Järveläinens Tore „im Kollektiv auffangen“

von Redaktion

Das Aus im Play-off-Viertelfinale der DEL2 ist bei den Starbulls Rosenheim nun schon etwas mehr als eine Woche her. Die Exit-Gespräche sind gemacht, die Kabine ist geräumt und die letzten Autogramme sind geschrieben. Zeit, um die Saison Revue passieren zu lassen, bleibt Jari Pasanen nicht. Der Cheftrainer der Rosenheimer Eishockeyspieler plant schon wieder den Kader für die neue Spielzeit. Mit der OVB-Sportredaktion blickt er dennoch zurück.

Rosenheim – Vom Aufstieg aus der Oberliga in die DEL2 zum Klassenerhalt und der zweimaligen direkten Qualifikation für das Play-off-Viertelfinale – in den vier Jahren, seitdem Jari Pasanen bei den Starbulls das Amt des Chefcoaches übernommen hat, ist es stetig bergauf gegangen. Die 97 Punkte aus der Hauptrunde sind auch die beste Marke einer Starbulls-Mannschaft in der zweithöchsten Spielklasse. Der Deutsch-Finne ist deshalb mit der Saison auch zufrieden, wenngleich ihn das Aus im Viertelfinale richtig wurmt. Nun gilt es, diese Bilanz zur neuen Saison erneut zu verbessern. Pasanen und sein Team arbeiten daran mit gewohntem Einsatz. Der erfahrene Trainer, sein Assistent Jamie Bartman und Torwarttrainer Mika Tarvainen werden auch in der kommenden Spielzeit für die Starbulls-Profis zuständig sein. Im großen Interview mit der OVB-Sportredaktion spricht Pasanen über Fehler in den Play-offs, seinen Spieler der Saison und die markanten Abgänge im Team.

Vor ein paar Wochen hat die Sportredaktion Sie gefragt, ob ein erneutes Viertelfinal-Aus eine Enttäuschung wäre. Sie haben damals gesagt, es komme auf die Art und Weise an. Ist es jetzt enttäuschend?

Es ist eine Enttäuschung, denn ich bleibe dabei: Wir waren insgesamt die bessere Mannschaft. Wir haben aber zu viele unnötige Strafzeiten genommen, zu leichte Gegentore bekommen und dadurch haben wir die Serie mit 2:4 verloren, auch wenn wir teilweise richtig gut gespielt haben.

Sie steigen immer schnell in die Fehleranalyse ein. Haben Sie in der Nachbetrachtung schon Dinge erkennen können, die man nächste Saison abstellen kann?

Das beste Gebiet von unserem Spiel war die Defensive, die neutrale Zone und Defensivzone. Das haben wir teilweise super gemacht, auch in dieser Serie – aber nicht die ganze Zeit! Als die Intensität ein bisschen höher wurde, war die Nervosität da, und dann haben wir zu viele Fehler gemacht. Das hätte ich nicht gedacht, weil wir defensiv die gesamte Saison über eigentlich sehr, sehr gut gespielt haben. Das ist sicherlich auch ein Grund, warum wir in der Verteidigung so viele Spieler wechseln. Wir wollen dort noch besser werden!

Sie haben während der Play-off-Serie die Kontingentspieler und damit auch die Aufstellung immer wieder mal gewechselt. Würden Sie im Nachhinein etwas anders machen?

Im Nachhinein ist es leicht zu sagen, dass ich im sechsten Spiel Teemu Pulkkinen hätte mitnehmen sollen. Aber der Plan war, sehr defensiv zu spielen, ein, zwei Tore zu schießen und das Spiel zu gewinnen. Und das haben wir fast geschafft, wir hatten Alleingänge und ein paar andere gute Torchancen. Pulkkinen hätte da vielleicht ein Tor gemacht. Ob wir bei den Torhütern anders hätten aufstellen sollen? Ich weiß es nicht. Es hing auch damit zusammen, dass wir Verletzungen hatten und mit möglichst vielen Kontingentspielern spielen wollten. Vielleicht hätten wir als Trainergruppe doch, obwohl wir so gut defensiv gespielt haben, vielleicht noch mehr betonen müssen, wie wichtig das ist. Das haben wir unserer Meinung nach zwar gemacht, aber anscheinend nicht genug, weil wir defensiv Schwächen gezeigt haben.

War es denn eine Serie, die nur von den Kleinigkeiten gelebt hat, die dann entscheidend waren?

Ja, größere Sachen waren ja nicht. Man sagt immer, dass in den Play-offs Überzahl und Unterzahl eine große Rolle spielen. Beides haben wir hervorragend gemacht. Was mich wurmt, sind die vielen Strafzeiten, die wir genommen haben. Das hat sehr viel Kraft gekostet, auch bei unseren Top-Sechs-Stürmern. Es kann sein, dass das ausschlaggebend war.

Wie blicken Sie mittlerweile auf das DEL2-Rekordspiel?

