden Rahmen bleiben muss. Und es geht auf die längeren Belastungsdauern, also nicht nur die kurzen Ein- bis Zwei-Minuten-Belastungen, die wir vielleicht in Deutschland gewöhnt sind, sondern auch die Zehn-Minuten-Anstiege in Italien.

Es heißt, Sie sind immer dann schnell, wenn es schlecht Wetter ist. Schönwetterfahrer sind Sie also keiner, oder?

Auf gar keinen Fall! Das kann man aber nicht nur aufs schlechte Wetter beziehen: Ich find’s einfach gut, wenn‘s die anderen schlimm finden. Also, wenn Schotter auf der Straße liegt, wenn es Kopfsteinpflaster gibt und die anderen Fahrer vielleicht nicht so viel Lust haben und sich denken: „Fünf Grad, Kopfsteinpflaster – das ist nicht so meins!“ Da gehe ich auf! Ich mag dieses belgische und niederländische bei schlechtem Wetter.

Sie sollen ja ein bisschen eine Doppelrolle einnehmen. Unter anderem sind Sie als Wasserträger bezeichnet worden und als derjenige, der die Leader ganz vorne reinfährt. Wie würden Sie diese Aufgabe beschreiben?

Das ist wahrscheinlich meine Hauptrolle, weil die meisten Rennen, die wir in diesem Jahr über fahren, entsprechen nicht meinem nicht meinem Terrain. Und dann ist halt meine Hauptaufgabe, dass ich die bergfesteren Fahrer, vor allem den Jose Maria Garcia, dann vorne in die Berge reinfahre und den gut positioniere.

Der zweite Teil der Doppelrolle ist, dass Sie bei einigen Rennen möglicherweise als Kapitän fungieren. Sehen Sie sich mit 21 Jahren schon als Kapitän?

Letztes Jahr war ich in einem eher kleineren Team und war dort wahrscheinlich dann doch der leistungsfähigste Fahrer und habe da meiner Meinung nach schon diese „kleinere Kapitänsrolle“ gut hinbekommen.

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