Das war schon ein außergewöhnliches Spiel und ein spezieller Moment für alle Beteiligten, Spieler und Trainer. Beide Mannschaften haben lange gespielt und die Spieler haben das überraschend gut weggesteckt. Einige Tage danach haben wir wieder gespielt und das eigentlich sehr energisch. Wenn man nicht gewusst hätte, dass man zuvor so lange gespielt hat, dann hätte man das meiner Meinung nach gar nicht merken können.

In der Hauptrunde gab es wieder mehr Punkte und eine bessere Platzierung. Wie groß ist Ihre Zufriedenheit damit?

Sehr, gar keine Frage. Zunächst muss ich die Mannschaft loben, wie einfach es war, dieses Jahr mit ihr zu arbeiten. Das war wahrscheinlich auch ein wichtiger Grund, warum wir uns im Laufe der Saison verbessert haben. Bei den geschossenen Toren und den Gegentoren waren wir besser. Unser Überzahlspiel war eine halbe Saison lang nicht gut, zum Schluss wurde es besser. Anfangs hatten wir vielleicht 14 Prozent, in der zweiten Hälfte waren es schon 24 Prozent – und damit kann man zufrieden sein. Unsere Unterzahl war immer relativ stabil, die Defensivarbeit sehr gut. Die Leistung von beiden Torhütern war gut. Und das Wichtigste war, dass die Arbeitsmoral der Truppe hervorragend war. Ich glaube, das war der wichtigste Faktor, dass wir den dritten Tabellenplatz geschafft und dann auch monatelang gut verteidigt haben.

Gibt’s denn für Sie einen Spieler der Saison?

Wenn man einen Spieler hervorheben möchte, dann Scott Feser. Lewis Zerter-Gossage auch, er hatte aber ein paar Verletzungen. Ohne diese würde er sicherlich in die gleiche Kategorie gehören. Aber ,Scotti‘ hat die gesamte Saison durchgespielt und war meiner Meinung nach mit Shane Hanna unser bester Spieler in diesem Jahr.

In den letzten beiden Jahren hat es nach der Saison einen großen Umbruch mit mindestens 15 Abgängen gegeben. Momentan sind neun Spieler verabschiedet worden, unter der Saison wurden schon Verträge verlängert. Ist die Arbeit, eine neue Mannschaft zu formen, jetzt leichter?

Gott sei Dank müssen wir jetzt nicht 15 Leute ersetzen, sondern deutlich weniger. Aber trotzdem kostet es sehr viel Zeit und es ist viel Telefoniererei. Es ist immer eine Herausforderung, eine bessere Mannschaft auf die Beine zu stellen – und das ist ja das Ziel. Ob wir dann bessere Resultate holen? Die Konkurrenz schläft ja auch nicht. In den letzten zwei Jahren ist uns das zweimal sehr gut gelungen und ich hoffe natürlich, dass es wieder so klappt. Aber das kann man nicht vorhersehen, denn ich bin der Meinung, dass die Top Sechs zur neuen Saison wieder ein bisschen besser werden. Der dritte Tabellenplatz war sehr, sehr, sehr gut – und den zu verteidigen wird verdammt schwierig.

Wer soll die Tore von Ville Järveläinen kompensieren?

Bis jetzt haben wir keinen adäquaten Ersatz gefunden. Es ist auch schwierig, einen deutschen Rechtshänder zu finden, der so viele Tore schießt. Die wachsen ja nicht in jedem Garten und deswegen können wir wahrscheinlich nur versuchen, das im Kollektiv aufzufangen. Fakt ist auch, dass unsere zwei ausländischen Stürmer nicht so viel Tore geschossen haben, wie wir uns das vielleicht gewünscht hätten. Vielleicht kommen nun welche, die mehr Tore schießen und die auch die Tore von Ville kompensieren werden.

C.J. Stretch, der die Starbulls verlassen wird, war in den letzten zwei Jahren ihr Kapitän. Wie haben Sie Ihn in dieser Rolle empfunden?

Zu allererst: ,Stretchi‘ ist ein unglaublicher Typ, ein sehr netter Mensch und ich schätze ihn sehr. Als Spieler hätte er sich selbst bestimmt auch mehr erwünscht, wenn es um Leistung und Punkteproduktion geht. Aber er war ein toller Typ in der Kabine, der seine Kapitänsrolle richtig wahrgenommen und gut ausgeführt hat. Die Zusammenarbeit mit ihm war einfach hervorragend.

Maxi Vollmayer, eine Identifikationsfigur, verlässt Rosenheim nach zwölf Jahren. Wie haben Sie seine Rolle gesehen? Finden Sie es schade, dass er zukünftig nicht mehr dabei ist?

Es ist natürlich schade, dass so ein Spieler nicht mehr da ist. Wir haben mehrmals mit ihm gesprochen und er hat die Gründe erläutert, warum er diesen Schritt macht. Ich verstehe das voll und ganz. Ich habe ,Volli‘ vor vier Jahren kennengelernt und es hat ein bisschen gedauert, bis er mich verstanden hat – und ich ihn. Aber wir haben dann gemeinsam einen Weg gefunden und die vier Jahre haben für mich riesen Spaß gemacht. Trotz seiner Rückenverletzung hat er sich meiner Meinung nach noch entwickelt, als Mensch und auch als Spieler.

Artikel 11 von 11